„kreuz und quer“ am 22. Dezember: „Wie hast du’s mit der Religion?“ und „Die Kinder des Kardinals“

Wien (OTS) - Wird in einem christlich geprägten Land wie Österreich ein Kind geboren, lässt die Frage „Wann ist die Taufe?“ meist nicht lange auf sich warten. Ob man will oder nicht, man muss als Elternteil nicht nur plötzlich eine Haltung zum Glauben haben, sondern auch zur römisch-katholischen Religion und Tradition Stellung beziehen. In Marion Priglingers Dokumentation „Wie hast du’s mit der Religion?“, die „kreuz und quer“ – präsentiert von Doris Appel – am Dienstag, dem 22. Dezember 2015, um 22.35 Uhr in ORF 2 zeigt, sprechen Eltern darüber, wie sie zum katholischen Glauben stehen, wie sie mit der christlichen Tradition in Österreich umgehen und welche Bedeutung der Glaube in ihrer Kindererziehung heute noch hat. Zu Wort kommen gläubige und atheistische Eltern, aus der Kirche ausgetretene und wieder eingetretene – und Kinder beim Religionsunterricht.

Um 23.10 Uhr dokumentiert Martin Nguyen in „Die Kinder des Kardinals“, was aus der vietnamesischen Bootsflüchtlingsfamilie geworden ist, die Kardinal König in den 1970er Jahren im erzbischöflichen Palais aufgenommen hat.

„Wie hast du’s mit der Religion? – Eltern erzählen, welchen Stellenwert der katholische Glaube in ihrer Kindererziehung hat – Ein Film von Marion Priglinger

„Mich hat meine dreijährige Tochter gefragt, ob der Opa im Himmel oder in der Hölle ist.“ Kindergarten, Schule, aber auch der Kontakt mit den Großeltern und Spielkameraden werfen viele religiöse Fragen auf, die beantwortet werden wollen. „Spätestens wenn dein Kind sprechen kann, musst du eine Meinung zu Gott haben!“

Obwohl die Anzahl der Katholiken seit einigen Jahren rückläufig ist, sind immer noch mehr als fünf Millionen der österreichischen Bevölkerung römisch-katholisch. Jährlich werden 42.748 Babys in Österreich römisch-katholisch getauft, das entspricht 60 Prozent aller Neugeborenen. Diese Zahl allein sagt aber noch lange nichts über die Religiosität der jungen Eltern von heute aus. Die jüngere Generation der Mütter und Väter hat – im Vergleich zu den vergangenen Generationen – eine differenziertere Ansicht zu den Themen „römisch-katholische Religion“ und „religiöse Erziehung“.

Diejenigen, die unter einer restriktiv-dogmatischen katholischen Erziehung in ihrer Kindheit gelitten haben, versuchen nun ihre Kinder von der Religion fernzuhalten. Andere wiederum sehnen sich nach dem Erhalt der christlichen Werte und Traditionen und wollen diese auch an ihre Kinder weitergeben. Gerade die Kinder sind es, die die Eltern auch dazu bringen, ihre eigene Haltung zum Glauben neu zu überdenken. „Ich muss wissen, woran ich glaube, ich kann meinem Kind ja nicht irgendwas erzählen.“ Hat man sich zum Beispiel gegen ein Leben mit der Religion entschieden, heißt das aber noch lange nicht, dass man auch ohne Religion leben kann. „In Österreich ist der katholische Glaube so tief verwurzelt, dass du an jeder Ecke auf ihn stößt. Sei es in der Schule oder im Kindergarten ... Weihnachten und Ostern oder das einfache ‚Grüß Gott! ‘ ... der Glaube ist überall.“ Dieses Spannungsfeld – Säkularisierung und Religion – ist für die Eltern von heute eine Herausforderung, der sie sich stellen müssen.

„Die Kinder des Kardinals“ – Ein Film von Martin Nguyen

Nguyen Van Tin steht an einer Druckerpresse. Es sind die letzten Monate in der Hausdruckerei der Erzdiözese Wien von Herrn Nguyen Van Tin, bevor sich der gebürtige Vietnamese in die wohlverdiente Pension verabschieden darf. Er trägt eine weiße Strickjacke, die für ihn von besonderem Wert ist – ein Erbstück von Kardinal König. „Am Anfang waren die Ärmel zu lang“, erzählt Nguyen Van Tin, „aber nach dem ersten Waschen haben sie gepasst.“

Vor mehr als 30 Jahren war er mit seiner Familie wie viele andere tausend Vietnamesen nach dem Krieg in überfüllten Booten Richtung Ungewissheit geflüchtet. Zur gleichen Zeit richtete Kardinal König den Appell an die österreichische Bevölkerung, den heimatvertriebenen Flüchtlingen Hilfe zu leisten. Er ließ seinen Worten selbst Taten folgen: Anfang der 1980er Jahre nahm er eine sechsköpfige vietnamesische Flüchtlingsfamilie bei sich im Erzbischöflichen Palais auf. Gegen Widerstände in seiner Umgebung stellte Kardinal König der Familie mit drei kleinen Kindern und einem weiteren im Mutterleib ein Gästezimmer im 6. Stock des Palais zur Verfügung. Dies war der Beginn eines neuen Lebens für Nguyen Van Tin und seine Familie.

Trotz eines vollen Terminkalenders versuchte Kardinal König mit Hilfe seiner langjährigen Sekretärin Annemarie Fenzl, regelmäßig Kontakt zu seinen vietnamesischen Schützlingen zu halten und ließ im Hof des Palais eine Sandkiste für die Kinder aufstellen. Für den Vater Nguyen Van Tin fand er einen Arbeitsplatz in der Hausdruckerei der Erzdiözese und nahm die Kinder in den Sommermonaten in seinen Urlaubsort nach Vorarlberg mit.

Nguyen Van Tin und seine Familie baten aus Dankbarkeit um die Taufe, „weil die Christen so gute Menschen sind“. Kardinal König war zunächst zurückhaltend und wollte jeglichen Anschein vermeiden, dass seine Hilfe an eine Bedingung geknüpft sei. Schließlich taufte er die vietnamesischen Flüchtlinge und ihre Kinder und vermählte die Eltern kirchlich, ohne dabei die buddhistischen Wurzeln der Familie unerwähnt zu lassen. „Der Herr Kardinal hat immer gesagt, ich sollte niemals vergessen, woher ich komme“, erzählt Nguyen Van Tin nachdenklich.

Der Film lässt das Leben der Familie und deren Begegnung mit Kardinal König u. a. anhand von Gesprächen mit der ehemaligen Sekretärin Königs, Annemarie Fenzl, Revue passieren. Erweitert wird der Blick in die Vergangenheit durch Archivmaterial aus dem privaten Familienbereich und aus dem Nachlass von Kardinal König.

Beide Sendungen sind auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) – vorbehaltlich vorhandener Online-Lizenzrechte – als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar.

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