Psychotherapie wird erschwinglich – aber nur für manche Versicherte

Wien (OTS) - Psychische Erkrankungen am Vormarsch. Nach Beamten und Eisenbahnern erhalten nun auch Bauern von ihrer Sozialversicherung einen erhöhten Zuschuss für Psychotherapie. Wer jedoch bei einer Gebietskrankenkasse versichert ist, erhält nur 21,80 Euro.

Psychische Erkrankungen sind längst eine Volkskrankheit

Über 900.000 Menschen jährlich nehmen in Österreich Psychopharmaka. Der Anstieg psychischer Leiden zeigt sich in allen Bereichen der Statistik, egal ob bei Krankenständen (Verdreifachung seit 1996) oder Frühpensionen (bereits 50 % der Neuzuerkennungen). „Wir haben es hier nicht mehr mit einem Randphänomen zu tun“ warnt Peter Stippl, Präsident des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie. „Die Finanzierung für Psychotherapie wurde aber seit 24 Jahren nicht angepasst – das rächt sich jetzt“.

Auch Sozialversicherung der Bauern erhöht Zuschuss auf 50 Euro

Die Sozialversicherungsanstalt der Bauern erhöhte für ihre 225.000 Anspruchsberechtigten mit 1. Jänner 2016 den Zuschuss für Psychotherapie auf 50 Euro. „Das steigert natürlich die Erwartungshaltung, dass die Gebietskrankenkassen nachziehen“, zeigt sich Peter Stippl über diese Entwicklung erfreut. Denn auch die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter (BVA, 800.000 Anspruchsberechtigte) leistet bereits seit 2014 einen Zuschuss von 40 Euro und die Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau zahlt 28 Euro.

Gebietskrankenkassen: Seit 1992 nur 21,80 Euro Zuschuss

Die Gebietskrankenkassen leisten einen Zuschuss von 21,80 Euro. Dieser wurde seit 1992 nicht angepasst. „Die Zuschusshöhe entscheidet für viele Menschen darüber, ob Psychotherapie leistbar ist“, erläutert Stippl. Durch einen niedrigen Zuschuss werden vor allem sozial schwache Gruppen, wie Alleinerziehende benachteiligt.

Es gibt zwar bei jeder Sozialversicherung vollfinanzierte Sachleistungsplätze, die Wartezeiten betragen jedoch bis zu 6 Monaten und die Anzahl der Plätze ist stark beschränkt. Somit können jährlich nur rund 30.000 Personen auf diese Weise versorgt werden.

Mindestens 40 Euro Zuschuss für alle Versicherten

„40 Euro sollte das Minimum für alle Kassen sein“, fordert Stippl. „Wir müssen endlich wirklich gegensteuern und das für alle Versicherten. Wie viel Psychotherapie kostet, darf nicht wie Lottospielen sein – je nach Sozialversicherung hat man Glück oder Pech“, ist Stippl überzeugt.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie
Mag. Barbara Zsivkovits, Presse&PR
01/512 70 90-23 Fax 01/512 70 91
oebvp.zsivkovits@psychotherapie.at
http://www.psychotherapie.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OBP0001