Volkshilfe zum Weltfrauentag: Gelebte Gleichberechtigung sieht anders aus.

Präsidentin Barbara Gross zieht anlässlich des Weltfrauentages Bilanz

Wien (OTS) - Der internationale Frauentag soll nicht nur ein Tag der schönen Worte und Versprechen sein. Die Forderung nach Gleichstellung, d.h. zum Beispiel gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit ist eine immer noch zu bewältigende politische und soziale Herausforderung, sagt Barbara Gross, Präsidentin der Volkshilfe Österreich: "Aktuelle Zahlen zeigen, dass sich die Rolle der Frau immer noch stark von jener des Mannes unterscheidet. Gelebte Gleichberechtigung würde aber nicht nur Vorteile für das Individuum bringen. Länder mit einem ausgeglichenem Geschlechterverhältnis sind ökonomisch und sozial balancierter und kulturell innovativer", so die Präsidentin.

Aktuelle Daten der Statistik Austria belegen zum Beispiel, dass die Aufteilung der Erwerbsarbeit immer noch traditionellen Rollenbildern:
"Es ist zwar positiv, dass die Erwerbsbeteiligung der Frauen grundsätzlich steigt", sagt Gross. Der Zuwachs entfalle aber vor allem auf Teilzeit-Beschäftigungen. So ging die Frau im Jahr 2014 bei 44,6% der Paare mit Kindern unter 15 Jahren einer Teilzeit- und der Mann einer Vollzeitbeschäftigung nach. Eine partnerschaftliche Aufteilung wurde nur bei weniger als 10% der Paare tatsächlich gelebt. "Die chancengleiche Teilhabe muss auch von Männern stärker angestrebt werden, um ein wirklich gemeinschaftliches Miteinander von Mann und Frau im Erwerbsleben und vor allem im Bereich Familien und Partnerschaften zu erreichen", sagt Barbara Gross.

Diskriminierung am Arbeitsplatz beginne mit Diskriminierung am Lohn-und Gehaltszettel: "Frauen verdienen nach wie vor deutlich weniger als Männer. Darüber hinaus zählt Österreich im EU-Vergleich weiterhin zu den Ländern mit den größten Lohnunterschieden zwischen Frauen und Männern". Auf der anderen Seite steigt die Anzahl an Frauen in Top-und Middle-Management-Positionen sowie in Vorständen. "Diese Entwicklung ist erfreulich. Langfristig muss sich aber das Mindset in den Köpfen der wirtschaftlichen und politischen Entscheidungsträger verändern, um ein Umdenken in der gesamten Gesellschaft zu erreichen", sagt Gross und weist darauf hin, dass Quoten nicht zur Erreichung dieses Zieles beitragen können.

Nicht zuletzt weist der Direktor der Volkshilfe Österreich, Erich Fenninger auf den Zusammenhang mit der Flüchtlingsbewegung hin: "Die momentane Situation in den Kriegsgebieten aber auch in den angrenzenden Ländern ist eine humanitäre Katastrophe. Frauen und Kinder, die flüchten müssen, sind Gewalt und sexueller Ausbeutung überproportional und hilflos ausgeliefert. Es braucht spezifische Maßnahmen, um ihre Sicherheit auf den Fluchtrouten, an Grenzen und in Lagern und auch nach Ankunft an ihrem Ziel zu erhöhen", sagt Fenninger und richtet seinen Appell an die VertreterInnen aller EU-Länder, die Istanbul-Konvention zu ratifizieren und zu implementieren. "Laut der Konvention haben alle Frauen das gleiche Recht auf Schutz und Sicherheit. In der Realität ist das aber nicht der Fall - auch nicht in Österreich, das die Konvention bereits ratifiziert hat".

Abschließend fordern Gross und Fenninger gelebte Chancengleichheit in allen Bereichen: "Gleichberechtigung darf kein Schlagwort sein. Es bedarf einem Umdenken und Überdenken aller Lebensbereiche der Frau. Davon profitieren letztlich alle. Der Internationale Frauentag ist nicht nur ein Feiertag für die erkämpften Rechte von Frauen und Mädchen – er fordert auch zum Handeln auf".

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