Neues Volksblatt: "Lernprozess" von Harald GRUBER

Ausgabe vom 4. Dezember 2015

Linz (OTS) - Menschen kann man erziehen, Strukturen nur schwer! Aber, genau darin liegt die zentrale Aufgabe in Sachen Integration. Es muss in Österreich gelingen, die wichtigen Player auf Kurs zu bringen. Und der Kurs lautet: Erkennen der offenkundigen Probleme und Gegensteuern. Dem kleinen Ahmed aus Damaskus wird man recht schnell klar machen können, dass Frauen hierzulande gleiche Rechte haben. Was ist dieser Erfolg aber wert, wenn Ahmeds Umfeld das negiert — und zwar gebetsmühlenartig?
Gefordert sind daher erfolgreich etablierte Zuwanderer, die Migranten- und Moscheevereine sowie zu mutigen Demokraten herangereifte Mitglieder der Elterngeneration. Sie alle müssen anpacken für Rot-Weiß-Rot und dürfen nicht ständig das fremdländische Süppchen kochen. Abschottung tut keinem gut. Der britische Wirtschaftsprofessor Paul Collier macht da vorerst nicht gerade optimistisch, wenn er in seinem Buch „Exodus“ die Abschottung als selbstverstärkenden Strudel beschreibt: je größer die Zuwandererkommune, umso größer der Neuzuzug und damit wiederum der Hang zur Abschottung. Aber, dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden — beginnend mit der richtigen Wortwahl. Wir sind längst nicht mehr bei „Herausforderungen“, sondern schon bei „Problemen“! Verharmlosung ist zwar menschlich wie das Irren, im Fall Integration aber ebenso unmenschlich. Weil Verharmlosung die Konflikte weiter anheizt.

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