Nachwuchs-Mediziner: Attraktivität des Berufes sinkt

Ärztekammer sieht zwei Lösungsansätze

Wien (OTS) - Österreichs Spitälern fehlt der ärztliche Nachwuchs – und das liegt weniger an mangelndem Interesse am Medizinstudium als an der hohen Drop-Out-Quote. Die Anzahl jener Absolventen, die entweder nie in den Beruf einsteigen oder kurz danach wieder aussteigen, steigt von Jahrgang zu Jahrgang: Im Oktober 2014 waren 31,9 Prozent der Absolventen des Jahrganges 2005/2006 nicht mehr in Österreich medizinisch tätig, beim Absolventenjahrgang 2011/2012 haben sich bereits 36,3% für eine andere Karriere entschieden. Von den 1.569 Absolventen des Jahrgangs 2005/2006 waren im Oktober 2014 noch 1.069 ärztlich tätig, von 1.413 Absolventen des Jahrgangs 2011/2012 waren es zum selben Stichtag nur 900.

Frühzeitig Perspektiven aufzeigen

Harald Mayer, Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), am Dienstag in einer Aussendung: „Diese Entwicklung zeigt klar: Wenn man dem Ärztemangel entgegenwirken will, gilt es, zwei Ansätze zu verfolgen. Einerseits muss man den Medizinstudierenden und den Absolventen frühzeitig Perspektiven aufzeigen. Den Studierenden von heute muss glaubhaft vermittelt werden: Auf euch wartet ein spannender, anspruchsvoller und hoch attraktiver Beruf!“

Qualität der Ausbildung verbessern

Andererseits müsse man die jungen Kolleginnen und Kollegen bei der Stange halten. Ein wichtiger Punkt sei hier die Qualität der Ausbildung. Ein großes Problem sei nach wie vor, dass die Ausbildung nicht jenen Stellenwert einnehme, der ihr zustehe: „Das Lernen kommt aufgrund des Personalmangels und der Verpflichtung, viele administrative und System erhaltende Tätigkeiten zu übernehmen, oft zu kurz“, kritisiert Karlheinz Kornhäusl, stv. Bundeskurienobmann und Obmann der Bundessektion Turnusärzte.

Mit einer breiten Ausbildungs-Evaluierung will die Ärztekammer hier die Basis für Verbesserungsmaßnahmen schaffen: Bereits seit 2011 läuft sehr erfolgreich eine österreichweite kontinuierliche Evaluierung der Ausbildung zur Allgemeinmedizin. Derzeit wird zusätzlich eine Fachärzte-Ausbildungsevaluierung durchgeführt, zu der alle Ärztinnen und Ärzte, die gerade eine Ausbildung in einem medizinischen Sonderfach absolvieren, eingeladen sind. „Von den Ergebnissen dieser Befragung erwarten wir uns konkrete Hinweise, wo die Spitalsträger ansetzen müssen, wenn sie erreichen wollen, dass die jungen Kolleginnen und Kollegen nicht nach kurzer Zeit das Handtuch werfen“, sagt Mayer. (ssa)

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