Gemeinnützige: Mehr bauen und Kosten dämpfen

Gallup-Umfrage zeigt Handlungsauftrag

Wien (OTS) - Eine generell äußerst hohe Wohnzufriedenheit, parallel dazu ein ebenso starkes Attest der Bedeutung des gemeinnützigen Wohnbaus aber auch der Trend, dass die Sorge um die Leistbarkeit verstärkt in den Fokus der Österreicher tritt – das sind die zentralen Ergebnisse einer Untersuchung, welche das Gallup-Institut im Auftrag des Österreichischen Verbandes gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV) durchgeführt hat.

„Wir sehen darin nicht nur eine Bestätigung, dass die Gemeinnützigen bisher gute Arbeit geleistet haben“, kommentiert GBV-Obmann Karl Wurm die Eckdaten der repräsentativen Umfrage (1.000 Interviews), „sondern auch den Auftrag, uns weiterhin und mit Nachdruck für Maßnahmen zur Kostendämpfung im Wohnbau einzusetzen.“ Wenn 93% der Bevölkerung die eigene Wohnsituation als „zufriedenstellend“ klassifizieren, aber nur 68% generell mit dem Wohnen in Österreich zufrieden sind, mache diese Dissonanz deutlich, „dass am Wohnungsmarkt von vielen Menschen – auch wenn sie davon aktuell gar nicht persönlich betroffen sind – offensichtlich Probleme wahrgenommen werden“, streicht Gallup-Studienleiter Günter Haunlieb hervor. Die Respondenten haben dazu ein eindeutiges Urteil gefällt: Das bei weitem stärkste Problem beim Wohnen sind die Kosten.

Während über 90% der Befragten die Rechtsform, Lage, Größe, Ausstattung und Grundriss sowie die persönliche Sicherheit im Haus als sehr bzw. zufriedenstellend bewerten, geht das positive Votum bei den „laufenden Kosten“ auf 79% zurück. Der Trend verstärkt sich noch bei Projektion auf das generelle Wohnungswesen: 59% bemängeln die, vor allem für junge Menschen, hohen Kosten.

Allgemein wird dem Wohnbau ein sehr hoher Standard attestiert. Umfasst davon sind nicht nur die eigenen vier Wände, sondern auch das Angebot an Zusatzeinrichtungen. Dabei können sich die Bewohner in GBV-Bauten über deutlich mehr dieser Qualitätsmerkmale wie etwa Balkon, Terrasse und Loggia (80% ), Garage (88%), Waschküche (71%), Lift (56%) und Kinderspielplatz (65%) erfreuen als Bewohner in Objekten anderer Bauträger. Diese Assets im Wohnen bei den GBV gehen einher mit weiteren Image-Faktoren: Generell werden die Gemeinnützigen als wirtschaftlich solide Unternehmen gesehen, die zuverlässig, vertrauenswürdig sowie aufgeschlossen für Innovationen sind und ihre Wohnungen und Häuser gut in Schuss halten.

„Die in der Befragung zum Ausdruck kommende Sorge über die aktuelle, vor allem aber die künftige Leistbarkeit der Wohnungen ist damit wohl von in einer gewissen Skepsis begründet, ob der aktuelle, sehr hohe Qualitätsstandard, der natürlich seinen Preis hat, vor allem bei den Mietwohnungen für Klein- und Mittelverdiener weiter zu schultern sein wird“, schlussfolgert Karl Wurm. Wenn die Bewohner eine höhere Wohnkostenbelastung nicht tragen können und die öffentliche Hand aus budgetären Gründen die Kostensteigerungen nicht auffangen kann und wegen der starken Nachfrage mehr gebaut werden muss, dann kann man nur bei den Kosten ansetzen, sprich man muss einsparen.

Seitens der Bewohner nimmt eine derartige „Sparbereitschaft“ bereits durchaus Konturen an. Gemeinschaftsräume und –anlagen, die barrierefreie Gestaltung von Wohnungen und Häusern aber auch die oft nicht die lokalen Gegebenheiten berücksichtigende Stellplatzverpflichtung lassen sich als mögliche Aktionsfelder für „maßvolle Neukonzeptionen“ erkennen.
Die Gemeinnützigen plädieren daher für eine Erweiterung der Angebotspalette im geförderten Wohnbau, die auf der stärkeren Differenzierung in den Ausstattungsdetails beruht. Es braucht eine flächendeckende Billigpreisschiene im Wohnbau. Die vereinzelt in den Bundesländern bereits vorhandenen bzw. angedachten Förderprogramme müssen ausgeweitet und österreichweit auch unter Zuhilfenahme alternativer Finanzierungsquellen forciert werden.

Für den „Mainstream“ im Wohnbau, jenseits des Luxussegments, wären jedenfalls Maßnahmen mit kostendämpfender Wirkung erforderlich. Dies betreffe vor allem bau-, ausstattungs-technischen und energetischen Auflagen sowie eine Reduktion des zuletzt üppig wuchernden Normendickichts. Das größte Einsparungspotential wird neben den überbordenden Vorschriften im Bereich des Brand- und Schallschutzes vor allem bei den Maßnahmen zur Herstellung der Barrierefreiheit und den Auflagen energieeffizienten Bauens gesehen. GBV-Obmann-Stellvertreter Graf fordert daher ein grundsätzliches Umdenken im geförderten Wohnbau: „Der Kosten-Faktor für den Bewohner muss wieder stärker in den Blickpunkt des Bauens rücken. Nicht alles, was technisch machbar ist, hat auch für den Endverbraucher denselben Stellenwert. Im Sinne kostengünstigeren Wohnens braucht es wieder mehr Einfachheit beim Bauen.“

Wenn es um günstiges Wohnen geht, muss auch bei den Grundstücken angesetzt werden, sind sich Wurm und Graf einig. Da Bauland zu vertretbaren Preisen immer mehr zur Mangelware wird, braucht es wirksame Instrumente zur Grundstücksbeschaffung, aber auch endlich die Umsetzung des Regierungsvorhabens, für leistbaren Wohnbau Liegenschaften der öffentlichen Hand zur Verfügung zu stellen. Die GBV haben ein Baulandmobilisierungspaket, das u.a. eine Widmungskategorie „förderbarer Wohnbau“ und Vertragsraumordnungsmaßnahmen vorsieht, erstellt und zur Umsetzung empfohlen.

„Rund 85% der Gesamtbevölkerung und 91% der GBV-Kunden sprechen dem gemeinnützigen Wohnbau hohe Bedeutung zu. Mehr als 60% erwarten, dass dessen Rolle künftig noch steigen wird. Und wenn 7 von 10 Österreichern die Sicherstellung kostengünstiger Wohnungen als die Top-Herausforderung der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft sehen, dann ist klar, dass das auch für uns die Top-Aufgabe sein wird“, bekräftigt GBV-Obmann Wurm abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen
Dr. Alfred Früh
Tel.: (01) 505 58 24 226

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | VGB0001