Beschäftigte bei Scheinfirma in Zypern angemeldet: Forstunternehmen prellte Arbeiter und Staat um zehntausende Euro

Linz (OTS) - Einen besonders dreisten Fall von bewusster und systematischer Unterentlohnung deckten die AK-Rechtsexperten/-innen auf, nachdem sich ein Arbeiter nach seiner Kündigung wegen offener Lohnzahlungen an die AK gewandt hatte. Das Forstunternehmen mit Sitz im Bezirk Perg, bei dem der Mann gearbeitet hatte, meldete seine Beschäftigten bei einer Postkastenfirma in Zypern an. „Damit hat das Unternehmen nicht nur die Arbeiter um tausende Euro geprellt, sondern auch das Steuersystem und die Sozialversicherung in Österreich betrogen“, ist AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer empört.

Ein Jahr lang arbeitete ein Mann für die Forstarbeitsfirma mit Sitz in Waldhausen im Strudengau im Bereich Hecken-, Gras- und Grünschnittarbeiten, dann wurde er gekündigt. Er wandte sich an die AK, weil ihm die Firma Lohn schuldig geblieben war. Die AK forderte den Arbeitgeber auf, zu zahlen, doch das Unternehmen meldete Insolvenz an. Also brachte die AK die Forderung beim Insolvenzfonds ein, der in solchen Fällen die offenen Forderungen auszahlt. Doch der Masseverwalter bestritt die Ansprüche: Der Mann sei gar nicht bei der Firma gemeldet gewesen, so die Rechtfertigung.

Die AK forschte nach und stellte fest, dass das Unternehmen den Mann bei einer Scheinfirma mit niedrigerem Mindestlohn in Zypern angemeldet hatte – obwohl sein Arbeitsort immer Österreich gewesen ist. Der Arbeiter hatte sich auf ein im Internet geschaltetes Inserat beworben, hatte sein Bewerbungsgespräch bei der Firma in Waldhausen und wurde auch vom dortigen Prokuristen eingestellt. Ihm wurde nicht mitgeteilt, dass die zypriotische Firma sein Arbeitgeber sein soll, und er wurde auch nicht darüber informiert, dass er gar nicht in Österreich bei der Sozialversicherung gemeldet werden soll.

Auch fünf Kollegen waren von dieser dubiosen Praxis betroffen. Für alle sechs setzte die AK rückwirkend die Anmeldung in Österreich durch und berechnete auch den Lohn, der ihnen für die Arbeit in Österreich rechtmäßig zugestanden wäre. Die Differenz bekamen die sechs Männer schließlich dank des Einsatzes der AK aus dem Insolvenzfonds nachbezahlt: mehr als 31.500 Euro netto.

„Dieser Fall ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten und stellt ganz klar Sozialbetrug dar“, ärgert sich AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer über das Vorgehen des Unternehmens. „Fälle wie diese schädigen nicht nur die betroffenen Arbeiter und das heimische Sozialsystem, sondern benachteiligen auch Unternehmen, die sich an die gesetzlichen Bestimmungen halten und Löhne, Steuern und Sozialversicherungsbeiträge korrekt zahlen“, sagt er.

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