WTV zum Tag des Artenschutzes: Kein Grund zum Feiern

Wiener Tierschutzverein: Zustand des Artenschutzes in Österreich katastrophal. Präsidentin Petrovic: „Nicht feiern, sondern für die Tiere kämpfen“.

Vösendorf (OTS) - Am 3. März wird seit dem Jahr 1973 traditionell der internationale Tag des Artenschutzes begangen. Er markiert das Datum der Unterzeichnung des Washingtoner Artenschutzabkommens, welches bedrohte, wildlebende Tierarten und Pflanzen schützen soll. Für den Wiener Tierschutzverein (WTV) ist dies jedenfalls kein Tag zum Feiern, nimmt es doch gerade Österreich mit dem Schutz bedrohter Arten und anderer Wildtiere nicht so genau.

So müssen etwa in Wien die Ziesel, die auf Platz Eins der Roten Liste der gefährdetsten Tierarten Österreichs stehen, einem Bauvorhaben weichen. Trotz jahrelanger Bemühungen von Tierschützerinnen und Tierschützern und Einwänden der EU-Kommission hat die zuständige Behörde Vorarbeiten auf dem Areal vor kurzem genehmigt. In Niederösterreich darf der Biber, der eigentlich unter strengem Naturschutz steht und 2016 gar zum Tier des Jahres gekürt wurde, durch eine Gesetzesänderung im November 2015 in so genannten „Härtefällen“ geschossen werden. Auch den Fischotter trifft in Niederösterreich dasselbe Schicksal. Nicht nur, dass beide Tiere lange Zeit als nahezu ausgerottet galten, bis zu dieser Änderung waren beide Arten ganzjährig geschützt.

Das Land Kärnten plant indes den Abschuss tausender Krähenvögel, die als Sündenböcke für menschliches Versagen herhalten müssen. In Oberösterreich ist ein ähnliches Massaker geplant. Ebendort wurde vergangenes Jahr im Nationalpark Kalkalpen ein Luchs, der eigentlich Teil eines Wiederansiedelungsprogramms war, von einer Jägerin abgeschossen. Die lapidare Begründung ihres Rechtsanwalts: der Luchs sei „jagdbares Wild“. Die Dame wurde zwar rechtskräftig verurteilt, wie nun bekannt wurde werden dort allerdings noch weitere Abschüsse von Luchsen vermutet. In Salzburg siedeln sich wieder Wölfe an, doch anstatt sich zu freuen und nach Lösungen zu suchen, diese seltenen Tiere wieder in die Natur einzugliedern, bietet Österreichs Umweltminister sogar selbst an, eine Jagdkarte zu lösen, um den Tieren den Garaus zu machen. Diese traurige Aufzählung könnte noch beliebig weitergeführt werden.

Verheerendes Zeugnis für Österreich

Diese traurige Aufzählung könnte noch beliebig weitergeführt werden, allerdings macht sich der schlechte Artenschutz auch anders bemerkbar: Die EU-Mitgliedsstaaten müssen alle sechs Jahre gemäß Artikel 17 der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) Bericht über den Erhaltungszustand sämtlicher Lebensräume und Tierarten an die EU-Kommission erstatten. So auch Österreich. Der letzte Bericht, der 2014 publik gemacht wurde, stellt Österreich ein verheerendes Zeugnis in punkto Artenschutz aus: 82 Prozent der 209 von der EU in Österreich als schützenswert eingestuften Tier-und Pflanzenarten sind in „unzureichendem“ oder „schlechtem“ Zustand. Bei 35 Prozent ist das Überleben gar „ernsthaft gefährdet“.

Zustand katastrophal

„Hinzu kommen noch betuchte Jagdgesellschaften im rechtsfreien Raum und Staatsanwaltschaften, die brutale Tierquälereien für straffrei deklarieren. Es gibt momentan wahrlich nichts zu feiern. Der Zustand der bedrohten Arten in Österreich ist katastrophal. Trotz EU-Vertragsverletzungsverfahren gibt es immer noch keine Rechtsmittel für Natur- und Tierschutzvereine, ganz entgegen der Aarhus-Konvention“, sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic. Die Aarhus-Konvention, die 2001 in Kraft getreten ist, gliedert sich in drei Säulen: den möglichst freien Zugang zu Umweltinformationen, die Öffentlichkeitsbeteiligung an Entscheidungsverfahren und den Zugang zu Gerichten in Umweltverfahren. Die dritte Säule, in der es im Allgemeinen auch um rechtliche Instrumente für Umweltorganisationen und Tierschutzvereine geht, wurde bisher noch nicht umgesetzt.

„Daher sollte dieser Tag für die Bevölkerung eher ein Weckruf sein, darüber nachzudenken, dass in unserem Land die Prioritäten in punkto Artenschutz gewaltig schief liegen. Also: Nicht feiern, sondern mit allen demokratischen Mitteln kämpfen“, so Petrovic abschließend.

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