Silvester: Mit Sicherheit knallen - Finger weg von illegalen Krachern

ÖNORM definiert Mindeststandards für pyrotechnische Gegenstände. 2016 endgültiges Aus für herkömmliche Piraten vulgo Schweizerkracher.

Wien (OTS) - Ein Expertengremium bei Austrian Standards befasst sich laufend mit der Weiterentwicklung von Regelwerken, die das Verletzungsrisiko für Pyrotechnik-Liebhaber minimieren sollen. „Mit der ÖNORM EN 15947 wurde unter österreichischer Beteiligung ein einheitlicher europäischer Standard geschaffen, der die unterschiedlichsten Arten von Feuerwerkskörpern nach Grad der Gefährdung kategorisiert und einheitliche Prüfverfahren festlegt“, erklärt Elisabeth Stampfl-Blaha, Direktorin von Austrian Standards. Die ÖNORM bietet verlässliche Qualität und Sicherheit, was gerade im Bereich der Pyrotechnik einen maßgeblichen Beitrag zur Unfallprävention darstellt. Die Novelle des Pyrotechnikgesetzes schreibt nun seit heuer für pyrotechnische Gegenstände die Einhaltung der Europäischen Norm vor.

Jeder vierte Österreicher lässt es zu Silvester kräftig krachen. Raketen, Böller und andere Feuerwerks-körper bescheren dem Fachhandel alljährlich einen Umsatz von rund zehn Millionen Euro. Nicht mehr im Handel erhältlich sind Produkte mit Blitzknallsätzen, die bisher in so genannten Piraten, vulgo Schweizerkrachern, enthalten waren. Denn der Verkauf von darin enthaltenen Blitzknallsätzen ist gemäß dem Pyrotechnik-Gesetz in Österreich bereits seit 2010 verboten. Ab 4. Jänner 2016 ist nun auch die Verwendung von Blitzknallsätzen generell verboten.

CE-Kennzeichnung als Merkmal für legale Produkte

Die Novelle des Pyrotechnikgesetzes, die seit Juli 2015 in Kraft ist, beinhaltet neben dem Aus für Piraten und Co. auch eine strengere Kennzeichnungspflicht der pyrotechnischen Gegenstände. Alle Feuerwerks-körper, die erhältlich sind oder neu auf den Markt kommen, müssen eine CE-Kennzeichnung aufweisen. „Dieses Zeichen ist ein verlässliches Merkmal dafür, dass dieses Produkt den gesetzlichen Anforderun-gen und den entsprechenden Sicherheitsanforderungen der harmonisierten Europäischen Normen entspricht“, erklärt Dagmar Schermann, zuständige Komitee-Managerin von Austrian Standards. Die CE-Kennzeichnung muss gut sichtbar, gut lesbar und dauerhaft auf dem Gegenstand selbst, falls nicht möglich, an der Verpackung angebracht sein. Zudem müssen u. a. auch Name und Adresse des Herstellers, Typ und Gefahrenkategorie des Geräts (F1 - F4) und Altersgruppe angeführt werden.

Die Neuerungen im Pyrotechnikgesetz verpflichten nun nicht nur den Hersteller/Importeur, sondern auch den Händler zur Kontrolle, ob das Produkt auch alle Anforderungen erfüllt. Bei Nichteinhaltung der Kennzeichnungspflichten als Hersteller, Importeur oder Händler drohen Geldstrafen bis zu 10.000 Euro – oder Freiheitsstrafen bis zu sechs Wochen. Pyrotechnische Gegenstände, die entgegen den gesetzlichen Bestimmungen verkauft oder verwendet werden, können von der Polizei beschlagnahmt werden. Laut Information der Landesdirektion Wien werden jährlich etwa drei Tonnen Material sichergestellt, das vom Entschärfungsdienst vernichtet wird.

„Jedes Jahr gibt es leider immer wieder Verletzte durch fahrlässige, unsachgemäße Handhabung von Raketen und Böllern. Speziell der Kauf von illegalen pyrotechnischen Gegenständen aus dem Kofferrraum dubioser Händler birgt ein enormes Sicherheitsrisiko“, warnt Helmut Szagmeister, Pyrotechnikhändler und Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Pyrotechnik und Sprengmittel“ bei Austrian Standards. „Bei diesen illegal verkauften Artikeln weiß man nie, woher sie kommen und was wirklich drin ist. Ein falsches Sprengpulvergemisch oder zu kurze Raketen-Leitstäbe können fatal enden. Deswegen sollte man Feuerwerkskörper nur bei offiziellen Verkaufsstellen und im Fachhandel erwerben und sich immer ganz genau an die Gebrauchsanweisungen halten“, so der Appell des Pyrotechnik-Experten.

Technische Sicherheitskriterien und standardisierte Prüfungen

Als tragende Säule für die technischen Sicherheitskriterien, die pyrotechnische Gegenstände erfüllen müssen, fungiert die ÖNORM EN 15947. Die europaweit harmonisierte EN 15947 trägt als klar definiertes Regelwerk zur Minimierung des Gefahrenrisikos im Umgang mit Pyrotechnik bei. Das Explosions- und Brandverhalten der jeweiligen Feuerwerkskörper wurde im Zuge der Normenentwicklungsphase mehrfach erprobt und im Detail festgeschrieben. Die Norm legt Anforderungen an Konstruktion und Funktion der Gegenstände sowie Prüfverfahren fest und definiert damit Mindeststandards, die die Produkte der jeweiligen Gefahrenkategorie einhalten müssen, um einen gefahrlosen Einsatz der Feuerwerkskörper zu gewährleisten.

