- 30.12.2015, 11:21:23
- /
- OTS0044 OTW0044
Tierversuchsverordnung erlassen: Wissenschaftsminister erteilt Tierschutz klare Absage
600 kritische Stellungnahmen verworfen, Tierversuche in Österreich sollen weiter unkontrolliert bleiben, es wird keinen Kriterienkatalog für Tierversuchsanträge geben
Utl.: 600 kritische Stellungnahmen verworfen, Tierversuche in
Österreich sollen weiter unkontrolliert bleiben, es wird
keinen Kriterienkatalog für Tierversuchsanträge geben =
Wien (OTS) - Bei der Tierversuchsindustrie knallen die Sektkorken,
ist es ihr doch wieder gelungen, den Tierschutz aus dem
Tierversuchsgesetz raus zu halten. Die neue Verordnung für
Tierversuchsanträge, die eben vom Wissenschaftsministerium erlassen
wurde, erscheint trotz harscher Kritik in 600 Stellungnahmen
praktisch unverändert zum Verordnungsentwurf. Es gibt nur 2 weitere
Verschlechterungen, wenn man bei einer Verordnung am untersten Niveau
überhaupt von Verschlechterung sprechen kann: die Frage nach dem
praktischen Nutzen wurde durch wissenschaftlichen und pädagogischen
Nutzen ergänzt, sodass die Befriedigung reiner Neugier mit einem
Heilmittel für AIDS gleichgestellt wird, und die Tierart wird nicht
mehr erfragt, sodass das Leid von Knorpelfischen mit dem von Primaten
gleichgesetzt wird. „Von mir aus kann man alle Fragen streichen“,
resigniert VGT-Obmann Martin Balluch, „diese Pseudoabwägung von
Schaden und Nutzen ist das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben
steht. Niemals im Leben wird diese Verordnung auch nur zur Ablehnung
eines einzigen Tierversuchs führen.“
Und Balluch weiter: „Der Wissenschaftsminister erteilt damit dem
Tierschutz eine klare Absage. Wenn es um Tierversuche geht, hat in
seinen Augen Tierschutz keine Rolle zu spielen. In Österreich wird
jeder einzelne Tierversuchsantrag genehmigt, es gibt keine
Kontrollen, es gibt keine gesetzlich vorgeschriebenen
Kontrollkommissionen, es herrscht komplette Narrenfreiheit. Und das,
obwohl die Bevölkerung Tierversuche sehr kritisch sieht, Versuche an
Hunden, Katzen und Primaten grundsätzlich ablehnt und ein strenges
Tierversuchsgesetz wünscht, das Versuche ohne klaren Nutzen für die
menschliche Gesundheit verboten wissen will.“
„4 Jahre Diskussion über die ethische Abwägung bei Tierversuchen
waren vollkommen sinnlos“, ergänzt Balluch. „3 Jahre
wissenschaftliche Projektarbeit für einen Kriterienkatalog wurden
verworfen. Eine der MitarbeiterInnen hat aus Protest gekündigt, ein
Mitglied in der Beratungskommission des Ministers legte seine
Funktion nieder. Das Ministerium verbietet den WissenschaftlerInnen,
ihre Ergebnisse zu veröffentlichen, der Endbericht wird unter
Verschluss gehalten. Zustände, wie unter Metternich. Kein Wunder,
damals wie heute regiert man am Willen der Bevölkerung vorbei und
muss daher die öffentliche Meinungsbildung unterdrücken. Die
Bankrotterklärung schlechthin: nach all diesem Aufwand wird es keinen
Kriterienkatalog und keine ethische Schaden-Nutzen Abwägung geben.
Wer an Nutztieren brutale Methoden der Effizienzsteigerung ihrer
Ausbeutung erproben will, kann das genauso tun, wie jemand, der
Schafe mit Schlagstöcken prügeln will, um die Art der Wunden zu
bestaunen. Das sind Tierversuchsreihen, die heute in Österreich
durchgeführt werden, obwohl ihr Schaden den 'Nutzen' bei weitem
übersteigt. Die Tierversuchsindustrie, ohne Skrupel und jede
Fähigkeit zu Mitgefühl, hat sich durchgesetzt: das wird in den
nächsten Jahrzehnten auch so bleiben!“
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | VGT






