TIROLER TAGESZEITUNG, Ausgabe vom 16.12.2015, Leitartikel von Alois Vahrner: "Ein Krach wie zu alten Hypo-Zeiten"

Innsbruck (OTS) - Konfliktscheu war Militär-Fan Bruno Wallnöfer in seiner Karriere als Politiker und IKB-Chef, vor allem aber in seinen zwölf Jahren als Tiwag-Chef ja nie. Auch nicht, als er die Kraftwerks-Pause für beendet erklärte und seit 2004 landesweit unzählige Debatten auslöste. Viele Pläne blieben bis heute Stückwerk. Das GKI wird gebaut, das gehörte aber bis zur Genehmigung mehrheitlich dem Verbund. Der Ausbau des Kraftwerks Sellrain-Silz könnte klappen, hinter dem größten Projekt Kaunertal steht auch nach mehreren notwendig gewordenen Umprojektierungen zurzeit mehr denn je ein dickes Fragezeichen.
Was Wallnöfer aber gelungen ist, das war die kräftige Verbesserung der Ergebnisse. Die Tiwag steht, gerade auch im Vergleich zu vielen in tiefroten Zahlen steckenden Anbietern im In- und Ausland, sehr gut da.
Wallnöfer sollte laut Regieplan des Landes für seine Verdienste einen glänzenden Abgang bekommen. Daraus wird nun nichts, im Gegenteil: Zunächst wurde publik, dass Wallnöfer seit Jahren zusätzlich zu seiner Tiwag-Gage von 23.500 Euro brutto auch eine Beamtenpension von über 4000 Euro netto bezog. Rechtlich wohl einwandfrei, aber mit miserabler Optik. Die große Verabschiedung wurde abgeblasen.
Jetzt lief auch noch der Streit um die Strompreise völlig aus dem Ruder. Die verkündete Strompreissenkung entpuppt sich wegen der kräftig steigenden Netztarife insgesamt als Verteuerung. LH Platter, der offenbar nicht vorinformiert war und deshalb auf dem linken Fuß getroffen wurde, attackierte die Tiwag-Spitze und sprach wörtlich von „Murks“. Noch-Tiwag-Chef Wallnöfer blies gestern zur Attacke gegen den eigenen Eigentümervertreter. Mit Verweis auf das Aktiengesetz ließ er Platter wissen, dass den Vorstand der Ruf nach einer weiteren Preissenkung nicht interessiere.
Inhaltlich mag der Verweis auf das Aktiengesetz richtig sein: Der Vorstand lasse sich die Tiwag nicht zerstören, sagt Wallnöfer. „Zerstörung“ durch eine Preissenkung ist etwas sehr hoch gegriffen. Da hätte der Vorstand einst beim Konsulentenvertrag für Ex-Landesrat Streiter und vor allem bei der 230-Millionen-Finanzspritze für die Hypo mehr Recht auf ein Nein gehabt.
Kritisiert wurden Tiwag und Hypo oft, meist aber von der Opposition. Beim Euregio-Streit um die Hypo gab es einen wilden Crash innerhalb der Regierung, aber noch nie eine so offene Kampfansage eines Managers einer Landesgesellschaft gegen den Landeshauptmann. Wallnöfer bis zu seinem Abgang in 15 Tagen zu ignorieren, wie Platter das offenbar vorhat, wird nicht funktionieren. Dafür war diese öffentliche Brüskierung zu heftig.

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