Jeder pyrotechnische Gegenstand, den ein Hersteller, Importeur oder Händler auf den europäischen Markt bringen will, muss in eigens benannten Prüfstellen der EU – so genannten Notified Bodies – einem Prüfungsverfahren unterzogen werden. In mehreren Modulen werden dort u. a. die korrekte chemische Zusammensetzung sowie technische Parameter, wie z. B. Brenndauer der Zündschnur, Standfestigkeit, Steighöhe (je nach Produkt unterschiedliche, jedoch mindestens 30 Meter), sowie Kälte-, Hitze- und Erschütterungstests durchgeführt. Erst nach erfolgreichem Abschluss der so genannten Konformitätsbe-wertung kann die CE-Zeichnung angebracht werden. So können Verbraucher und Anwender darauf vertrauen, dass der pyrotechnische Gegenstand den Prüfnormen für die jeweilige Gefahrenkategorie entspricht und er bei Einhaltung der Gebrauchsanweisung nur dem geringstmöglichen Risiko ausgesetzt ist. Der Händler wiederum kann sichergehen, dass er nur gesetzeskonforme Produkte verkauft, die beispielsweise zu 100 Prozent keine verbotenen Schadstoffe, wie z.B. Arsen- oder Bleiverbindungen, enthalten.

EU-weit harmonisierte Kategorisierung

Um die mit den unterschiedlichsten Arten von Feuerwerkskörpern verbundenen Gefahren richtig abschätzen zu können, legt die Norm auch das entsprechende Ordnungssystem fest, das im zweiten Teil der Norm (ÖNORM EN 14035-2 „Feuerwerkskörper – Teil 2: Einteilung“) beschrieben wird. „Hier kann man sich einen Überblick über Typen und Hauptwirkungen von mehr als 30 unterschiedlichen Arten verschaffen“, erklärt die Komitee-Managerin bei Austrian Standards. So ist beispielsweise die Knallerbse per definitionem ein schlagempfindlicher pyrotechnischer Satz und körniger Inertstoff, umhüllt mit Seidenpapier oder Folie. Wenn sie auf den Boden geworfen wird, erzeugt sie einen Knall. Ein Knallfrosch wiederum ist eine Papierhülse, die mit Schwarzpulver gefüllt, mehrfach gefaltet und zusammengebunden ist; die aufeinander folgenden Knalle sind mit hüpfenden Bewegungen verbunden. Beide Juxartikel werden laut ÖNORM der Kategorie F1 zugeordnet, da sie nur eine sehr geringe Gefahr darstellen. Mit dem neuen strengen Pyrotechnikgesetz dürfen sie erst ab dem 12. Lebensjahr erworben werden und sind – sofern dies in der Gebrauchsanweisung dezidiert angegeben wird – auch für die Verwendung in Wohnräumen zugelassen.

Laut Pyrotechnikgesetz ist die Verwendung von Feuerwerkskörpern der Kategorie F2 im Ortsgebiet generell verboten. Das betrifft Feuerwerkskörper, die eine geringe Gefahr darstellen und die zur Verwendung in beengten Bereichen im Freien bestimmt sind. Dazu zählen auch alle Arten von Silvesterraketen, Fontänen, Vulkane, Feuerräder etc. Allerdings kann der Bürgermeister zu besonderen Anlässen. wie z. B. zu Silvester, eine Sondergenehmigung erteilen.
Zur Gefahrenkategorie 3 zählen laut ÖNORM Feuerwerkskörper, die eine mittlere Gefahr darstellen und zur Verwendung in großen, offenen, freien Bereichen im Freien bestimmt sind. Feuerwerkskörper der Kategorie 4 sind besonders gefährlich und dürfen nur von fachkundigen Personen verwendet werden.

Eines sollten sich alle Hobby-Pyrotechniker am Silvesterabend jedoch immer bewusst machen: „Beim Einsatz pyrotechnischer Gegenstände, wie etwa Silvesterraketen, hat man es mit sensiblen Sprengstof-fen zu tun. Dementsprechend sorgfältig sollte man dabei auch vorgehen“, resümiert Pyrotechnikexperte Szagmeister. Daher: Einkauf nur bei offiziellen Verkaufsstellen und im Fachhandel, Gebrauchsanweisung lesen und Anweisungen genau befolgen. Dann steht einer unbeschwerten Silvesternacht nichts mehr im Wege.

Über Austrian Standards

Standards sind Normen und Regelwerke. Sie dienen dem Wohl und der Sicherheit aller, machen das Leben einfacher und sorgen dafür, dass eins verlässlich zum anderen passt. Standards stehen für Qualität und damit für Vertrauen in Produkte und Leistungen. Austrian Standards stellt seit 1920 als unabhängige und neutrale Plattform einen transparenten Normungsprozess in Österreich sicher.
Als das österreichische Mitglied von CEN, dem Europäischen Komitee für Normung, und ISO, der Internationalen Organisation für Normung, ermöglicht Austrian Standards allen, Normen mitzugestalten und macht Standards als sinnvolles, international anerkanntes Fachwissen leicht zugänglich und anwendbar.

Austrian Standards beschäftigt derzeit 121 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Standards sorgen in Österreich für ein Mehr an innovativer Wirtschaftsleistung in Höhe von rund 2,5 Mrd. Euro pro Jahr.
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