Creditreform PRIVATINSOLVENZSTATISTIK, 2015: 40 Insolvenzen pro Werktag

Privatkonkurse steigen nach fünf Jahren wieder kräftig an, 2016 werden mehr als 10.000 Insolvenzen erwartet

Wien (OTS) - Die endgültigen Zahlen der Creditreform Privatinsolvenzstatistik für das Gesamtjahr 2015 zeigen nach einem kontinuierlichen Rückgang der vergangenen fünf Jahre erstmals wieder einen starken Zuwachs bei den Insolvenzen von Privatpersonen um 4% auf 9.900 Verfahren. Die Anzahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ist hierbei um 4,9% auf 8.816 Verfahren gestiegen, die mangels Vermögens abgewiesenen Insolvenzanträge sind um 1,5% auf knapp unter 1.100 Fälle zurückgegangen. Die seit ein paar Jahren sinkende Durchschnittsverschuldung beträgt nun knapp 67.000 Euro. Der „typische“ Schuldner ist männlich, in der Hälfte der Fälle arbeitslos, zwischen 30 und 50 Jahre alt, lebt in der Stadt und verfügt nur über eine unterdurchschnittliche (Aus-)Bildung. Die Insolvenzgründe liegen immer in mehreren zusammenfallenden Ereignissen, angeführt von Jobverlust, gescheiterter Selbständigkeit und im sorglosen Umgang mit Geld. Hauptgläubiger sind Banken, Mobilfunk-Unternehmen und Energieversorger.

Bundesländervergleich: 15 von 10.000 Erwachsenen sind zahlungsunfähig/überschuldet

Ein Bundesländer-Vergleich zeigt die stärksten Zuwächse in den Bundesländern Salzburg (+12,3%), Niederösterreich (+11,4%) und Wien (+8,4%). Rückgänge vermelden das Burgenland (-6,9%), die Steiermark (-6,5%) und Oberösterreich (-5,4%). 42% aller Insolvenzverfahrenen finden in Wien statt. Aber auch relativ betrachtet herrscht in der Bundeshauptstadt die größte Insolvenzbetroffenheit: 29 von 10.000 erwachsenen Wienern wurden insolvent. Österreichweit wurden hingegen knapp 15 von 10.000 Erwachsenen zahlungsunfähig.

Conclusio 2015 - Erwartung 2016

Nachdem seit 2010 die Zahl der Privatinsolvenzen kontinuierlich zurückgegangen ist, hat das Jahr 2015 eine Trendwende eingeläutet. Die hohe Arbeitslosigkeit und steigende Lebenshaltungskosten führen zu mehr Insolvenzen. Angesichts der wenig erfreulichen Konjunkturaussichten ist zu noch mehr Vorsicht im Umgang mit Geld geboten. Der allgemeine Konsumdruck und verlockende Werbeaktionen mit „kostenloser“ Finanzierung sollen nicht davon ablenken, dass am Ende des Tages auch gezahlt werden muss.
Einmal mehr fordert Creditreform die Einführung eines Pflichtschulfaches „Finanzbildung“, da das Wissen um Kredit, Zinsen, etc. genauso zur Allgemeinbildung wie Lesen, Schreiben und Rechnen gehört. Nur mündige Bürger sind auch selbstverantwortliche Konsumenten, die sich vor voreiligen Entscheidungen mit finanziellen Folgewirkungen schützen können.

Da keine spürbare Entlastung des Arbeitsmarktes zu erwarten ist, ist auch 2016 mit einem weiteren Zuwachs der Privatinsolvenzen auf erstmals über 10.000 Schuldenregulierungsverfahren zu rechnen.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Verband Creditreform
Mag. Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer
Mobil: +43-676-832 18 290
Tel.: +43-1-218 62 20-551
mailto: g.weinhofer@wien.creditreform.at
www.creditreform.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | CDR0001