Aids Hilfe Wien präsentiert den Bericht zur Antidiskriminierungsarbeit der AIDS-Hilfen Österreichs 2014

Deutlicher Anstieg von Diskriminierungsmeldungen im Bereich HIV/AIDS

Wien (OTS) - Die Anzahl der Meldungen ist im Jahr 2014 deutlich angestiegen. Bei den AIDS-Hilfen in Steiermark, Tirol, Vorarlberg und Wien sind insgesamt 37 Meldungen von 34 Personen eingegangen. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein deutlicher Anstieg. Die steigende Bereitschaft, eine Diskriminierung zu melden, unterstreicht die Wichtigkeit des Angebots.

Dazu Philipp Dirnberger, Geschäftsführer der Aids Hilfe Wien, wo die Diskriminierungs-Meldungen zusammenlaufen: „Die AIDS-Hilfen orten immer noch in vielen Bereichen eine Ungleichbehandlung von Menschen mit HIV/AIDS. Durch das systematische Erfassen von gemeldeten Diskriminierungserfahrungen wollen wir diesen Missstand sichtbar machen. Nur so können wir auch auf struktureller und politischer Ebene etwas bewegen. Menschen mit HIV/AIDS dürfen nicht ausgegrenzt werden!“

Die Aids Hilfe Wien fasst Meldungen über erlebte oder beobachtete Diskriminierungen aus ganz Österreich in einem Bericht zusammen.

Ungleichbehandlung findet auf persönlicher (z.B. einer Person mit HIV wird der Job vorenthalten), auf institutioneller (z.B. die Verweigerung einer Anstellung aufgrund unternehmensinterner Richtlinien) und auf struktureller Ebene (z.B. aufgrund politischer Rahmenbedingungen) statt.

2014 gab es 37 Meldungen von Ungleichbehandlung

Die meisten Meldungen erfolgten im Bereich der medizinischen Betreuung. In 24 Fällen kam es zu einem inadäquaten/beleidigenden Verhalten gegenüber HIV-positiven Menschen beziehungsweise zu einer Verweigerung der medizinischen Dienstleistung. Denn im medizinischen Kontext ist der Immunstatus oft bekannt. Oft kann auch mangelndes Wissen der Grund für Vorbehalte gegenüber Menschen mit HIV/AIDS sein. Im Jahr 2014 kam es auch bei Versicherungen, öffentlichen Institutionen und im Berufsleben zu Benachteiligungen von HIV-positiven Menschen. Die Diskriminierungen äußerten sich in Beleidigungen oder der Verweigerung von beziehungsweise dem erschwerten Zugang zu Ansprüchen und Dienstleistungen.

AIDS-Hilfen Österreichs beraten anonym und kostenlos

Menschen mit HIV/AIDS, die eine Ungleichbehandlung erleben oder Menschen, die eine Benachteiligung beobachten haben, können seit 2013 bei den sieben AIDS-Hilfen in Österreich ihr Anliegen vorbringen. Die Meldung kann elektronisch, telefonisch oder persönlich erfolgen. Die Aids Hilfe Wien dokumentiert auf nationaler Ebene die Fälle von Diskriminierung in Zusammenhang mit HIV und verfasst einen jährlichen Bericht Die AIDS-Hilfen Österreichs führen Beratungen durch, in deren Rahmen sich Menschen mit HIV/AIDS über ihre Rechte im Allgemeinen sowie das Antidiskriminierungsrecht im Speziellen informieren können. Diese Beratungen sind anonym und kostenlos. Im Falle einer Ungleichbehandlung bieten die ExpertInnen der AIDS-Hilfen Unterstützung auf verschiedenen Ebenen an: so zum Beispiel diskriminierende Personen/Einrichtungen zu informieren, zwischen den Beteiligten zu vermitteln und auch Menschen mit HIV/AIDS zu begleiten, wenn diese eine Schlichtung beim Bundessozialamt einreichen oder - als letzte Option - rechtliche Schritte setzen.

Positionspapier zu HIV und Strafrecht

Mit einem Positionspapier an das Bundesministerium für Justiz nahmen die AIDS-Hilfen Österreichs 2014 ebenfalls ihre Funktion als anwaltschaftliche Vertretung von Menschen mit HIV/AIDS wahr. Das Ministerium wurde aufgefordert in Anlehnung an Vorgaben von UNAIDS eine zeitgemäße Strafrechtsreform einzuleiten. Österreich liegt weltweit im Spitzenfeld jener Länder, in denen Menschen mit HIV aufgrund ihrer Infektion strafrechtlich verfolgt werden. Der österreichische Gesetzgeber sieht eine Gefährdung der SexualpartnerInnen beziehungsweise der Allgemeinheit, selbst wenn es zu keiner Übertragung des HI-Virus kommt. Diese strafrechtliche Verfolgung von Menschen mit HIV/AIDS zum Schutz der öffentlichen Gesundheit ist nach heutigem Stand des Wissens nicht gerechtfertigt und schadet nachweislich der Präventionsarbeit. Nach Ansicht der AIDS-Hilfen Österreichs stellt die Kriminalisierung von Menschen mit HIV/AIDS eine massive Form der strukturellen Diskriminierung dar.

Weiterführende Links:

Zu HIV und Kriminalisierung http://www.hivjustice.net/oslo/ http://www.unaids.org/
http://www.aids.at/

Rückfragen & Kontakt:

Aids Hilfe Wien
Juliana Metyko-Papousek, BA
+43(0)1/59937-82 /
metyko@aids-hilfe-wien.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AHW0001