TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" von 18. Februar 2016 von Alois Vahrner "Bargeld-Sorgen und politisches Kleingeld"

Innsbruck (OTS) - Rein elektronischer Zahlungsverkehr statt Bargeld brächte eine weitere unzumutbare Entmündigung der Bürger. Allerdings hat diesen Irrsinn aber auch noch kein einziger europäischer Verantwortungsträger gefordert.

Kommunikation ist vor allem das, was beim Empfänger ankommt. Und das war in Sachen Bargeld zuletzt ein bitterer Cocktail aus Vorschlägen und Vorstößen, wie den vor und nach dem Start 2002 so heftig beworbenen Banknoten und Münzen der EU-Gemeinschaftswährung der Garaus gemacht werden kann – von Obergrenzen für Bargeld-Transaktionen bis hin zum Ende von 500-Euro-Scheinen oder der 1- und 2-Cent-Münzen.
Da wurde und wird also quasi von oben und unten am trotz verschiedenster Turbulenzen wie der Griechenland-Krise doch in allen Mitgliedsländern weit akzeptierten Euro herumgeschnipselt. Und zu allem Überdruss meldeten sich auch noch Experten, die Bargeld am liebsten abschaffen würden, weil damit Terror und Geldwäsche am besten zu bekämpfen seien. Dasselbe Argument, mit dem nach dem Willen etwa Deutschlands oder der Europäischen Zentralbank auch die Zahlungs-Obergrenzen und das Ende der 500er-Scheine besiegelt werden sollen. Das Dauerfeuer aus mehr oder minder unausgegorenen Vorschlägen muss bei den Bürgern den Eindruck verstärken, dass im Hintergrund irgendein dunkler Masterplan zur Abschaffung jeglichen Bargeldes läuft.
Abgesehen davon, dass zurzeit (siehe Flüchtlingskrise) auch nur der Verdacht eines solchen, auch noch von halbwegs einer Zahl von EU-Mitgliedern getragenen Masterplans abwegig erscheint: Das Bargeld-Ende hat bisher kein einziger Verantwortungsträger verlangt. Wohl wissend, dass solche Pläne über die Köpfe der Bürgerinnen und Bürger, die zu Recht am Bargeld hängen (in Österreich laufen fast 90 Prozent aller Transaktionen in bar ab), nur ins Fiasko führen könnten. Die Sorge bestünde zu Recht, dass sich die ebenfalls mit Terrorismus-Bekämpfung argumentierte Beschneidung vieler elementarer Bürgerrechte bis hin zur totalen Bespitzelung durch die NSA und andere staatliche Geheimdienste auf jeglichen Geldverkehr ausweiten würden.
Ob man wirklich die kaum verwendeten 500-Euro-Scheine braucht, ist zwar tatsächlich diskussionswürdig. Zu glauben, dass es ohne die 500er oder auch komplett ohne Bargeld keinen Terror oder keine Geldwäsche mehr geben würde, ist abstrus.
In Österreich wird im Vorfeld des Bundespräsidenten-Wahlkampfs jedenfalls versucht, allerlei politisches Kleingeld zu schlagen. Dabei haben sich erfreulicherweise alle sechs Parlamentsparteien absolut fürs Bargeld ausgesprochen. Wenn alle im Fall des Falles dabei bleiben, braucht es keinen Verfassungs-Passus, der sonst auch nichts mehr retten könnte.

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