Kardinal Schönborn bei Podiumsdiskussion des Dialogzentrums KAICIID: „Religion ohne Verantwortung ist nicht vorstellbar“

Wien (OTS) - In seiner Eröffnungsrede zum Auftakt der Podiumsdiskussion „Nostra Aetate: interreligiöse Beziehungen 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil“ am 19. November im internationalen Dialogzentrum KAICIID betonte Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof von Wien, das Potenzial des interreligiösen Dialogs zur Friedensförderung: „In vielen Religionen glauben wir, dass wir uns nach dem irdischen Leben für unser menschliches Dasein und unsere Taten rechtfertigen müssen. Es gibt keine Religion ohne Verantwortung.“

„Es geht nicht darum, welcher Religion man angehört, sondern um die Fragen: Was hast Du für die Gerechtigkeit in dieser Welt getan? Für die Hungrigen? Die Flüchtlinge? Die Armen, die Bedürftigen? Was hast Du für den Planeten Erde getan? Es geht um Verantwortung, die wir alle übernehmen müssen. Wir müssen nicht nur miteinander reden, sondern unseren Worten auch Taten folgen lassen“, so Schönborn.

An der anschließenden Gruppendiskussion nahmen sowohl Vertreter österreichischer Religionsgemeinschaften als auch Vorstandsmitglieder des KAICIID teil. Während der Veranstaltung nahm Kardinal Schönborn auch Bezug auf die jüngsten Anschläge in Paris, Beirut, Afrika und Asien. „Gewalt ist der falsche Weg“, so der Kardinal. „Die Menschheit ist eine große Familie. Aus diesem Grund ist die Bereitschaft zum Dialog eine absolute Notwendigkeit. Um zusammen leben zu können, müssen wir auch miteinander reden.“

Seine Eminenz erläuterte drei Hauptargumente der Nostra Aetate Erklärung, die die Bedeutung des interreligiösen Dialogs unterstreichen: Wir alle leben in einer gemeinsamen Welt und die gesamte Menschheit ist eine große Familie. Der Funke des Himmlischen lebt in uns allen. Wir alle tragen die Verantwortung für unser gemeinsames Wohl. Diese drei Gründe unterstreichen die Notwendigkeit des KAICIID, sich weiterhin um Stärkung des interreligiösen Dialogs zu bemühen.

KAICIID Generalsekretär Faisal Bin Muaammar bezeichnete die Nostra Aetate Erklärung als Meilenstein, der die Beziehung zwischen der romanisch-katholischen Kirche und anderen Religionen neu definiert. „Die Erklärung ist eine Errungenschaft, die Anerkennung verdient. Viele der heutigen Herausforderungen können wir mithilfe des interreligiösen Dialogs lösen.“

„Ohne die religiösen Führer und Gemeinschaften ist der globale Dialog unvollständig. Wir müssen die Weisheit der Geistlichen einbeziehen, wenn wir die friedenstiftende Rolle des Dialogs vorantreiben wollen“, so der Generalsekretär. Das Zentrum als Ort des Dialogs und der Zusammenarbeit stütze sich auf der Vision zweier geistlicher, wie der Generalsekretär weiter erklärte: dem späten Hüter der zwei heiligen Moscheen, König Abdallah bin Abdul Aziz, und seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI.

„Es war König Abdallah´s Vision, den interreligiösen und interkulturellen Austausch zwischen den Gläubigen verschiedener Religionen und Traditionen einzuführen, um das friedliche Zusammenleben zu verbessern. Das KAICIID versucht Brücken auf der ganzen Welt zu bauen, gestützt auf der Vision von King Abdallah und mit der Unterstützung der Mitgliedsstaaten sowie des Bischofs.

Im Laufe der Podiumsdiskussion erläuterten die Teilnehmer ihre ökumenischen Sichtweisen der Erklärung und die Auswirkung auf die Abrahamitische Religionen sowie die Zukunft des interreligiösen Dialogs. Unter den multireligiösen Diskutanten waren unter anderem KAICIID Vorstandsmitglieder Pater Miguel Ayuso, Swami Agnivesh, seine Eminenz Metropolit Emmanuel, Dr. Seyyed Ata’ollah Mohajerani, Reverend Kosho Niwano, Reverend Mark Poulson, Oberrabbiner David Rosen und Dr. Mohammad Sammak. Unter den Teilnehmern waren: Bhai Sahib Mohinder, Singh mukhi-Sewadar des Gurus Nanak Nishkam Sewak, Prof. Ingeborg Gabriel, Leiterin des Instituts für soziale Ethik der Universität Wien und Prof. Susanne Heine vom Institut für praktische Theologie und Psychologie der Religionen Universität Wien.

Alle Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren sich über die hohe Relevanz der Nostra Aetate einig. Die Notwendigkeit des fortlaufenden Dialogs und der interreligiösen Zusammenarbeit wurde betont. Die Teilnehmer sehen den interreligiösen Dialog als einzige Möglichkeit, Frieden herzustellen, gerade in Zeiten wie diesen, wo Gewalt im Namen der Religion immer häufiger wird. Nach den terroristischen Anschlägen in Paris ruft der KAICIID Vorstand zu Solidarität auf.

Über Nostra Aetate

Nostra Aetate („In unserer Zeit“ auf lateinisch) ist die Erklärung der Beziehung der Kirche mit nicht-christlichen Religionen, kundgetan von seiner Heiligkeit Papst Paul VI. am 28.Oktober 1965. Es wurde während des Zweiten Vatikanischen Konzils in den Jahren 1962-1965 von einer Bischofsversammlung verabschiedet. Schon damals hatte Nostra Aetate einen enormen Wert im Dialog zwischen dem Judentum und der katholischen Kirche sowie zwischen dem Vatikan und anderen Religionen.

Über KAICIID

Das Internationale Dialogzentrum (KAICIID) ist eine staatenübergreifende Organisation mit Sitz in Wien, deren Aufgabe darin besteht, den Dialog zwischen Politikern und religiösen Führern zur Konfliktvermeidung und Konfliktlösung zu fördern, sowie das gegenseitige Verständnis und die Kooperation zwischen Leuten unterschiedlicher Kulturen und Religionen zu verbessern. Die Aktivitäten des Zentrums im interreligiösen Dialog helfen dabei Feindseligkeiten zu überwinden, die Bildung von Stereotypen zu vermeiden und den gegenseitigen Respekt zwischen unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften herzustellen. Mitglieder des Zentrums sind Österreich, Saudi Arabien und Spanien. Der Heilige Stuhl ist als beobachtendes Gründungsmitglied zugelassen. Das neunköpfige Direktorium des Dialogzentrums besteht aus hochrangigen Vertretern der fünf großen Weltreligionen. Das Direktorium entwirft und überwacht die Programme des Zentrums.

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