Verband Wiener Wohnungslosenhilfe sieht großen wohnpolitischen Handlungsbedarf

Erster Situationsbericht zeigt Lösungsansätze auf

Wien (OTS) - Der Verband Wiener Wohnungslosenhilfe (VWWH) präsentierte heute bei einer Pressekonferenz seinen Bericht zur Situation der Wohnungslosenhilfe in Wien. Zentraler Punkt des Berichts ist die Forderung nach mehr leistbaren Wohnungen. „In der Wohnungslosenhilfe merken wir seit Jahren, dass sich unsere Klient_innen immer seltener Wohnungen am freien Markt leisten können und dass immer mehr Menschen von Wohnungsverlust bedroht sind“, sagt Walter Kiss, Vorsitzender des Verbands. „Von den geförderten Wohnungen und der regulären Gemeindebauvergabe sind leider viele wohnungslose Menschen ausgeschlossen. Wir sehen Handlungsbedarf bei den Unterstützungsleistungen, dem Mietrecht und natürlich der Bautätigkeit.“ Im Bericht beschäftigt sich der Verband zudem mit den Themen Armut, Delogierungsprävention und dem Winterpaket der Stadt Wien.

Zentrales Problem in Wien ist, dass sich viele Wiener_innen die eigene Wohnung nicht mehr leisten können. „Wohnen ist zu teuer“, sagt Waltraud Kothbauer, Vorstandsmitglied des Verbands. Der Verband Wiener Wohnungslosenhilfe fordert mehr Initiativen für die Errichtung von leistbarem Wohnraum. Positiv wird das SMART-Wohnungsprogramm hervorgehoben, das die Stadt Wien schon vor einigen Jahren auf den Weg gebracht hat. Auch die Pläne für neue Gemeindewohnungen sieht der Verband positiv: „Bei Gemeindewohnungen kann die Leistbarkeit gewährleistet werden“, meint Kothbauer.

Bei der Vergabe von geförderten Wohnungen kritisiert der Verband, dass die Stadt zu wenige Wohnungen selbst vergibt. „Zig Millionen Euro investiert die Stadt Wien jedes Jahr in gemeinnützige Bauträger. Aber sie vergibt nur 30 Prozent der gebauten Wohnungen selbst“, so Kothbauer. Aus Sicht der Wohnungslosenhilfe müsste die Stadt Wien zumindest 50 Prozent der geförderten Wohnungen selbst vergeben. Kothbauer: „Hier fordern wir konkrete gesetzliche Maßnahmen.“ In der Vergabe bringt der Verband Wiener Wohnungslosenhilfe ein weiteres Thema auf: „Die Dringlichkeit des Wohnbedarfs wird zu wenig berücksichtigt“, meint Kothbauer weiter. Man müsse hier ein Modell finden, das Notsituationen wie Wohnungslosigkeit stärker gewichtet. Sehr gut vorstellbar aus Sicht des Verbands ist hier ein Punktesystem mit einzelnen Kriterien, das die Wohnungssuchenden je nach individueller Situation vorreiht.

Die Wohnungslosenhilfe sieht noch ein weiteres gravierendes Problem in Wien. Vorstandsmitglied Gernot Ecker: „Wir haben zu wenige Wohnungen für unsere Klient_innen.“ Die Wohnungen, in die die Klient_innen nach ihrem Aufenthalt in der Wohnungslosenhilfe ziehen, sind momentan zu 85 Prozent Gemeindewohnungen. Aus Sicht des Verbands muss es eine Lockerung der Zugangskriterien zum geförderten Wohnbau geben. „Wir wollen, dass mindestens 20 Prozent der geförderten Wohnungen für wohnungslose Menschen zur Verfügung gestellt werden. Immerhin fehlen uns pro Jahr rund 700 Wohnungen“, sagt Ecker. Er fordert die Stadt auf hier schnell zu handeln, denn: „Die Situation wird von Jahr zu Jahr schwieriger.“

Der Verband begrüßt die Bemühungen um die Reintegration der Menschen nach dem Wohnungsverlust, betont aber, dass es wesentlich kostengünstiger für die Wiener Wohnungslosenhilfe und vor allem sinnvoller für die betroffenen Menschen wäre, die Wohnungslosigkeit präventiv zu verhindern. „Die Ressourcen für die Delogierungsprävention müssen daher aufgestockt werden, damit die in der Wohnungslosenhilfe tätigen Vereine ihre Angebote in diesem Bereich dem realen Bedarf in Wien anpassen können“, so Ecker.

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