Berlakovich: Erhalt der Sprache ist identitätsstiftend für Österreichs Volksgruppen

ORF soll Sendungen in Volksgruppensprachen ausbauen

Wien (OTS) - „70 Jahre nach Kriegsende und 60 Jahre nach Abschluss des Staatsvertrages haben Österreichs Volksgruppen die volle Anerkennung auf allen staatlichen Ebenen – und sind dennoch ernsthafter denn je in ihrer Existenz bedroht – einfach weil ihre jeweiligen Sprachen immer mehr an Bedeutung zu verlieren drohen“, erklärte ÖVP-Volksgruppensprecher Nikolaus Berlakovich heute, Dienstag, im Rahmen der Budgetdebatte im Nationalrat.

Die Volksgruppen könnten zurecht stolz auf das Erreichte sein, so Berlakovich, denn abgesehen von der juristischen Anerkennung der Volksgruppen-Rechte, gäbe es auch im alltäglichen Leben keinerlei Friktionen im Zusammenleben zwischen Volksgruppen und Mehrheitsbevölkerung. Selbst das leidige Thema Ortstafeln sei mittlerweile in allseitigem Einverständnis geregelt.

Allerdings, so der ÖVP-Volksgruppensprecher brauche eine lebendige Volksgruppe auch ihre identitätsstiftende Sprache. Um diese lebendig zu halten, reichten finanzielle Förderungen nicht aus, es brauche vielmehr aktive Anwendungsfelder im öffentlichen Leben.

Berlakovich forderte in diesem Zusammenhang die rasche Einführung von Verwaltungsformularen in kroatischer, ungarischer und slowenischer Sprache. Die entsprechenden Verordnungsentwürfe lägen seit Monaten fertig beim zuständigen Minister. Warum diese nicht längst realisiert wurden, sei völlig unverständlich.

Die ungewollte Wartefrist könne allerdings auch für eine Verbesserung der sprachlichen „Formular-Verordnung“ genützt werden. Denn noch besser als amtliche Formulare in den einzelnen Volksgruppensprachen wären einheitliche Formulare, auf denen alle Sprachen nebeneinander berücksichtigt sind. „Das wäre eine Vereinfachung und hätte auch einen Lerneffekt, weil damit automatisch bestimmte Begriffe beim Benützen eines Formulars auch aus anderen Sprachen mitgelernt werden“, so Berlakovich wörtlich.

Auch die Medien und insbesondere der ORF hätten viel Verantwortung, meint der VP-Abgeordnete. Auch wenn im Vorjahr 25 Jahre Dobar dan Hrvati und 25 Jahre Dobar dan Koroska, und heuer 25 Jahre Adj‘ Isten magyarok zu Recht gefeiert wurde, das mediale Angebot müsse ausgebaut werden. Der eigens als Doku- und Kultursender eingerichtete ORF III böte die besten Möglichkeiten, um mit einem einschlägigen sprachlichen Angebot Kroatisch, Slowenisch, Ungarisch, Tschechisch, Slowakisch und Romanes zu fördern, so Berlakovich.

Der das Burgenland im Nationalrat vertretende Berlakovich gedachte schließlich auch noch der schrecklichen Ereignisse vor 20 Jahren in Oberwart und in Stinatz. Das sei eines der dunkelsten Kapitel der jüngeren Geschichte Österreichs. Dies müsse ständige Mahnung sein, jeder Form von Extremismus, Rassismus und Hetze entschieden entgegen zu treten und Toleranz und Menschenwürde zu verteidigen.
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