Neues Volksblatt: "Glockentheater" von Renate Enöckl

Ausgabe vom 1. Dezember 2015

Linz (OTS) - Ist das nächtliche Geläut des Linzer Mariendoms (einem) Anrainer(n) zumutbar? Mit dieser Frage beschäftigen sich seit Monaten die Gerichte in der Landeshauptstadt. Nun soll der Oberste Gerichtshof eine grundsätzliche Antwort finden (Bericht S. 11). Für den klagenden Nachbarn scheint es eindeutig, er beschreibt seine Symptome, die durch regelmäßige Schlafunterbrechungen ausgelöst werden, als Burnout-ähnlich und will den Störenfrieden, also den Glocken, den Garaus machen.
An und für sich ist ja jeder Kampf gegen die überhand nehmende Lärmverschmutzung, die sich zusehends negativ auf die Gesundheit auswirkt, löblich. Dennoch stellt sich die Frage, ob der nun Lärmgeplagte nicht bereits beim Wohnungskauf im Jahr 2004 den 134 Meter hohen und knapp 100 Jahre alten Nachbarn als Lärmquelle identifizieren hätte müssen. Wer die Vorteile, die eine Innenstadt bietet, genießen will, der sollte sich auch beizeiten über die Nachteile informieren. Und diese müssten in dem Fall auf der Hand liegen. Ähnlich ergeht es ja auch jenen, die sich etwa neben Autobahnen oder in Einflugsschneisen ansiedeln.
Trotzdem: Eine grundsätzliche Diskussion über die Notwendigkeit von Glockenschlägen während der Nachtstunden muss heutzutage schon auch erlaubt sein. Denn das Unverständnis dafür steigt. Das Argument der Zeitanzeige jedenfalls ist bereits seit der Erfindung der Armbanduhr obsolet.

Rückfragen & Kontakt:

Neues Volksblatt, Chefredaktion
0732/7606 DW 782
politik@volksblatt.at
http://www.volksblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NVB0001