Engpass belastet die Beschäftigten: AK fordert mehr Personal für die oberösterreichischen Alten- und Pflegeheime

Linz (OTS) - Der aus dem Jahre 1996 stammende Mindestpflegepersonalschlüssel ist nicht mehr zeitgemäß. Das zeigt eine aktuelle Studie der AK Oberösterreich. Neue Pflegekonzepte, die massive Zunahme von Demenzkranken, die Veränderung der Beschäftigtenstruktur in den Pflegeheimen oder auch die enorme Zunahme des Dokumentationsaufwands belasten die Beschäftigten. „Damit Menschen auch im hohen Alter gut und menschenwürdig gepflegt werden können, müssen ausreichende Ressourcen zur Verfügung stehen“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Die AK Oberösterreich fordert vom Land Oberösterreich einen neuen, höheren Mindestpflegepersonalschlüssel.

In den rund 125 oberösterreichischen Alten- und Pflegeheimen arbeiten etwa 10.000 Beschäftigte, davon mehr als 6000 in der Pflege und Betreuung. Sie kümmern sich um knapp 12.000 Menschen und leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die Gesellschaft – zahlen dafür aber einen hohen Preis, weil sie im Vergleich zu anderen Sparten häufiger belastenden Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind.

Das zeigt auch der Österreichische Arbeitsklima Index: 34 Prozent der Pflegekräfte empfinden ihre Arbeit als sehr stark bzw. stark seelisch belastend – über alle Branchen hinweg sind es 26 Prozent. Zeitdruck ist für jede dritte Pflegekraft eine (sehr) große Belastung, unter allen Arbeitnehmern/-innen für jede/n Vierte/n. Dass sie bis zur Pension durchhalten bzw. ihren Beruf mit 60/65 Jahren noch ausüben können, glauben nur 33 Prozent der Pflegekräfte. Arbeitnehmer/-innen anderer Branchen sind deutlich optimistischer (58 Prozent).

Die AK Oberösterreich hat jetzt die Arbeitssituation der in der Altenpflege Beschäftigten in einer qualitativen Studie unter die Lupe genommen. Fazit: Der Mindestpflegepersonalschlüssel ist den Anforderungen und Aufgaben in der stationären Altenarbeit nicht mehr gewachsen. Steigende Demenz, immer mehr Aufgaben und wenig Zeit machen viele Beschäftigte krank. Ein weiteres Problem: Es gibt keine verbindlichen Regelungen für die Besetzung von Nachtdiensten. Diese sind aufgrund des gestörten Biorhythmus ohnehin sehr anstrengend. Verschärft wird das durch Personalknappheit – auf Kosten der Gesundheit der Beschäftigten und der Betreuungsqualität.
Viele Beschäftigte klagen über neue Anforderungen in der Dokumentation und Administration. Beides kostet viel Zeit – und bringt die Pflegekräfte in ein Dilemma, weil diese Zeit bei den pflegebedürftigen Menschen fehlt. Laut einer IFES-Studie vom Februar/März 2014 beklagen sich 58 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitsbereich über hohe bürokratische Anforderungen und zunehmende sachfremde Tätigkeiten.

Es besteht also Handlungsbedarf. „Die Arbeit in den oberösterreichischen Alten- und Pflegeheimen muss aufgrund arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse neu bewertet werden. Nur so kann auch in Zukunft eine hohe Pflegequalität geschaffen und zugleich die Gesundheit der Beschäftigten gestärkt werden“, erklärt Kalliauer.

Eine kompakte Zusammenfassung der AK-Studie zum Mindestpflegepersonalschlüssel in oberösterreichischen Alten- und Pflegeheimen finden Sie unter ooe.arbeiterkammer.at.

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