Blasenkrebs: Auf der Suche nach individualisierten Therapien

PA zur Frühjahrstagung der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie

Wien (OTS) - Bei Blasenkrebs, der sechsthäufigsten Krebserkrankung, rücken individualisierte Therapien immer näher. „Ziel neuer Therapieansätze ist es, die Wiederauftrittsraten zu senken und die Überlebensraten zu verbessern. Eine verbesserte Früherkennung von Tumorvorstufen beim Harnblasenkarzinom ermöglicht eine frühzeitige Therapie und verhindert in vielen Fällen ein Fortschreiten der Erkrankung“, sagt Univ.-Prof. Dr. Martin Susani (MedUni/AKH Wien) anlässlich der Frühjahrstagung der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie.

„Bestimmte Formen von Blasenkrebs (Low-grade-Tumoren) haben ein hohes Risiko des Wiederauftretens. High-grade-Tumoren hingegen wachsen aggressiver, metastasieren häufiger und haben, wenn sie bereits in umliegendes Gewebe vorgedrungen sind, eine schlechte Prognose“, so Prim. Dr. Christa Freibauer (Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf; Vorstandsmitglied der ÖGPath/IAP Austria). „Eine exakte Diagnose ist Aufgabe des Pathologen, darauf basierend werden die Weichen für die Therapie gestellt.“

Männer sind von Blasenkrebs fast 4mal so häufig betroffen wie Frauen, doch haben Frauen eine schlechtere Prognose. Etwa 50 Prozent der Erkrankten sind oder waren Raucher.

In der Diagnose und Therapie von Blasenkrebs gibt es derzeit eine Reihe interessanter Ansätze:

• Bei der Früherkennung spielt die Fluoreszenz-Zystoskopie eine Rolle, eine modernisierte Form der Blasenspiegelung, bei der z. B. eine lichtempfindliche Substanz aus Johanniskraut eingesetzt wird. „Hypericin reichert sich in Tumorzellen an, jedoch nicht in gesunden Zellen. Bei nachfolgender Beleuchtung lassen sich Tumorareale deutlich von der gesunden Blasenschleimhaut unterscheiden“, erklärt Prof. Susani. „Das verdächtig erscheinende Gewebe kann noch während der Blasenspiegelung entfernt werden.“ Ein derartiges Produkt ist bereits auf dem Markt, ein anderes in der Pipeline.

• Die frühzeitige Behandlung mit BCG, einer früher als TBC-Impfung verwendeten Substanz, und anderen Präparaten, die in die Blase verabreicht werden, führt zur Freisetzung von Interleukinen (körpereigene Botenstoffe der Zellen des Immunsystems), „was in einem hohen Prozentsatz zur Rückbildung der Krebsvorstufen führt“ (Prof. Susani).

• Ein Zukunftsaspekt liegt in der Mitberücksichtigung von genetischen Eigenschaften in der Tumorklassifizierung. Früher wurde zum Beispiel die Entstehung des Karzinoms in Kaskaden dargestellt mit einer P53-Mutation am Ende. Heute weiß man, dass dieses Protein nur in einem Teil der Tumoren mutiert ist. Auch bekannte Genmutationen wie Her2neu, H-RAS und FGFR3 spielen in der Tumorgenetik eine Rolle, erklärt Prof. Susani: „Blasentumoren sind also offensichtlich genetisch sehr unterschiedlich. Gelingt es, diese Unterschiede nachzuweisen, werden voraussichtlich differenzierte, individualisierte Therapien möglich.“

• Biomarker und genetische Eigenschaften des Tumors könnten nicht nur das Potential haben, High-Risk-Blasenkarzinome zu identifizieren, sondern auch jene Patienten herauszufiltern, die am meisten von einer Chemotherapie profitieren. Prof. Susani: „Der personalisierte Ansatz hat das Potential, Nebenwirkungen und Toxizität zu reduzieren und das klinische Outcome zu verbessern.“

• Ansätze für individualisierte Therapien sind die Proteine ERCC1 und CD147, die möglicherweise ein Nichtansprechen auf Chemotherapie vorsagen können.

• Ein weiterer möglicher Ansatz für die individualisierte Therapie sind die Immuntherapeutika. PD-1 (Programmed Death-1) und PDL1 (Programmed Death Ligand-1) Inhibitoren lassen, so Prof. Susani, „neue hoffnungsvolle Therapieansätze für das Harnblasenkarzinom erwarten. Klinische Studien der Phase III stehen vor dem Abschluss.“

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