Schultes: Österreichische Lebensmittel - Herkunft muss erkennbar sein

Best- vor Billigstbieter-Prinzip nach Änderung der Vergaberichtlinien möglich

Berlin (OTS) - "Um die Herkunft sichtbar zu machen und so die Kaufentscheidung zu erleichtern, ist uns in den letzten Monaten einiges gelungen: So wurden im Herbst 2015 im Parlament die Zugangsregeln für die geschützten europäischen Herkunftsangaben, wie die geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) und die geschützte geografische Angabe (g.g.A.) wesentlich vereinfacht. Vor wenigen Wochen folgte die Änderung der Vergaberichtlinien. Nun können Einkäufer öffentlicher Küchen bei der Ausschreibung dem Bestbieter vor dem Billigstbieter den Vorzug geben. Der nächste Schritt wäre, dass der Gast in der öffentlichen Verpflegung und der Gastronomie sehen kann, woher Fleisch oder Eier stammen", erklärte LK Österreich-Präsident Hermann Schultes vor Journalisten im Rahmen der "Grünen Woche" in Berlin.

"Herkunftskennzeichnungen geben den Konsumenten die Freiheit zur Entscheidung und sind Voraussetzung dafür, dass heimische Spitzenqualität wirtschaftlichen Erfolg am Markt hat. Nur wer österreichische Lebensmittel als solche erkennt, kann sie auch kaufen. Die Formel 'Herkunft muss erkennbar sein' gilt sowohl für die heimischen Konsumenten als auch für die Kunden auf internationalen Märkten. Sie alle wissen, dass Österreichs Lebensmittel zu den Besten, nicht jedoch zu den Billigsten gehören", ergänzte Schultes.

Herkunft: Schritt für Schritt den österreichischen Weg gehen

"Die Vielfalt und die Stärke unserer bäuerlichen Familienbetriebe geben die Richtung vor, die Österreich seit Jahren bei Lebensmitteln geht. Vom Feinkostladen und den Genussregionen über das AMA-Gütesiegel bis hin zur Herkunftskennzeichnung spannt sich der Bogen einer Entwicklung, die in einer ganzheitlichen Qualitäts- und Standortpolitik ihre Fortsetzung findet. Ein klares Herkunftssystem, gestützt durch unbürokratische Kontrollen, macht aus punktuellen Leistungen einzelner Spezialisten einen Vorteil für eine ganze Region, ja ein ganzes Land. Dieses System löst eine Fülle an positiven Entwicklungen, beispielsweise in den Bereichen Bildung, Tierwohl, Arbeitsplätze, Regionalpolitik, Wirtschaftspolitik et cetera, aus", erläuterte Schultes den tieferen Sinn von Herkunftssystemen.

Schon seit Jahren aktiv

Die Landwirtschaft ist in diesen Fragen schon seit Jahren aktiv:
Auf EU-Ebene wurde dies 2007 ein Thema. So verschärfte die Verbraucherinformationsverordnung 2011 die Regeln beim Täuschungsschutz, speziell im Hinblick auf die Herkunftsauslobung. Die verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Frischfleisch ist am 1. April 2015 in Kraft getreten und gilt nicht nur für den Supermarkt, sondern auch für den Gastro-Großhandel. Daher weiß nun jeder Wirt oder jeder Kantinenbetreiber beim Fleischeinkauf, woher das Fleisch kommt. Schultes: "Das jüngst beschlossene Prinzip 'Best- vor Billigstbieter' wirkt gegen 'Zwei-Klassen-Lebensmittel', weil Einkäufer zur österreichischen Vielfalt greifen können und nicht mehr gezwungen sind, ihren Gästen Billigstangebote aus dem Ausland zu servieren."

Nächster Schritt: Klarheit für den Gast

"Wir wollen noch einen Schritt weiter gehen. Auch in der Außer-Haus-Verpflegung soll die Herkunft der wichtigsten Lebensmittel sichtbar sein. Die Gäste von Großküchen, Kantinen oder Gastronomiebetrieben sollen sehen, woher das Fleisch oder die Eier stammen. Das Vorbild dafür kann die Herkunftskennzeichnung in der Schweiz sein, wo eine einfache und pragmatische Regelung seit 2005 ohne Probleme funktioniert", verlangte Schultes und ergänzte: "Mit einer klaren Deklaration auf der Speisekarte kann jenen Trittbrettfahrern das Handwerk gelegt werden, die importierte Billiglebensmittel als heimische Ware verkaufen. Sie schaden all jenen ehrlichen Gastronomen, die heute schon freiwillig auf österreichische Qualität und enge Partnerschaft zur Landwirtschaft setzen. Eine Herkunftskennzeichnung gibt dem Korrekten neue Chancen und garantiert dem Ehrlichen Erfolg."

Als weitere Schritte verlangen das Europäische Parlament und der europäische Verbraucherverband BEUC die Einführung einer Herkunftskennzeichnung für Fleischerzeugnisse sowie Milchprodukte. Die Europäische Kommission hat dafür bereits Voruntersuchungen und Studien veranlasst.

"Der Nutzen klarer Herkunftskennzeichnung ist vielfältig: Wenn wir international erkennbar sind - siehe EU-Herkunftszeichen g.g.A. oder g.U. - und wenn auch die Gäste im Inland wissen, woher ihr Schnitzel oder ihr Frühstücksei stammen, werden heimische Unternehmen aus der Lebensmittelverarbeitung, der Gastronomie oder aus der Landwirtschaft auf Sicht erfolgreich sein können. Und darüber hinaus brauchen wir faire Herkunftsregeln als taugliche Antwort auf die Herausforderungen, die internationale Handelsabkommen, wie das TTIP, an uns stellen", führte Schultes abschließend aus.
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