Drei Forscherinnen mit Wissenschaftspreis 2015 ausgezeichnet

Tamara Ehs, Karin Liebhart und Christina Ortner erhielten den Wissenschaftspreis der Lupac-Stiftung für Parlamentarismus und Demokratie

Wien (PK) - Bei der Preisverleihung des Wissenschaftspreises 2015 der Margaretha-Lupac-Stiftung für Parlamentarismus und Demokratie war es trotz feierlicher Stimmung und sehr würdigen Rahmens im Abgeordneten-Sprechzimmer des Parlaments nicht zu verhehlen, dass wir in Österreich und Europa gerade politisch schwierige Zeiten erleben. Fast alle RednerInnen, aber vor allem die Preisträgerinnen selbst, die heute Abend bei der Veranstaltung gesprochen haben, gingen mit ihren Worte auch auf eine der Krisen unserer Tage ein, von der "Euro-Krise" über die "Flüchtlingskrise" bis zur "Terrorkrise" wurde alles genannt. Diese Ernsthaftigkeit beim Inhalt tat einer gelungenen Veranstaltung aber keinen Abbruch, das Gegenteil war der Fall.

Parlamentsvizedirektorin Susanne Janistyn-Novak sagte in ihrer Begrüßungsrede, der "Lupac-Preis ist weiblich". Alle drei Ausgezeichneten Personen des Abends waren denn auch Frauen: Mit dem Preis geehrt werden Tamara Ehs und Karin Liebhart für ihr wissenschaftliches Gesamtwerk sowie Christina Ortner für ihre Arbeit "Wie junge Erwachsene die EU sehen und was die Medien dazu beitragen". Janistyn-Novak sagte in Anbetracht dieser hervorragenden Biographien: "Wir sehen, die Leistungen von Wissenschaftlerinnen sind da. Sie müssen aber auch anerkannt werden." Janistyn-Novak schloss ihre Rede mit den an die Gewinnerinnen gerichteten Worten: "Ich gratulieren Ihnen zu Ihrem Mut, dass sie sich das Streben nach Erkenntnis zum Beruf gemacht haben."

Von Demokratisierung zu Effizienzsteigerung

Die Sozial- und Kulturwissenschaftlerin Hazel Rosenstrauch widmete ihren Festvortrag vor allem dem Verhältnis zwischen Demokratie und Wissenschaft. Rosenstrauch bemerkte, dass "Muse und Freiheit, also die Bedingungen selbstständigen Denkens, durch das aktuelle Uni-System nicht unbedingt gefördert werden". Rosenstrauch berichtete von ihrer eigenen beruflichen Laufbahn, die geprägt gewesen sei von Aufbruchsstimmung und einer fortschreitenden Demokratisierung des Hochschulbetriebs. Mit Blick auf die aktuelle Lage der Universitäten warnte sie, dass diese seinerzeit in Gang gekommene Demokratisierung nach Gesprächskultur und Debatte verlange, aber nicht bei bloßer Effizienzsteigerung enden dürfe.

Die Laudationes auf die Gewinnerinnen hielten Universitätsprofessorin Sonja Puntscher-Riekmann und ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Sonja Puntscher-Riekmann hob bei Preisträgerin Tamara Ehs ihren "interdisziplinären Ansatz" hervor. Ehs arbeitet zurzeit als Post-doc am Institut für Rechts- und Sozialgeschichte der Uni Salzburg; ihre Forschungsschwerpunkte liegen an der Schnittstelle zwischen Politik und Verfassung und überdies bei Osteuropa und den rechtspolitischen und historischen Grundlagen der europäischen Integration. Über die Ausgezeichnete Karin Liebhart sagte Puntscher-Riekmann, Liebhart habe ihre Laufbahn der Erforschung von Rechtsextremismus und Antipluralismus gewidmet. Liebhart lehrt an verschiedenen Unis in Österreich und dem Ausland, zuletzt an der University of New Orleans (USA). Sie forscht disziplinübergreifend an grundlegenden Fragen der österreichischen Demokratie.

Puntscher-Riekmann verlässt die Jury der Lupac-Stiftung

Am Ende ihrer Rede kündigte Puntscher-Riekmann ihren Rückzug aus der Jury der Lupac-Stifung an, in der sie zehn Jahre vertreten gewesen ist. Ihre Nachfolgerin wird die Politologin Sieglinde Rosenberger. Puntscher-Riekmann schloss mit den Worten: "Ich bin sehr besorgt, was die Entwicklung unserer Demokratie betrifft. Ausnahmezustand folgt auf Aufnahmezustand. Doch wer definiert, wann der Ausnahmezustand wieder zu Ende ist?"

Alexanber Wrabetz, einziger Mann unter den RednerInnen des Abends, bezeichnete sich zu Beginn seiner Laudation als "der Quotenmann" und widmete sich danach Preisträgerin Christina Ortner und ihrem ausgezeichneten Projekt. Wrabetz sagte, ihn habe an diesem Werk unter anderem das Ergebnis fasziniert, dass es eine Korrelation zwischen Nicht-Interesse an der EU und Ablehnung der EU gebe. Ortners Projekt über unterschiedliche Einstellungen zur EU baut auf ihre Dissertation auf, in der sie auch auf die zentrale Rolle politischer Bildung verweist, die ihrer Meinung nach in allen Ausbildungsstufen intensiviert werden sollte.

Das Prekäre wird zur Karriere

Die drei Preisträgerinnen selbst widmeten ihre Redebeträge nicht zuletzt auch den "prekären Verhältnissen" an den Universitäten. Tamara Ehs stellte schmunzelnd fest: "In der Rückschau sieht das Prekäre tatsächlich wie eine Karriere aus." Karin Liebhart warnte vor zunehmenden Rechtspopulismus und freute sich über das "Signal", dass die Preisträgerinnen heute drei Frau sind. Christina Ortner stellte fest, dass die Zukunft unserer Demokratie ganz zentral davon abhängen wird, wie wir die Desillusionierten und die Abgehängten behandeln und wie sehr die Politik die Ängste und Sorgen der Menschen nachvollzieht. Dazu habe ihre Dissertation ein kleines Stück beitragen wollen.

Die Lupac-Stiftung

Die 1999 verstorbene Margaretha Lupac hat dem Parlament für eine gemeinnützige Stiftung insgesamt 1,5 Mio. € hinterlassen. Daraus werden seit 2004 alternierend ein Demokratie- und ein Wissenschaftspreis des Parlaments finanziert, der mit jeweils 15.000 € dotiert ist. Er kann auf bis zu drei Personen aufgeteilt werden. Ausgezeichnet werden Arbeiten, die das Verständnis für die Grundlagen, die Funktionsweise und die Grundwerte der österreichischen Republik fördern und die dazu beitragen, die Bedeutung von Toleranz im Diskurs über Fragen der Politik, Kunst und gesellschaftlichen Entwicklungen zu vermitteln. (Schluss) wz

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie im Fotoalbum auf www.parlament.gv.at.

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