AK, ÖGB: Die Lehre muss besser werden

Erster österreichischer Lehrlingsmonitor zeigt mangelhafte Ausbildung in vielen Lehrbetrieben – AK und ÖGB fordern Qualitätssicherung

Wien (OTS) - „Jugendliche werden bei der Lehrstellensuche auf Herz und Nieren geprüft. Es wird Zeit, auch die Lehrbetriebe zu prüfen“, sagte AK Wien Vizepräsident Willibald Steinkellner gestern Nachmittag auf der AK-ÖGB-Veranstaltung zur Diskussion der Ergebnisse des ersten österreichischen Lehrlingsmonitors von Arbeiterkammer, Gewerkschaftsbund und Gewerkschaftsjugend. Zwei von fünf befragten Lehrlingen sehen ihren Ausbildner, ihre Ausbildnerin nur selten oder wissen gar nicht, wer das ist. Ebenso viele bekommen selten Rückmeldung über ihren Ausbildungsfortschritt. Um das zu ändern, fordern AK und ÖGB die gesetzliche Einführung eines Qualitätsmanagements in der Lehrausbildung inklusive unabhängiger Kontrollen. Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB, auf der Veranstaltung: „Mangels Qualitätskontrollen brechen viele Lehrlinge die Lehrausbildung ab oder fallen bei der Lehrabschlussprüfung durch. Wir brauchen daher österreichweit einheitliche Qualitätstandards in der Lehre, so wie es auch überall sonst im Bildungssystem üblich ist.“ Er fordert auch die Umsetzung einer Fachkräftemilliarde.

Für den ersten österreichischen Lehrlingsmonitor wurden die Antworten von 6.500 Jugendlichen ausgewertet. Zusätzlich dazu, dass sich die Betriebe bei zwei von fünf Jugendlichen kaum um die Ausbildung kümmern, sagt ein Drittel: Sie machen immer oder häufig ausbildungsfremde Arbeit (31 Prozent); bei Fehlern wird ihnen höchstens teilweise erklärt, was falsch war (29 Prozent); und sie wissen nur zum Teil, was sie eigentlich lernen sollen (28 Prozent).

Die Umfrage zeigt auch, dass gute Rahmenbedingungen zufriedene Lehrlinge machen. Das sollte sich besonders der Tourismusbereich zu Herzen nehmen. Achitz: „Nur mit guten Arbeitsbedingungen und mehr Qualität können wieder mehr Jugendliche zu einer Lehre motiviert werden. Denn viele Jugendliche wollen eine praktische Ausbildung machen, sie entscheiden sich aber oft dagegen, weil die Lehrplätze zu unattraktiv sind.“ Steinkellner: „Die Lehre muss besser werden. Die Jugendlichen und ihre Eltern brauchen die Sicherheit, dass ein Lehrbetrieb gut ausbildet.“ AK und ÖGB fordern:

+ gesetzliche Einführung eines Qualitätsmanagements für die Berufsausbildung in den Betrieben: Ein wichtiger erster Schritt wäre die Zertifizierung von Lehrbetrieben auf Grund von Qualitätsnormen – und regelmäßige Kontrollen, ob die Normen eingehalten werden. Weiters soll es Teilprüfungen zur Mitte der Lehrzeit geben, um den Ausbildungsstand festzustellen. Die Teilprüfung soll auf die Lehrabschlussprüfung angerechnet werden.

+ qualitätsgebundene Fördermodelle statt „Gießkannenprinzip“:
Engagierte Lehrbetriebe sollen mehr Lehrstellenförderung erhalten als Betriebe, die nur Minimalanforderungen erfüllen.

+ mehr Aus- und Weiterbildung für AusbildnerInnen: Es ist zu wenig, dass derzeit eine Ausbildnerberechtigung bereits nach 40 Stunden Kurs vergeben wird. AusbildnerInnen sollen für ihre Tätigkeit Prämien erhalten.

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