Welt-Braille-Tag 4. Jänner 2016

Wien (OTS) - Am 4. Jänner 2016 ist Louis Brailles 207. Geburtstag. Als Vorreiter im Bereich der Zugänglichkeit von Texten für blinde Menschen und Menschen mit Sehbehinderungen ist sein Name noch immer bekannt und seine Arbeit nach wie vor bedeutend. Doch auch, wenn sich in den letzten zweihundert Jahren im Sektor der Erstellung und Vermittlung von Text und Information einiges getan hat, klaffen nach wie vor große Lücken, sobald es um die Aufbereitung von Medien für blinde und sehbehinderte Menschen geht. Denn das „Recht zu lesen“ bleibt für blinde und sehbehinderte Europäer, wenn es um die Zugriffsmöglichkeiten literarischer Werke geht, massiv eingeschränkt.

Die Zahlen hierzu bekümmern: Nur 5% aller publizierter Bücher in Industriestaaten werden in einem Format verlegt, das für blinde Menschen und Menschen mit Sehbehinderungen zugänglich ist, so etwa in Großschrift, Braille oder als Audioformat. In Entwicklungsländern trifft das auf überhaupt nur 1% der publizierten Werke zu.

Dabei besteht mit dem Marrakesch-Abkommen die historische Möglichkeit für blinde und sehbehinderte Menschen der ganzen Welt, ihr Recht zu lesen und sich weiterzubilden, umzusetzen. Denn das von der WIPO (Internationalen Organisation für intellektuelles Eigentum) ausgearbeitete und 2013 angenommene Abkommen erleichtert den Zugriff, die Reproduktion und Distribution von Publikationen für Menschen, die blind, sehbehindert oder anderweitig lesebehindert sind. Ausschließlich auf die Benützung durch betroffene Personen ausgerichtet und unter der Bestimmung lauterer Anwendung, können Werke in barrierefreiem Format verbreitet und somit ein grenzüberschreitender, legaler Austausch übernommen werden.

Während dieses durchwegs positive Ereignis von vielen Ländern weltweit anerkannt und der Marrakesch-Vertrag in weiterer Folge angenommen wurde (so u.a. von Mexico, Argentinien, Indien, und Mali) reagierten einige EU-Mitglieder verhalten. Schon im Oktober 2013 wurde von der Copyright Unit eine Beschlussvorlage präsentiert, welche eine Ratifizierung des Marrakesch-Vertrags durch die Europäische Union einleiten sollte, doch blieb eine Einigung aus.

Die Problematik, die von Beginn an in der legalen Einbindung des Abkommens lag, konnte auch nach der Vorlage eines zweiten Kompromisses nicht beseitigt werden und während 21 EU-Mitglieder ihre Zustimmung zu dem vorgeschlagenen Kompromiss ausgedrückt haben, blockieren sieben Mitglieder, angeführt durch Deutschland und Italien, die abschließende Ratifizierung.

Hatte man 2013 noch auf eine schnelle europäische Umsetzung des Marrakesch-Vertrags gehofft, gibt der lange Aufschub inzwischen Anlass für Unmut. Denn solange es zu keiner Einigung kommt, kann in weiterer Folge auch die Umsetzung des Vertrages in nationales Recht nicht unternommen werden, womit einer unkomplizierteren Verbreitung barrierefrei zugänglicher Medien weiterhin Schranken vorgesetzt sind.

Dabei wäre mit der Annahme des Abkommens und einer damit verbundenen Anpassung des Urheberrechts eine große Verbesserung für blinde und sehbehinderte Menschen zu erwarten. Und nicht nur die Erleichterung des Zugangs zu barrierefreien Medien und die daraus resultierenden verbreiterten Bildungsmöglichkeiten für blinde, sehbehinderte oder anderweitig lesebehinderte Menschen ist von der Umsetzung des Vertrags zu erwarten; auch für Servicestellen und Institutionen, die mit der Distribution barrierefrei zugänglicher Medien betraut sind, würde sich nicht zuletzt finanzielle Erleichterung einstellen.

Louis Brailles Einsatz fand nicht sofort die Anerkennung, die ihm gebührt hätte und erst wenige Jahre vor seinem Tod begann der Aufstieg der von ihm entwickelten Schrift, dennoch ließ sich Braille nicht demoralisieren in seinem Streben, einen effizienten Weg für größere Barrierefreiheit zu bereiten.

Der Welt-Braille-Tag ehrt das Engagement und den Erfindungsreichtum Louis Brailles und erinnert gleichzeitig daran, dass auch heute noch an Barrierefreiheit, Chancengleichheit und Nichtdiskriminierung gearbeitet werden muss, damit blinde und sehbehinderte Menschen vollwertige Teilnahme an der Gesellschaft erfahren können.

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