Die Kunsthalle Wien wirft einen Blick auf die Avantgarde-Bewegungen der Moderne und experimentiert mit Formaten und Genres

Ausstellungsprogramm 2016

Wien (OTS) - "Wir stellen 2016 unter ein softes Leitmotiv. So unterschiedlich die einzelnen Projekte sind, lassen sich doch Gemeinsamkeiten bei den Ausstellungen ausmachen", stellt Nicolaus Schafhausen, Direktor der Kunsthalle Wien, im Rahmen der Jahrespressekonferenz am 14. Jänner 2016 fest und ergänzt "das Ausstellungsprogramm 2016 wird vom Blick auf die Potenziale vergangener Jahrzehnte, insbesondere auf jene der Spätphase des Modernismus bestimmt und präsentiert aktuelle Reaktionen auf die Avantgarde-Bewegungen in Kunst, Musik, Architektur und Design." Weiters hält er fest, dass auch der genreübergreifende Aspekt, der bereits die Ausstellungsprogramme der letzten Jahre bestimmte, 2016 erneut eine große Rolle spielen wird: "Uns interessiert die Inspiration, die bildende Kunst aus der Technik bzw. Technologie schöpft und der ebenso nachgegangen wird wie den verbindenden Elementen zu anderen Kunstgattungen", so Schafhausen.

Experimentelle Projekte

Den Auftakt in das neue Jahr macht ein Projekt, das die Bedingungen kuratorischen Arbeitens heute zur Debatte stellt und den Besucher zum Hauptdarsteller und zum Co-Produzenten von Künstlern und Kurator macht.

"One, No One and One Hundred Thousand" (19. 2. - 22. 5.) ist ein Projekt, das von den literarischen Strategien der Gruppe Oulipo und deren "Werkstatt potenzieller Literatur" inspiriert ist. In der Literatur der Oulipoten geht es genauso wie in der Ausstellung um selbstauferlegte Regeln, die die Kreativität befeuern. "One, No One and One Hundred Thousand" ist eine Ausstellung und gleichzeitig eine theoretisch unbeschränkte Anzahl von Ausstellungen. Es ist ein Projekt über das Kuratieren an sich, in dem der Besucher aufgefordert ist, in die Rolle des Kurators zu schlüpfen und innerhalb eines vorgegebenen Rahmens mit einer vorgegebenen Anzahl an Werken seine je eigene Ausstellung zu schaffen.

Ein weiteres Projekt, das mit herkömmlichen Formaten experimentiert, ist "L’Exposition Imaginaire" (15. 4. - 26. 6.). Der Titel bezeichnet eine Ausstellung der anderen Art. Ein experimentelles Modell, das – ausgehend von André Malraux' Imaginärem Museum – unterschiedliche Formate annimmt und das die schwindende Bindung der Kunst an das Hier und Jetzt bzw. an einen Ausstellungsort zum Thema macht.

Genres werden überwunden

Der altgriechische Ausdruck Technë ist die gemeinsame etymologische Wurzel von Technik und Kunst. Die Ausstellung "The Promise of Total Automation" (11. 3. - 29. 5.) widmet sich der Subjektivierung von Objekten – von Objekten der Technik wie auch der Kunst. Nicht nur Menschen sind in einem globalen Netzwerk verbunden, auch Maschinen und Dinge kommunizieren miteinander und mit der Umwelt ohne menschliches Zutun. In der Ausstellung werden Maschinen, Kunstwerke und rituelle Gegenstände egalitär miteinander in Beziehung gesetzt. Und die traditionelle Trennung zwischen Subjekt und Objekt wird in Frage gestellt.

Der Konzeptkünstler und Musiker Florian Hecker (11. 11. 2016 - 5. 2. 2017) wiederum erforscht in einer groß angelegten Personale, wie sich Abstraktion als Klangraum darstellen lässt und entwickelt moderne Kompositionstechniken aus der Perspektive der bildenden Kunst weiter. Skulpturale Elemente sind zugleich Soundquellen oder dienen der Modifizierung, Verstärkung und Lenkung akustischer Sensationen im Raum. Hecker wird für die Kunsthalle Wien eine neue "synthetische" Komposition erstellen.

