Caritas zu AMS-Kompetenzchecks: Was zu tun ist, liegt nun am Tisch

Generalsekretär Bernd Wachter: „Erste Ergebnisse zeigen, dass Menschen auf der Flucht auch hohe Kompetenzen mitbringen. Eine rein defizitorientierte Debatte ist daher nicht zielführend.“

Wien (OTS) - Die Kompetenzcheck-Erhebung ergab, dass aus Ländern wie Syrien, Irak und Iran gut ausgebildete Menschen zu uns kommen. Bei SyrerInnen liegt dieser Schnitt bei immerhin fast 70 Prozent. Nicht so aus Afghanistan, ein Land in dem seit 40 Jahren Krieg herrscht und unter der Herrschaft der Taliban Frauen Schulbildung untersagt war. So wundert es nicht, dass nach den Ergebnissen des Kompetenzchecks Menschen aus diesem Land am schlechtesten ausgebildet sind. Wachter:
„Die Ergebnisse der Kompetenzcheck Erhebung sind ein Wegweiser für die nächsten Schritte zur Arbeitsmarktintegration und stimmen vorsichtig positiv. Sinnvoll ist daher eine Ausweitung dieser Erhebungen auf ganz Österreich. Denn klar ist: Wer Arbeit hat, wird sich schneller und besser integrieren.“

Integrationsmaßnahmen bereits vor Anerkennung/Early Intervention
In Deutschland werden bereits in den Erstaufnahmestellen die Kompetenzen von Flüchtlingen mit Bleiberechtsperspektive erhoben. „Diese – wenn auch kostenintensive Maßnahme - lohnt sich langfristig gesehen und bestätigt, dass mit Integrationsmaßnahmen bereits vor Anerkennung gestartet werden muss“, so Wachter.

Gute Ausbildung vereinfacht aber nicht die Integration bzw. reduziert nicht den Bedarf an Integrationsmaßnahmen. Denn Flüchtlinge sind mit verschiedensten integrationshemmenden Faktoren konfrontiert, wie fehlende Sprachkenntnisse und Netzwerke, fehlende Anerkennung von Qualifikationen oder Traumatisierung. Zumal besteht in Österreich mit 10,6 % (Dezember 2015) die höchste Arbeitslosenquote in der zweiten Republik. Die hohe Anzahl von anerkannten Flüchtlingen wird die Arbeitslosenzahl kurzfristig erhöhen, denn Integrationsmaßnahmen dauern und nicht alle Flüchtlinge können sofort arbeiten.

„Und hier gilt einmal mehr: Eine Not darf nicht gegen die andere ausgespielt werden. Der Kampf gegen Arbeitslosigkeit in Österreich muss 2016 ganz oben auf der Agenda stehen“, fordert Wachter.

Sprachförderung ist essentiell
Zu den Integrationsmaßnahmen von Anfang an zählt auch die so dringende Sprachförderung. Es bedarf massiver Investitionen in weitere Sprachkurse, um Flüchtlingen den Deutscherwerb bereits im Asylverfahren zu ermöglichen. Bernd Wachter: „Die Erfahrung aus der Praxis zeigt, dass Flüchtlinge die Angebote eigenständig in Anspruch nehmen und nicht dazu motiviert werden müssen.“

Individuelle Förderung und Maßnahmen lohnen sich
Den Ergebnissen des Kompetenzchecks nach müssen individuelle Förderangebote ausgebaut werden. Caritas Generalsekretär Wachter:
„Auch aus der Caritas Arbeit wissen wir, dass mit individueller Beratung und Begleitung viel bewegt werden kann. Wichtig zu beachten ist, dass bei der geplanten Ausbildungspflicht Flüchtlinge als Zielgruppe mitgedacht und berücksichtigt werden. Erfolgreiche Arbeitsmarktintegration kostet Geld, Zeit und Personal. Aber wir legen durch die Investition in gute Integrationsschritte und Flüchtlingsmanagement die Grundsteine für die FacharbeiterInnen von morgen, die so dringend benötigt werden.“

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