Nikolaus Leytner richtet den Blick auf „Die Stille danach“

ORF/MDR-Drama mit Ursula Strauss, Peter Schneider, Enzo Gaier, Sophie Stockinger, Philipp Hochmair u. v. m.

Wien (OTS) - „Diesen Abgrund, vor dem man dann plötzlich steht, dieses Leben, wo alles auf einen Schlag verändert ist – darüber nachzudenken und darüber zu erzählen, das hat mich sehr interessiert“, erklärt Nikolaus Leytner am Set des ORF/MDR-Dramas „Die Stille danach“. Darin erzählt der österreichische Regisseur die Geschichte eines Amokläufers und wie sehr das Leben der Familie des Täters von heute auf morgen auf den Kopf gestellt wird. Als betroffene Eltern stehen Ursula Strauss und Peter Schneider vor der Kamera. Enzo Gaier (auch in „Kleine große Stimme“ am 8. Dezember um 20.15 Uhr in ORF 2) übernimmt die Rolle des Sohnes und Täters und Sophie Stockinger (stand zuletzt für „Bleib am Leben“ vor der Kamera) der Tochter. In weiteren Rollen spielen Rainer Wöss, Philipp Hochmair, Olivia Silhavy, Simon Hatzl (auch in „Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist“ am 17. Dezember, um 20.15 Uhr in ORF eins) u. a. Gedreht wird bis voraussichtlich 15. Dezember in Niederösterreich und Wien.

Nikolaus Leytner: „Die Perspektive habe ich bewusst gewählt“

„Mich interessieren prinzipiell normale, scheinbar ganz gewöhnliche Menschen, die dann in eine extreme Situation kommen. Wie diese Familie, die auf den ersten Blick völlig intakt scheint und wo es dann plötzlich passiert, dass der Sohn in der Schule Amok läuft. Und die Perspektive habe ich bewusst gewählt, dass ich sage, was passiert mit dieser Familie und nicht mit den Opfern. Diesen Abgrund, vor dem man dann plötzlich steht, dieses Leben, wo alles auf einen Schlag verändert ist – darüber nachzudenken und darüber zu erzählen, das hat mich sehr interessiert.“

Ursula Strauss: „Sie macht sich auf die Suche nach ihrem Teil der Schuld“

In „Die Stille danach“ spielt Ursula Strauss Paula Rohm, die Mutter des Täters. Über ihre Rolle verrät sie: „Ich spiele eine Krankenschwester und glaube ein recht glückliches und normales Familienleben zu haben. Ich habe eine sehr intensive Beziehung vor allem zu meinem Sohn, weil der einfach mehr Zuneigung braucht. Die Tochter ist in der Pubertät, der Mann hat ein Fitnesscenter. Und eigentlich läuft alles so, wie man es sich vorstellt – bis zu dem Tag, an dem mein Sohn fünf Menschen erschießt und anschließend sich selbst. Und dann ist mit einem Schlag alles anders und ausgelöscht. Dann beginnt sich diese Familie auf unterschiedliche Arten mit dem Geschehenen auseinanderzusetzen. Was bei Paula ganz stark ist, ist dass sie die Liebe zu ihrem Kind nicht verlieren möchte. Langsam kommt sie drauf, dass ihr Sohn sie in vielen Dingen einfach belogen hat und du als Elternteil nicht alles mitkriegen kannst. Und sie macht sich auf die Suche nach ihrem Teil der Schuld und auf die Suche nach ihrem Sohn, sie will ihn verstehen, um ihn nicht ganz zu verlieren.“

Peter Schneider: „Inwieweit kann eine Familie weiter existieren, wenn so etwas passiert“

„Felix ist der Junge, der am Anfang des Films Amok läuft und fünf Menschen und sich selber umbringt – und ich spiele seinen Vater“, erklärt Peter Schneider und sagt weiter: „Der Film setzt sich damit auseinander, inwieweit Eltern oder auch die Gesellschaft eine Mitschuld an solchen Geschichten haben und auch inwieweit eine Familie weiter existieren kann, wenn so etwas passiert. Das sind so die Themen des Films und auch die Themen von Michael Rohm, meiner Rolle.“ Und weiter: „Ich hatte sehr viel Zeit zu recherchieren. Es gab ja 2004 in Erfurt den Amoklauf, und da findet man relativ viel Material – da kann man ganz gut Informationen sammeln, auch inwieweit eine Familie da Mitschuld trägt.“

Sophie Stockinger: „Das ist eine vollkommen Ausnahmesituation“

„Ich spiele die Schwester des Amokläufers und die kämpft mit der Situation – so wie alle Familienmitglieder –, für sie ist es halt besonders schwierig, weil Geschwisterliebe immer ein sehr heikles Thema ist. Und sie kämpft auch mit Schuldgefühlen, weil sie ein paar Dinge vielleicht auch schon gewusst oder geahnt hat“, beschreibt Sophie Stockinger ihre Rolle und meint weiter: „Das ist eine vollkommene Ausnahmesituation. Ich hab selber einen Bruder, genau in diesem Alter und das ist eine ganz furchtbare Katastrophe. Natürlich ist es für Schauspieler immer spannend, die Extreme darzustellen. Und Ursula Strauss als Spiel-Mama ist natürlich auch was ganz Tolles.“

In die Rolle des Bruders und damit auch des Täters schlüpft Enzo Gaier, der über seine Rolle verrät: „Ich spiele einen 13-Jährigen. Auf den ersten Blick einen ganz normalen Burschen, der aber seine Schwierigkeiten hat und immer tiefer sinkt, bis er halt nur noch diesen einen Ausweg sieht. Für mich war die Herausforderung, dieses Gefühl zu vermitteln, weil ich das halt überhaupt nicht kenne.“

Mehr zum Inhalt

Paula Rohm (Ursula Strauss) erhält einen alarmierenden Anruf. Am Gymnasium ihrer Kinder Felix (Enzo Gaier) und Flora (Sophie Stockinger) wurde geschossen. Es gibt Tote. An der Schule erhalten Paula und ihr ebenfalls herbeigeeilter Mann Michael (Peter Schneider) eine schreckliche Information. Ihr Sohn Felix ist der Täter, er selbst sein letztes Opfer.

Die wohl geordnete Welt der gut situierten Familie Rohm bricht zusammen. Es bleiben Fragen, die keiner beantworten kann. Es bleibt ein Leben, das irgendwie und trotz alldem weitergeht, weitergehen muss. Es folgen Untersuchungen, Konfrontationen, Anfeindungen, Begegnungen mit anderen Eltern, Überlebenden und Journalisten.

Das Fitnessstudio des ehemaligen Radrennstars Michael muss schließen. Paula wird von ihrem Job als OP-Schwester im Krankenhaus beurlaubt. Die 14-jährige Flora zieht sich in sich zurück. Die Familie droht zu zerbrechen.

Je tiefer Paula in die Lebenswirklichkeit ihres Sohnes eindringt, desto mehr versteht sie seine Verzweiflung vor der Tat. Je mehr von der Wahrheit ans Licht kommt, desto deutlicher erkennt jedes Familienmitglied den eigenen Anteil an Felix’ schrecklicher Entscheidung. Mit der Wahrheit kommt auch Klarheit über die Zukunft, über ein weiteres Zusammensein.

„Die Stille danach“ ist eine Produktion von ORF und MDR hergestellt von Allegro Film.

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