AK Kaske: Österreich muss Unternehmensberichte rasch auf internationales Niveau bringen!

Über All-in-Verträge, Überstunden und Arbeitsverträge soll genauso offen berichtet werden wie über Umsätze, Gewinne oder Dividenden

Wien (OTS) - „Traurig, aber wahr: In Sachen ‚Sozialbilanz‘ liegt Österreich im internationalen Vergleich weit abgeschlagen. Das ist ein unhaltbarer Zustand, der dringend repariert gehört!“ Mit diesen Worten drängt AK-Präsident Rudi Kaske auf eine rigorose Umsetzung der EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Geht es nach Kaske müsse von den österreichischen Unternehmen künftig über Schlüsselindikatoren zu Arbeitsbedingungen wie All-in-Verträge, Überstunden und Arbeitsverträge genauso offen berichtet werden wie über Umsätze, Gewinne oder Dividenden.

Nur jedes vierte der 100 umsatzstärksten Unternehmen Österreichs publiziert laut Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young einen Nachhaltigkeitsbericht. Dagegen legen in Frankreich oder Dänemark die Top-Unternehmen fast lückenlos einen Nachhaltigkeitsbericht vor. An der Börse ist es nicht besser: Nur 40% der Unternehmen berichten und zwar in mäßiger Qualität. Nach Bloomberg erreichen gerade einmal 15% der ATX-Unternehmen wenigstens die Hälfte des maximal möglichen „Social-Disclosure Score“, der die Auskunftsfreude zu den Arbeitsbedingungen misst.

„Die Berichte dienen bisher offenbar mehr dem Marketing als der tatsächlichen Offenlegung der gesellschaftspolitischen Verantwortung der Unternehmen“, so Präsident Rudi Kaske, der den Gesetzgeber eindringlich auffordert, innerhalb des nächsten Jahres der gegenwärtigen Berichtswillkür ein Ende zu setzen.

Worauf es bei einer künftigen Sozialberichterstattung wirklich ankommt, zeigt eine Online-Umfrage bei BetriebsrätInnen der börsennotierten Unternehmen: Es geht insbesondere um Kennzahlen zu Mehr- und Überstunden, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, All-in-Verträgen und Arbeitsvertragsformen. Der „Nachhaltigkeitsbericht neu“ muss aus Sicht der BetriebsrätInnen wie der Finanzbericht in Aufsichtsrat und Hauptversammlung geprüft sowie von WirtschaftsprüferInnen testiert werden. AK-Kaske fordert: „Die Umsetzung der EU-Richtlinie (RL 2014/95/EU) in österreichisches Recht muss als Chance genützt werden, den überfälligen Aufholprozess in der Nachhaltigkeitsberichterstattung zu starten.“

Dafür braucht es:

Offenlegung im Unternehmensbericht
Nur damit ist gewährleistet, dass die Berichterstattung zu sozialen und ökologischen Faktoren dem Finanzbericht gleichgestellt wird und von den Organen der Gesellschaft (Vorstand/Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Hauptversammlung) geprüft und beschlossen werden muss.  
Internationale Qualitätsstandards
Die internationalen GRI-Indikatoren, die sich bereits in der Praxis als Standard bewährt haben, sollten um jene Informationen ergänzt werden, die für ArbeitnehmerInnen besonders wesentlich sind (Arbeitszeit, Arbeitsverträge, Vergütungssysteme usw.).

Prüfung durch Externe
Eine inhaltliche, systematische Prüfung des Nachhaltigkeitsberichts ist jedenfalls erforderlich. Als Prüfinstanz sieht die AK die WirtschaftsprüferInnen, da diese über bewährte Prüfungsprozesse verfügen. Damit ist sichergestellt, dass die publizierten Informationen korrekt sind, die Darstellung angemessen und ausgewogen ist.

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Arbeiterkammer Wien
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