TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Die Schuldfrage ist unangebracht", von Florian Madl, Ausgabe vom 24. Jänner 2016

Aktionismus scheint im Abfahrtssport unangebracht, eine öffentlich geführte Diskussion über Sicherheit aber durchaus geboten.

Innsbruck (OTS) - Wer sich mit 130 über die Streif rast, setzt seine Gesundheit dem Unkalkulierbaren aus. Wer stürzt, kannte sein Risiko.

FIS-Renndirektor Markus Walder war nach der gestrigen Abfahrt in Kitzbühel nicht daran gelegen, auf die Kritik einiger Trainer öffentlich einzugehen. Schließlich saßen auch Journalisten in den hinteren Reihen des Konferenzsaals, die Debatte über Rennfortsetzung und -abbruch hätte aus den Fugen geraten können wie der Ritt über die Streif selbst. Das wollte sich der Südtiroler nicht antun, wenngleich ihm die gestrige Sturzserie ebenso wenig anzulasten ist wie das anhaltende Verletzungspech der Österreicher. Die belegen in der Klinik Hochrum mittlerweile geschlossen den vierten Stock, während die wenigen gesunden Kollegen in dieser Saison künftig wohl allesamt Einzelzimmer in den diversen Hotels bekommen.
Dem Internationalen Skiverband eine Schuld einzuräumen, geht in Kitzbühel am Ziel vorbei, die Anforderungen wurden erfüllt: zwei Trainingsläufe, ständige Modifikationen an der Strecke und gestern ein Abbruch, als den besten 30 Abfahrern die 30 weniger routinierten folgen sollten. Auf das Wetter und die Sicht hatte man ohnehin keinen Einfluss. Die Rettungskette funktionierte, auf Stürze wie gestern wurde in Norwegen oder Nordamerika in der jüngeren Vergangenheit mit Akja oder stundenlangen Flugschleifen reagiert.
Der Abfahrtssport im Allgemeinen und die Streif im Speziellen entziehen sich der Diskussion über Sicherheit, zur Gänze ist diese bei einem Hochgeschwindigkeitssport ohne Knautschzone niemals zu gewährleisten. Doch FIS-Renndirektor Markus Walder kann eines tun:
eine breit angelegte Diskussion über die Sicherheit im Skisport forcieren. Die kann nicht im stillen Kämmerlein stattfinden, um den Frieden zu wahren. Denn mit dem ist es seit gestern ohnehin vorbei.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
0512 5354 5101
chefredaktion@tt.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001