„Mein Kampf – Das gefährliche Buch“: „dok.film“ am 17. Jänner über die heutige Bedeutung der antisemitischen Propagandaschrift

Danach in ORF 2: „Helmut Qualtinger liest ‚Mein Kampf‘„

Wien (OTS) - Es gibt kaum ein Buch, das mit so vielen Mythen überfrachtet ist, das so viel Abscheu und Ängste weckt: Adolf Hitlers hetzerische Propagandaschrift „Mein Kampf“ ist das Symbol der Naziherrschaft schlechthin, mitverantwortlich für Millionen Tote. Nach 1945 war zwar der Privatbesitz einer alten Ausgabe erlaubt, der Neudruck jedoch seitens des Rechteinhabers Freistaat Bayern – als Rechtsnachfolger des nationalsozialistischen „Franz-Eher-Verlags“ – verboten. Doch rund 70 Jahre nach Hitlers Tod sind mit Jahresende 2015 die Urheberrechte erloschen und im Vorfeld eine Kontroverse um die wieder mögliche Veröffentlichung entbrannt. Tatsächlich ist das Werk nun am 8. Jänner 2016 als kritisch kommentierte Edition des Münchner Instituts für Zeitgeschichte erschienen. Im Zentrum der kritischen Kommentierung stehen die Dekonstruktion und die Kontextualisierung der Schrift. Als Teil eines ORF-Programmschwerpunkts zum Thema präsentiert „dok.film“ am Sonntag, dem 17. Jänner 2016, um 23.05 Uhr in ORF 2 Manfred Oldenburgs Dokumentation „Mein Kampf – Das gefährliche Buch“, die der Frage nachgeht, ob das antisemitische Pamphlet heute noch eine Gefahr sein kann. Danach zeigt ORF 2 um 23.55 Uhr die Aufzeichnung „Helmut Qualtinger liest ‚Mein Kampf‘“ aus dem Jahr 1985.

„Mein Kampf – Das gefährliche Buch“ (23.05 Uhr)

„Mein Kampf“ sei nach wie vor gefährlich, sagen Kritiker: Hitlers Gedanken würden zu einem Zeitpunkt neue Verbreitung finden, zu dem in Europa Hass-Kommentare, rechte Krawalle, Nazi-Schmierereien und Brandanschläge gegen geplante oder bestehende Flüchtlingsheime häufiger werden. Befürwortern der neuerlichen Veröffentlichung in kommentierter kritischer Form, allen voran dem Institut für Zeitgeschichte in München, geht es um die Entmystifizierung der Hetzschrift.

Doch was genau steht in dem Buch? Wie ist „Mein Kampf“ entstanden? Wie war die Rezeptionsgeschichte des zweibändigen Buches? Und welche Auswirkungen hat sein Inhalt für uns heute? Welche böse Wirkung kann denn tatsächlich noch von einem Werk ausgehen, das viele Experten für gedanklich wirr und stilistisch nahezu unlesbar halten? Der Film macht deutlich, dass die mentalen Anknüpfungspunkte, an die „Mein Kampf“ appelliert, bei vielen heute immer noch vorhanden sind:
Rassismus und Ultranationalismus. Mancher Rechtsextreme, der Asylantenwohnheime in Brand steckt, kann sich auf Hitler berufen, der schon vor 90 Jahren in seinem Machwerk tödliche Thesen gegen Überfremdung verbreitete.

„Helmut Qualtinger liest ‚Mein Kampf‘“ (23.55 Uhr)

Roh geschnitten, hauptsächlich mit einer einzigen Kamera gedreht, der Ton lediglich in mono: Helmut Qualtingers Lesung von „Mein Kampf“, aufgenommen 1985 im Wiener Audimax, ist ein seltenes Video-Fragment, ein faszinierendes Zeitdokument. Die angeblich Normalen, Ordentlichen und Tüchtigen, die ihre Normalität, Ordnung, Ordentlichkeit und Tüchtigkeit wie ein Schild vor sich hertragen und dabei unerwähnt lassen, dass diese Ordentlichkeits- und Ordnungsbedürfnisse in einen Drang nach Totschlag der anderen mündet: Das waren die zentralen Themen für den genialen Helmut Qualtinger in seiner Lesung aus Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Qualtingers massive Erscheinung, seine hintergründige, gefährliche Gemütlichkeit, seine enormen sprachlichen Möglichkeiten zwischen Nörgeln, borniertem Geifern, behäbiger Schadenfreude und unverschämtem Heucheln ergeben gemeinsam den Urtyp des Österreichers. Gerade dadurch gelang es dem Ausnahmekünstler virtuos, die Person hinter der Zeitgeschichte zu abstrahieren und den Autor des Buches in all seiner Absurdität gleichsam zu rekonstruieren: Helmut Qualtinger parodiert Adolf Hitler nicht, vielmehr nähert er sich textkritisch und mit analytischer Ironie der Rhetorik des Bösen an.

ORF-III-Themenabende am 16. und 23. Jänner, Ö1 Wochenthema

ORF III befasst sich ebenfalls detailliert mit dem Thema und präsentiert am 16. Jänner einen dreiteiligen „zeit.geschichte“-Abend, beginnend mit dem eigenproduzierten Intro „Mein Kampf – Ein Buch von höchster Brisanz“ (20.00 Uhr), das der Frage nach dem heutigen Stellenwert der Schrift, als Text und als Symbol, nachgeht. Zu Wort kommen im Gespräch mit Ernst Pohn u. a. Rechtsextremismusforscher Andreas Peham und Historiker Oliver Rathkolb. Danach zeigt ORF III als österreichische Erstausstrahlung die neue Dokumentation „Mein Kampf – Programm eines Massenmörders“ (20.15 Uhr) zur Entstehungsgeschichte des Werks, gefolgt vom Dokumentarfilm „Hitler vor Gericht“ (21.50 Uhr) über den missglückten Putschversuch Hitlers im Jahr 1923 und die folgenden juristischen Vorgänge inklusive Haft in Landsberg, wo Hitler „Mein Kampf“ verfasste. Die historischen Ereignisse wurden mit namhaften Schauspielern wie Johannes Silberschneider und Gerald Alexander Held nachgestellt. Ein Dakapo der Dokumentation „Mein Kampf – Das gefährliche Buch“ gibt es am Samstag, dem 23. Jänner, eingebettet in einen weiteren themenaffinen ORF-III-„zeit.geschichte“-Abend: Zum Auftakt steht die Doku „Hindenburg – Der Mann, der Hitler zur Macht verhalf“ (20.15 Uhr) auf dem Programm. Nach „Mein Kampf – Das gefährliche Buch“ (21.50 Uhr) beschließt die Produktion „Hitler und Mussolini – Eine brutale Freundschaft“ (22.45 Uhr) den Schwerpunkt.
In Ö1 bringt am 15. Jänner die Sendung „Kontext – Sachbücher und Themen“ (9.05 Uhr) einen Beitrag über die mit vielen Fußnoten und Kommentaren versehene Neuausgabe. „Das Unbuch. Hitlers ‚Mein Kampf‘“ ist dann auch Wochenthema der Ö1-Reihe „Betrifft: Geschichte“ von Montag, 25., bis Freitag, 29. Jänner (jeweils 17.55 Uhr). Politikwissenschafter Anton Pelinka (Central European University, Budapest, und Institut für Konfliktforschung, Wien) spricht darin über Genese sowie Wirkungs- und Nachgeschichte der rassistischen Propagandaschrift.

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