Neues Volksblatt: "Integration" (von Herbert Schicho)

Ausgabe vom 8. Februar 2016

Linz (OTS) - Es ist schon erstaunlich, welche Bandbreite juristische Meinungen bisweilen einnehmen — die sich dann doch meist auf einen Nenner zusammenfassen lassen. Jüngstes Beispiel ist die Deutschpflicht in den Schulpausen. Das Fazit der Juristen: Es ist eine politische Entscheidung und erst nach der konkreten Formulierung können die Höchstrichter die verschiedenen Argumente abwägen, der Ausgang ist daher ungewiss. Ohne jetzt die Spitzfindigkeiten der Juristen in Linz und Wien zu schmälern, bleibt ein schaler Beigeschmack. Denn es ist schon sehr eigenartig, dass die rote Ministerin die rechtliche Totschlag-Keule schwingt und erst durch ein neues Gutachten die Debatte wieder dorthin geführt werden kann, wo sie hingehört — in die Politik.
Nun stehen hoffentlich statt juristischer Bedenken wieder die Fakten und Ziele im Fokus. Klar ist, dass Integration nur über die Sprache funktionieren kann. Der Philosoph Emile Cioran meinte gar: „Wir wohnen nicht in einem Land, sondern in einer Sprache.“ Klar ist auch, dass die jungen Menschen eine Schlüsselrolle für die Integration haben, denn durch sie können auch die Eltern mitgenommen werden. Derzeit dürfte es leider nicht so recht funktionieren, denn statt Deutsch mit nach Hause zu nehmen, wird die Sprache von daheim in den Schulhof getragen. Die Deutschpflicht ist daher auch ein Symbol, dass man es mit Integration ernst meint und keine Parallelgesellschaften möchte.

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