WK Wien: Unternehmer schaffen tausende neue Arbeitsplätze

WK Wien präsentiert Bildungsbedarfsanalyse: gut ausgebildetes Personal wird stark nachgefragt – größtes Problem: Niveau der Pflichtschulabgänger sinkt

Wien (OTS) - „Die Wiener Unternehmen sind der Jobmotor am Standort und zugleich stärkste Waffe im Kampf gegen die Rekordarbeitslosigkeit. Denn die Betriebe suchen auch in naher Zukunft zehntausende neue, gut ausgebildete Mitarbeiter“, sagt Stefan Ehrlich-Adám, Spartenobmann der Wiener Industrie bei der Präsentation der Ergebnisse zur Bildungsbedarfsanalyse. Die Analyse ergründet die Fragen, welche Arbeitnehmer die Wiener Unternehmen in den nächsten Jahren suchen und wie sie mit dem derzeitigen Arbeitskräfteangebot zufrieden sind. „Es ist bemerkenswert, was die Wiener Betriebe trotz schwieriger Rahmenbedingungen schaffen“, sagt Ehrlich-Adám. Dennoch gibt es auch klare Anzeichen dafür, dass der Bildungsstandort Wien ein immer größeres Problem bekommt. Ein Viertel der Wiener haben lediglich Pflichtschulabschluss, viele davon sind am Arbeitsmarkt langfristig nicht vermittelbar. 2000 offene Lehrstellen konnten die Unternehmen im letzten Jahr nicht mit geeigneten Lehrlingen besetzen. „Hier braucht es rasch und effizient Maßnahmen, damit die Menschen wieder eine Perspektive haben. Die WK Wien hat einen 5-Punkte-Plan zur Situationsverbesserung erarbeitet“, erklärt Ehrlich-Adám im Rahmen einer Pressekonferenz. Die Bildungsbedarfsanalyse führte das Institut Jaksch & Partner im Auftrag der Wirtschaftskammer Wien durch. Befragt wurden 1.500 Betriebe aller Sparten, die derzeit mehr als 100.000 Mitarbeiter beschäftigen. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

Lehre - 16 Prozent der Betriebe werden in den nächsten Jahren mehr Lehrlinge brauchen als sie heute ausbilden, d.h. die Ausbildungsform ist bei den Betrieben sehr gefragt. - Allerdings wird das Niveau der Lehrstellenbewerber kritisiert – 69 Prozent der Unternehmer sagen, dass dieses schlechter geworden ist. Nur für 4 Prozent der Unternehmen hat sich das Niveau gebessert. - Kein Wunder also, dass 19 Prozent der Wiener Betriebe ihre Lehrstellen im letzten Jahr nicht besetzen konnten. - Hochgerechnet sind das ca. 2.000 Lehrstellen, die im letzten Jahr nicht besetzt werden konnten. - 88 Prozent der Betriebe fordern und fördern Angebote wie „Lehre und Matura“ bzw. „Lehre nach der Matura“. - Karrierefaktor: 54 Prozent der Führungskräfte in Wiener Unternehmen haben Lehrabschluss.

Problemfall Polytechnikum - 69 Prozent der Betriebe beklagen das „mangelhaft bis schlechte“ Bildungsniveau der Absolventen von Polytechnischen Schulen. - 50 Prozent der Betriebe geben an, dass das Bildungsniveau der Wiener Absolventen von Polytechnischen Schulen schlechter ist, als jenes aus den Bundesländern (46 Prozent gleiches Niveau).

AHS-Absolventen - AHS-Absolventen werden nur von wenigen Unternehmen gesucht: Lediglich 16 Prozent der Unternehmen haben Positionen für reine AHS-Absolventen. - 81 Prozent der Betriebe empfehlen AHS-Abgängern ein technisches Studium.

HTL-Absolventen - Mittelfristig wird es 6 Prozent mehr Jobs für HTL–Absolventen geben. - 19 Prozent der Unternehmen sehen derzeit ein Unterangebot an HTL-Absolventen, 73% sehen keinen Handlungsbedarf. Das bedeutet aber, dass es derzeit zu wenig Absolventen gibt. - Zwei Drittel der Unternehmen wünschen, dass in der HTL-Ausbildung mehr Wirtschaftswissen vermittelt wird.

Fachhochschul-Absolventen - Bei der Anzahl an Jobs für FH–Absolventen rechnen die Betriebe in den nächsten Jahren mit einer 15-prozentigen Steigerung - Im Vergleich zu Universitätsabsolventen heben die Unternehmen folgendes hervor: * die größere Praxisorientierung (57%), die speziellere Ausbildung mit Schwerpunkten (15%) und die kurze Studiendauer (18%) als Stärken * die geringere Selbstständigkeit (13%,) und die verschulte Denkweise (13%) als Schwächen

Universitäts-Absolventen - Bei der Anzahl an Jobs für Universitätsabsolventen rechnen die Betriebe in den nächsten Jahren mit einer 9-prozentigen Steigerung - Gesucht werden vor allem Studierende der Fachrichtungen Ingenieurwissenschaften (40%), Techniker, Informatik (32 Prozent), sowie Naturwissenschaften (12 Prozent) und Medizin und Gesundheit (12 Prozent). - Zu viele Absolventen gibt es bei den Wirtschaftswissenschaften (48 Prozent), Rechtswissenschaften (24 Prozent) und Sozialwissenschaften (22 Prozent). - Nur 11 Prozent der Unternehmen haben Positionen speziell für Bachelor-Absolventen; der Großteil der Unternehmen befürwortet das Weiterstudieren bis zum Master (88 Prozent).

Forderungen der WK Wien „Das Wiener Bildungssystem entlässt zu viele Jugendliche mit gravierenden Problemen bei Grundtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Diese Entwicklung müssen wir aufhalten“, sagt Ehrlich-Adám, der diesbezüglich einen 5-Punkte-Plan der WK Wien präsentierte: - Kein Schulabschluss ohne Mindest-Bildungsstandards: Bildungspflicht löst Schulpflicht ab - Ganztägige Schulformen ausbauen: Steigerung der Quote für ganztägige Betreuung von 41,3% auf zumindest 45% bis zum Jahr 2020 - Reform der 9. Schulstufe: Polytechnische Schulen umstrukturieren - Mehr Wirtschaftsbildung in der Schule: Unterrichtsfach „Wirtschaft“ bereits ab der Volksschule - Image von Lehre und Facharbeit verbessern: Strategische und nachhaltige Öffentlichkeitsarbeit seitens Politik für Imagewandel von Lehre und Facharbeit

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