Johanna Mikl-Leitner in Ö3-„Frühstück bei mir“: „Es hat noch kein Innenminister einen Beliebtheitspreis gewonnen.“

Wien (OTS) - Sie war heuer eine der meistbeachteten und umstrittensten Politikerinnen und mit den großen Themen des Jahres – wie Flüchtlingskrise und Terrorismus – immer im Fokus. Johanna Mikl-Leitner resümierte heute in Ö3-„Frühstück bei mir“ über ihr Jahr 2015: „Das wohl anstrengendste Jahr meiner politischen Laufbahn.“ An Rücktritt hätte sie trotz zahlreicher Aufforderungen dazu „keine einzige Sekunde gedacht“, sagte die 51-jährige im Interview mit Ö3-Moderatorin Claudia Stöckl. Im aktuellen APA/OGM Vertrauensindex der Bundespolitiker/innen ist sie seit Monaten an letzter Stelle, auf Ö3 begründet Mikl-Leitner ihre schlechten Umfragewerte so: „Ich polarisiere natürlich mit meinen Maßnahmen. Dem einen sind die Maßnahmen zu weich und dem anderen zu hart. Ich habe noch nie einen Innenminister erlebt, der einen Beliebtheitspreis gewonnen hat.“

Auf die Frage, ob sie Erwin Pröll, der als Bundespräsidentschaftskandidat mit guten Chancen auf den Job in der Hofburg gehandelt wird, in seiner Funktion an der Spitze von Niederösterreich folgen wird, antwortete sie: „Das wird an der Entscheidung des Landeshauptmannes und der Parteigremien liegen.“ Jedenfalls scheint sie aber doch andere Zukunftspläne zu haben: „Ich sehe mich in fünf Jahren noch immer als Innenministerin.“

Die Adventsonntage widmet die Politikerin vor allem ihren zwei Töchtern Anna (14) und Larissa (10). Mit ihnen betet sie vor dem Adventkranz, „für den verstorbenen Opa und für den Weltfrieden. Denn wenn es Weltfrieden gibt, dann gibt es auch keine Flüchtlinge mehr.“ Unter der Woche sieht sie ihre Kinder meist nur in der Früh, sagte Mikl-Leitner auf Ö3: „Ich bin keinen Abend die Woche zuhause. Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation und da ist es unmöglich am Abend daheim sein zu können.“ Ihr Mann bestreite die „gesamte Familienarbeit seit der Geburt ihrer Kinder. Anders wäre es nicht machbar.“ Ihr größtes Defizit ortet die umtriebige Ministerin allerdings schon, „wenn ich abends irgendwo sitze und es gemütlich ist. Ich bin so eine richtige ‚Pickenbleiberin‘.“

Zum Flüchtlingsthema brachte die Innenministerin die aktuellen Zahlen: „Seit Anfang September sind 550.000 Menschen in unser Land eingereist oder durchgereist, über 71.000 Menschen haben mittlerweile bei uns um Asyl angesucht. Wir sind hier im europäischen Vergleich auf Platz 2 nach Schweden.“ Wie sie die Situation der Flüchtlinge in Österreich zu Weihnachten sieht und ob Obdachlosigkeit verhindert werden kann, beantwortet sie folgendermaßen: „Ich wünsche mir nichts mehr, als dass wir alle unterbringen. Wir werden auch weiterhin Übergangsquartiere brauchen. Es sind ja über 6.000 Menschen in Transitquartieren untergebracht, weil wir einfach zu wenig haben. Wichtig ist, dass niemand erfriert, dass wir alle medizinisch und auch mit Nahrung versorgen können, und dass wir das Wichtigste beistellen können. Jeder ist gefordert. Da sind die Länder gefordert, da sind die Gemeinden gefordert, die Kirche und auch die Zivilbevölkerung. Ich hoffe es gelingt uns.“

Ö3-„Frühstück bei mir“ – das große Interview der Woche, Persönlichkeiten ganz persönlich – jeden Sonntag von 9.00 bis 11.00 Uhr im Hitradio Ö3 und zum Nachhören online auf http://oe3.orf.at.

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