Neues Volksblatt: "Stillstand" von Markus EBERT

Ausgabe vom 29. Dezember 2015

Linz (OTS) - In Sachen Verkehrspolitik bekommt Linz gerade vorgeführt, wie gut oder schlecht man 20 Jahre nutzen kann. Wer sich heute in der Landeshauptstadt ins Auto setzt, ist im Nu in Freistadt, was umgekehrt bedeutet: Die Mühlviertler Bezirkshauptstadt und mit ihr eine ganze Region ist mit der jüngst fertig gestellten S10 Teil des Zentralraumes geworden.
Wer sich heute in Linz ins Auto setzt, um in einen anderen Stadtteil zu gelangen, kann zwar dort und da auch ein neues Straßenstück befahren, aber rasches Fortkommen zu bestimmten Zeiten ist nicht gewährleistet. Der Jammer ist nur: In der Zeit, in der die S10 geplant, gegen den massiven Widerstand mancher Straßengegner argumentiert und letztlich realisiert worden ist, hat sich in Linz in Sachen Öffentlicher Verkehr als ernsthafte Alternative zum (motorisierten) Individualverkehr viel zu wenig getan. Es wäre unfair, alles den Verantwortlichen in der Landeshauptstadt anzulasten, dazu sind zu viele Player — Stadt, Umlandgemeinden, Land, Bund, ÖBB — im Spiel. City-S-Bahn, Regio-Tram, zweite Straßenbahnachse: Jeder setzte zwar Ideen in die Welt, aber der Wille, in der selben Sprache darüber zu reden, fehlte. Wenn man sich heute in Linz vor dem Verkehrskollaps fürchtet, weil die Eisenbahnbrücke gesperrt wird, dann lohnt ein Blick zurück auf die letzten 20 oder 25 Jahre — und man stellt bitter fest, dass jetzt die Zeche für diesen Stillstand zu zahlen ist.

Rückfragen & Kontakt:

Neues Volksblatt, Chefredaktion
0732/7606 DW 782
politik@volksblatt.at
http://www.volksblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NVB0001