Interdisziplinäre Ansätze prägen auch das Schaffen der Künstlerin Andrea Büttner (8. 6. - 18. 9.), die in ihrer Ausstellung in der Kunsthalle Wien einen Einblick in ihre von sozialen Themen geprägte Kunst geben wird. Eines ihrer Hauptinteressen gilt der Körpersprache und ihren Zeichen und Gesten als Ausdruck sozialer Befindlichkeiten.

Unter dem Titel "The Camera Never Lies (Even When I Do)" (2. 12. 2016 - 12. 2. 2017) wird eine in Vergessenheit geratene Figur der Kunstszene der 1980er und 1990er Jahre vorgestellt: der Kurator, Filmemacher und Autor Christian Leigh. Es gibt kaum Bilder von ihm und seinen Ausstellungen, obschon er zwischen 1987 und 1993, als der zeitgenössische Kunstmarkt seinen ersten Boom erlebte, als einer der schillerndsten unter den freien Kuratoren galt. Nach sechs Jahren und einer Reihe vielbeachteter Ausstellungen verschwand er gleichsam von der Bildfläche, um einige Zeit später unter dem Namen CS Leigh eine Karriere als Filmemacher zu starten. Die Ausstellung in der Kunsthalle Wien wird in enger Zusammenarbeit mit CS Leigh realisiert.

Avantgarde-Bewegungen der Moderne im Spiegel zeitgenössischer Kunst

Die Gruppenausstellung "Beton" (29. 6. - 16. 10.) beschäftigt sich ab Sommer 2016 mit den sozialen Utopien der Architektur der 1960er und 1970er Jahre und deren Resonanz in der zeitgenössischen Kunst. Künstler legen seit einiger Zeit ihr Interesse verstärkt auf die expressiven Ausformungen des Baustoffs Beton, die häufig Hand in Hand gingen mit sozialpolitischen Utopien. Steht doch Beton als das Material für sozialen Wohnbau und kommunale Bildungseinrichtungen in Verwendung. Der Blick der Künstler auf die Betonbauten und Stadtplanungen der Nachkriegszeit lässt auch die Euphorie der damaligen Zeit wieder aufleben. Die Potenziale dieses Materials sind nicht nur richtungsweisend für die Vergangenheit, sondern auch für utopische Projekte in der Zukunft.

Eine Personale der Malerin und Designerin Nathalie Du Pasquier (15. 7. - 13. 11.), Gründungsmitglied der legendären Memphis-Bewegung, präsentiert autonome Kunst und Design im Dialog. Die Designbewegung, die 1981 im Wohnzimmer von Ettore Sottsass gegründet wurde, wandte sich vom slicken Design und der gedeckten Farbgebung ab und schuf ikonische Objekte in bunten Farben. Die Ausstellung stellt aktuelle Gemälde Nathalie du Pasquiers und Entwürfe aus der Memphis-Zeit in einen Dialog. Die Personale wird gemeinsam mit der Künstlerin realisiert und stellt deren erste umfassende Ausstellung in einer internationalen Institution dar.

Pop.Art.Talks zur Finissage von "Politischer Populismus"

Die Ausstellung "Politischer Populismus", die noch bis 7. 2. bei freiem Eintritt zu sehen ist, schließt mit einem Gesprächsreigen, zu dem Kulturschaffende, Kunstkritiker und Künstler eingeladen sind, über kulturpolitisch wichtige Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Schlagwort "Populismus" zu diskutieren.

"Eine der sehr erfreulichen Erfahrungen der letzten Monate war, wie positiv der Politische Populismus aufgenommen wurde", erklärt Nicolaus Schafhausen, der auch als Kurator verantwortlich zeichnet. "Die Ausstellung bei freiem Eintritt zu besuchen. Dieses Angebot ist ein wichtiger Bestandteil des Konzepts, weil die Ankündigung natürlich einen populistischen Twist darstellt. Für mich ist es allerdings weit mehr als populistische Rhetorik, ein enorm wichtiges kulturpolitisches Statement."

Bildmaterial zum Programm der Kunsthalle Wien 2016 zum Download unter www.kunsthallewien.at/presse/programm-2016

Ausstellungsprogramm der Kunsthalle Wien 2016 zum Download unter www.kunsthallewien.at/presse

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