Optimismus für Klimaschutz und eine Energiezukunft mit Strom

Oesterreichs Energie Trendforum diskutierte Wege für den Klimaschutz und die Transformation des Energiesystems

Wien (OTS) - Optimismus für ein weit reichendes Klimaschutzabkommen und Zuversicht, dass Österreich die daraus resultierenden Umstellungen des Energiesystems schaffen wird, prägten das vierte Trendforum von Oesterreichs Energie am Vorabend der Pariser Klimakonferenz. Österreich könnte 2050 komplett auf Erneuerbare Energien umgestellt sein - mit Technologien, die schon bekannt seien. Im Stromsektor könnte das sogar schon zwanzig Jahre früher, also 2030 der Fall sein, erklärte Umweltminister Andrä Rupprechter. Er sieht die Stromstrategie von Oesterreichs Energie als wichtigen Beitrag dazu.

Heute sei die Stromerzeugung bei uns schon zu mehr als 80 Prozent CO2-frei bzw. erneuerbar, erklärte Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie. Gemessen am Endenergieverbrauch habe Österreich heuer 33 Prozent Erneuerbaren-Anteil erreicht, ergänzte Rupprechter. Er erwartet sich von dem bis 11. Dezember laufenden Weltklimagipfel ein rechtsverbindliches internationales Klimaschutzabkommen, dessen Implementierung in Österreich durch eine „integrierte Klima- und Energiestrategie“ erfolgen werde.

Leistungsversprechen der E-Wirtschaft

Die Stromstrategie mit den Kernpunkten „mehr Strom im Energiesystem, mehr Erneuerbare Energie und Flexibilität im Stromsystem und mehr Partizipation am Markt“ sieht Anzengruber als „Leistungsversprechen der E-Wirtschaft“. Die Strategie berücksichtige die Anforderungen der Klimapolitik und habe das Ziel, „das Gesamtsystem zur Energieversorgung zu verbessern“ sowie den Energiebedarf in vermehrtem Ausmaß mit Strom aus erneuerbaren Energien zu decken. Die Stromerzeugung mittels Wasserkraftwerken, Windparks, und Photovoltaikanlagen könnte unter Beachtung strengster Umwelt- und Naturschutzvorschriften bis 2030 um rund 20 Milliarden Kilowattstunden erhöht werden.

Auf jede der drei Technologien entfalle etwa ein Drittel dieser Strommenge. „Natürlich haben wir nicht den Anspruch erhoben, eine umfassende Klima- und Energiestrategie vorzulegen. Aber wir wollen und können unseren Beitrag zu einer solchen Strategie leisten“, betonte Anzengruber. Er rief die Politik dazu auf, der Elektrizitätswirtschaft hierfür geeignete Rahmenbedingungen zu bieten. Schmidt sieht den Einsatz von Strom auch in den Sektoren Raumwärme und Mobilität einer der Schlüsselfaktoren für eine weitgehend CO2-freie Energieversorgung.

„Raus aus der Kohle, raus mit der Kohle“

Rupprechter erläuterte in seinem Key-Note-Vortrag, der Weltklimagipfel in Paris lasse sich im Wesentlichen auf die Formel „raus aus der Kohle, raus mit der Kohle“ bringen. Dies bedeute, einerseits die Strom- und Wärmeproduktion mit Kohlekraftwerken so rasch wie möglich zu beenden und andererseits die notwendigen finanziellen Mittel für Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels und seiner Auswirkungen bereitzustellen. Als Grundlage einer künftigen Energiepolitik will, auf EU-Ebene eine CO2-Abgabe und einen „Energiewendevertrag“ im Primärrecht der EU verankern. Dieser solle ein Gegengewicht zur „nuklear-fossilen Energiepolitik“, symbolisiert vor allem durch den Euratom-Vertrag, darstellen.

Vier-Punkte-Plan

Anthony Patt, Professor für Klimaschutz und -anpassung an der renommierten ETH Zürich, betonte, es sei notwendig, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, um schwerwiegende Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden. Um dieses Ziel zu erreichen, schlug Patt einen Vier-Punkte-Plan vor: Erstens sei es notwendig, Strom so weit wie möglich mittels erneuerbarer Energien zu erzeugen und ihn auch in den Sektoren Raumwärme und Mobilität einzusetzen. Zweitens würden umfassende technologische Innovationen benötigt, vor allem zur Speicherung elektrischer Energie. Dabei spielen großtechnische Langfristspeicher eine zentrale Rolle, mit denen es möglich ist, die Stromerzeugung saisonal zu verlagern, also etwa Strom im Sommer zu erzeugen und ihn im Winter zu nutzen. Drittens ist die regionale Integration der Stromerzeugung erforderlich, betonte Patt: „Wir dürfen das Thema Energieimporte nicht unterschätzen.“ Langfristig könnte Strom aus Photovoltaikanlagen in Nordafrika tatsächlich nach Europa geliefert werden. Viertens seien schließlich geeignete energiepolitische Rahmenbedingungen unerlässlich, so Patt. Die Rentabilität und die Finanzierung der Energieversorgung müsse gesteigert, die Risiken für die Verwirklichung von Infrastrukturprojekten sowie die Bürokratie sollten dagegen vermindert werden.

Energiedienstleistungen im Fokus

Laut Angela Köppl, Ökonomin im Bereich Klima und Energie am Austrian Institute for Economic Research (Wirtschaftsforschungsinstitut, WIFO), ist der Weltklimagipfel in Paris grundsätzlich positiv zu sehen. Dieser bringe „Dynamik in die Debatte über die Transformation des Energiesystems.“ Wichtig ist es laut Köppl allerdings, die Perspektiven des Transformationsprozesses stärker in den Blick zu nehmen. Dies bedeute, zu fragen, wofür Wirtschaft und Gesellschaft Energie benötigen und wie diese bereitgestellt werden kann: „Damit verlagert sich der Fokus der Überlegungen zwangsläufig auf das Thema Energiedienstleistungen.“ Alle Diskussionen darüber, ob der Energiebedarf zu 100% mit erneuerbaren Energien gedeckt werden kann, sind ohne Berücksichtigung dieses Blickwinkels fruchtlos, warnte Köppl.

„Leadership“ gefragt

Nach Ansicht der politischen Geschäftsführerin von GLOBAL 2000, Leonore Gewessler, sollte der Klimagipfel in Paris zu einem „verbindlichen Abkommen mit Sanktions- und Anpassungsmechanismen“ führen. Die internationale Staatengemeinschaft müsse den Klimaschutz „endlich als Chance begreifen.“ Österreich solle nicht nur darüber nachdenken, die Vorgaben von internationaler und europäischer Seite umzusetzen, sondern „Leadership zeigen“, forderte Gewessler: „Im Moment offenbaren sich leider nur wenige Staaten als Vorreiter.“

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