Armutszeugnis Zeugnisarmut: AK fordert rasche Maßnahmen gegen frühen Bildungsabbruch

Linz (OTS) - In Oberösterreich beenden jährlich rund 3.000 Jugendliche ihre Ausbildung ohne Abschluss. Das hat weitreichende gesellschaftliche Folgen. Junge Bildungsabbrecher/-innen schaffen oft den Einstieg ins Berufsleben nicht, haben ein höheres Risiko, arbeitslos und sozial ausgegrenzt zu werden. „Wenn Jahr für Jahr tausende Jugendliche ohne Bildungsabschluss dastehen, birgt dies früher oder später sozialen Sprengstoff. Die Politik muss jetzt rasch reagieren“, fordert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Die AK hat ein umfangreiches Bündel an Maßnahmen gegen Bildungsarmut geschnürt.

Trotz aufwändiger Gegensteuerung (Jugendauffangnetz, Integrative Lehrlingsausbildung etc.) verfügen fast 18 Prozent der 20- bis 24-Jährigen in Oberösterreich maximal über einen Pflichtschulabschluss. Das „Fundament“ dafür wird aber schon früher gelegt: Zum einen ist Bildungsarmut in Österreich hochgradig erblich. Je niedriger das Bildungsniveau der Eltern ist, umso eher tritt auch bei den Kindern Kompetenz- bzw. Zeugnisarmut auf. Das zeigt sich oft schon in der Volksschule, wie zahlreiche Schulleistungsvergleiche belegen. Zum Beispiel erreichten nur jede fünfte Volksschülerin / jeder fünfte Volksschüler sowie fast 40 Prozent der 14-Jährigen die Bildungsstandards in Mathematik nicht oder nur teilweise. Die Sortier- und Ziffernnotenschule schafft es nicht, diese fehlenden Grundkompetenzen zu kompensieren, Leistungsdifferenzen zu verringern und sozial bedingte Herkunftsdefizite im Rahmen der neunjährigen Pflichtschule auszugleichen.

Jugendliche mit frühen Ausbildungsabbrüchen bzw. geringen Grundfähigkeiten haben ein erhöhtes Arbeitsmarktrisiko, häufig einen beschwerlichen Berufseinstieg sowie eine beeinträchtigte Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen. Das Arbeitslosigkeitsrisiko mit maximal Pflichtschulabschluss ist im Durchschnitt rund viermal so hoch wie bei Fachkräften mit Lehrabschluss oder fast zehnmal so hoch wie bei Personen mit Hochschulabschluss.

Je früher an Chancengerechtigkeit gearbeitet wird, umso wahrscheinlicher werden sprachliche oder soziale Herkunftsdefizite ausgeglichen. „Deshalb ist ein verpflichtendes gebührenfreies zweites Kindergartenjahr für alle ein wichtiger Schritt zur bestmöglichen altersgerechten Förderung von Kompetenzen“, erklärt AK-Präsident Kalliauer.

Die gängige Sortierschule soll durch EINE gemeinsame ganztägige Schule für die Sechs- bis 15-Jährigen ersetzt werden. Dort erhalten die Schüler/-innen ihren Begabungen entsprechend einen individuell optimalen Mix aus Förderung und Anforderung. Wo notwendig und sinnvoll, wird nach innen über eine bestimmte Zeit lang differenziert.

Rund die Hälfte junger Bildungsaussteiger/-innen kommt aus der Lehrlingsausbildung. Für sie bedeutet der Abbruch tatsächlich meist (zumindest vorläufig) den Komplettausstieg aus dem formalen Ausbildungssystem. Die Qualitätssicherung der betrieblichen Ausbildung sowie Verbesserungen im Prüfungsbereich (zum Beispiel durch Teil- und Zwischenprüfungen) können auf mittlere Sicht nachhaltig zur Senkung des Drop-Out in der Lehrlingsausbildung beitragen. „Die öffentlichen Fördermittel für die Lehrlingsausbildung sollen künftig primär von nachweislicher Ausbildungsqualität und Erfolgsrate abhängig sein“, fordert Kalliauer.

Die Ausbildungsgarantie bis 18 ist ein richtiger erster Schritt – auch um eine Struktur in die recht unübersichtliche Angebotslandschaft im Bereich von Auffangnetzen und Sozialprojekten für Jugendliche zu bringen. „Das Bildungssystem darf sich aber nicht aus der Verantwortung für die Bildungsarmut stehlen und alles den Reparaturwerkstätten der Arbeitsmarktpolitik und Sozialarbeit überlassen“, sagt der AK-Präsident. Nicht zuletzt ist auch die Landespolitik gefordert: „Anstatt sich nur mit Deutschpflicht im Schulhof zu beschäftigen, muss das Land Oberösterreich endlich aktiv werden. Wir brauchen ein umfassendes politisches Offensivpaket, um Bildungsarmut zu bekämpfen“, fordert Präsident Kalliauer.

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