„Kulturmontag“ am 1. Februar: Ortskerne-Rettung, Naschmarkt-Zukunft und Flüchtlingsdebatte philosophisch

Außerdem: Neue Dokumentation „Die erschöpfte Gesellschaft“ über Entschleunigung

Wien (OTS) - Clarissa Stadler präsentiert den „Kulturmontag“ am 1. Februar 2016 um 22.30 Uhr in ORF 2: Zunächst befasst sich die Sendung mit dem Aussterben der Ortskerne und mit möglichen Lösungsansätzen, begibt sich weiters zu einem Lokalaugenschein in das Künstlerbiotop Wiener Naschmarkt, das laut Kritikern zu einer Touristen- und Gastromeile zu verkommen droht, und greift u. a. die aktuelle Flüchtlingsdebatte und ihre großen ethischen Fragen auf, die sie von Philosophen wie Richard David Precht und Reinhard Merkel beantworten lässt.
Im Anschluss an das Magazin steht die Dokumentation „Die erschöpfte Gesellschaft“ auf dem Programm, die sich mit dem Trend der Entschleunigung in einer von Tempowahn und Zeitgewinn dominierten Welt beschäftigt.

Das Aussterben der Ortskerne – Wie Österreichs Städtezentren neu belebt werden sollen

Österreichweit führen Fachmärkte und Einkaufszentren am Stadtrand zu einer Verödung der Innenstädte. Ganze Geschäftszeilen stehen leer, ohne Auto geht in manchen Gemeinden gar nichts mehr. Laut einer ernüchternden aktuellen Studie hat Wels die höchste Leerstandsrate des Landes – 70 Prozent aller Handelsflächen befinden sich in der zweitgrößten Stadt Oberösterreichs an der Peripherie. Mit Eventmarketing und Mietpreisförderungen versuchen nun erste Gemeinden, die Altstädte wiederzubeleben. Doch eine Trendwende ist nur möglich, wenn man die Schadensverursacher zurückbaut und die Raumordnungs- und Verkehrspolitik reformiert, urteilt der Stadtplanungsexperte und Buchautor Reinhard Seiß („Wer baut Wien“). Wie sich die Situation verbessern lässt, welche Rolle dabei Bürgerbeteiligungen und Architekturwettbewerbe spielen müssen, das haben diese Woche die Gewinner des LandLuft Baukulturgemeinde-Preises 2016 vorgezeigt. Der „Kulturmontag“ hat Österreichs Vorzeigeorte besucht – und in den Problemgemeinden mit Bürgermeistern, Geschäftsleuten und Anrainern gesprochen.

Das Künstlerbiotop Wiener Naschmarkt: Das berühmteste Grätzel der Stadt und seine Anrainer

„Rettet den Naschmarkt“ heißt eine Bürgerinitiative, die besorgniserregenden Tendenzen in der Entwicklung der berühmten Wiener Einrichtung entgegenwirken will. Der Naschmarkt verkomme laut Kritikern zusehends zur Touristenattraktion und zur „Fressmeile für Bobos“, während der eigentliche Zweck – der Verkauf hochwertiger Nahrungsmittel – auf der Strecke bleibe. Die omnipräsente Wasabi-Nuss verdränge sukzessive den klassischen Obst- und Gemüsehandel, die Waldviertler Mohnzelten kämen nicht einmal aus dem Waldviertel, Souvenirhändler und schicke Lokale würden immer stärker das Erscheinungsbild dieses einstigen Lebensmittel-Nahversorgers prägen. „Der Kulturmontag“ ist der wechselvollen Geschichte und dem Wandel des Naschmarkts nachgegangen, hat mit Standlern und Anrainern gesprochen und zeigt auch sein Umfeld: eine lebendige Beisl-Szene, die viele Künstler/innen anzieht. Zu Wort kommen u. a. der bekannte Architekt András Pálffy, der Musiker Leo Bei, die Autorinnen Ela Angerer und Eschi Fiege sowie Peter Jaschke, Begründer der Bürgerinitiative „Rettet den Naschmarkt“.

Flüchtlingskrise als moralisches Dilemma: Was führende Philosophen in der Flüchtlingsdebatte raten

Die Ankunft Hunderttausender Flüchtlinge in Österreich und mittlerweile einer Million in Deutschland stellt die Länder vor enorme Herausforderungen und vor große ethische Fragen: der globalen Verantwortung, der nationalen Identität, der Zukunft der offenen Gesellschaft. Jetzt schon wird das Jahr 2015 als einer der großen Wendepunkte der Nachkriegsgeschichte bezeichnet, vergleichbar mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Grenzen werden neu errichtet, die Landkarte Europas ordnet sich scheinbar neu, Millionen Menschen flüchten als Opfer des Syrien-Krieges oder als Wirtschaftsflüchtlinge aus Nordafrika nach Europa.
„Was tun?“ – dieser Frage gehen im „Kulturmontag“ renommierte Philosophen auf den Grund: So spricht der bekannte deutsche Denker Richard David Precht von Moral, die sich nicht quantifizieren lässt. Wenn, dann gäbe es eine Obergrenze für Weizenexport und Lohnnebenkosten, aber nicht für fliehende Menschen, denen Elend und Tod droht. Reinhard Merkel, Rechtsphilosoph und Mitglied der Deutschen Ethikkommission, glaubt, dass eine Grenze des Zumutbaren für die österreichische und die deutsche Gesellschaft momentan noch nicht erreicht sei, bald sei es aber so weit.
Markiert 2015 nun tatsächlich das Ende europäischer Werte? Welche Antworten finden wir bei Kant, Nietzsche und Co.?

Dokumentation „Die erschöpfte Gesellschaft“

Beschleunigung und Effizienzsteigerung regieren unsere Welt – umso stärker wächst der Wunsch nach Entschleunigung. Die neue ORF/3sat-Dokumentation „Die erschöpfte Gesellschaft“ von Constanze Griessler und Franziska Mayr-Keber macht sich auf die Suche nach der sogenannten gesparten oder verlorenen Zeit und erkundet die möglichen Perspektiven und Visionen.

Der „Kulturmontag“ wird als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) bereitgestellt.

Das gesamte TV-Angebot des ORF – ORF eins, ORF 2, ORF III sowie ORF SPORT + – ist auch im HD-Standard zu empfangen. Alle Informationen zum ORF-HD-Empfang und zur Einstellung der neuen HD-Angebote finden sich auf der Website hd.ORF.at, die ORF-Service-Hotline 0800 / 090 010 gibt kostenfrei aus ganz Österreich persönliche Hilfestellung.

Rückfragen & Kontakt:

http://presse.ORF.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRF0013