Schönborn: Nächstenliebe richtet sich auf Menschen in Not

Wiener Erzbischof reagiert auf Aussagen von Präsidentschaftskandidat Andreas Khol: "Ich gebe dem Politiker Recht: Liebe beginnt zu Hause. Wo ich aber widerspreche: 'Nächstenliebe' im Sinne Jesu meint eindeutig Zuwendung zu dem, der gerade in Not ist"

Wien (KAP) - Mit einer klaren Stellungnahme hat Kardinal Christoph Schönborn auf Aussagen von Bundespräsidentschaftskandidat Andreas Khol zum Begriff "Nächstenliebe" reagiert. "Ich gebe dem Politiker Recht: Charity begins at home - Liebe beginnt zu Hause. Wo ich aber dem Politiker widerspreche: 'Nächstenliebe' im Sinne Jesu meint eindeutig Zuwendung zu dem, der gerade in Not ist", schrieb der Wiener Erzbischof in seiner Kolumne in der Gratiszeitung "Heute" am Freitag.

Ohne den Spitzenkandidaten der ÖVP für das höchste Amt der Republik zu nennen, zitierte der Kardinal die Aussage Khols bei der Klubklausur der Partei in Bad Leonfelden (13.1.), wo dieser gesagt hatte: "Ich bin ein Freund der Nächstenliebe. Die Nächstenliebe kann aber nicht nur eine Fernstenliebe sein. Charity begins at home - wir müssen zuerst auf unsere Leut' schauen."

Dem widersprach Schönborn jetzt unter Verweis auf das biblische "Gleichnis vom barmherzigen Samariter". Zur Nächstenliebe, für Jesus das "höchste, erste und wichtigste Gebot", habe dieser auf die Frage, wer der "Nächste" sei, "freilich eine andere Antwort gegeben hat": Es gehe um den, "der gerade in Not ist". Nächstenliebe praktiziere daher, "wer nicht wegschaut, wenn andere Hilfe brauchen - egal, wie nahe oder fern sie mir stehen", so der Kardinal.

Gleichzeitig stellte der Kardinal klar, dass "Liebe zu Hause beginnt" und mit Verantwortung verbunden ist: "Ich kannte einen Pfarrer, der sich so sehr um Flüchtlinge kümmerte, dass seine eigene Pfarrgemeinde verkümmerte. Eltern müssen zuerst für die eigenen Kinder sorgen. Ein Land muss auf seine eigenen Leute schauen."

Schon am vergangenen Samstag hatte Bischof Benno Elbs im Blick auf den Begriff "Nächstenliebe" gesagt: "Es schmerzt, wenn Menschen des öffentlichen Lebens dieses Wort missbrauchen und in einer Art umzudeuten versuchen, wie es niemals im Sinne Jesu sein kann." Auf den Begriff "Nächstenliebe" gebe es zwar kein "Copyright", so Elbs. Jedoch sei im Sinne Jesu "der Nächste nicht nur der, der neben mir sitzt, sondern derjenige, dessen Not am größten ist, der Mensch, der einen heilenden und aufrichtenden Blick braucht."

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