Wiener Tierschutzverein: Wie lange werden Freizeitjäger noch von Behörden geschützt?

Jägerschaft selbst prangert Gatterjadgen bereits an. WTV-Präsidentin Petrovic: „Wie lange wird der Kniefall vor den prominenten Freizeitjägern noch andauern?“

Vösendorf (OTS) - Die Diskussion rund um Treib-, Gatter- und Hetzjagden reißt nicht ab. Auch in der Jägerschaft selbst regt sich längst Widerstand gegen diese brutalen und unethischen Praktiken. Ein Umstand, den der Wiener Tierschutzverein (WTV) sehr begrüßt. „Es freut uns sehr, dass die Debatte über ethische Leitlinien der Jagd innerhalb der Jägerinnen und Jäger in Gang gekommen ist. Immerhin waren es auch redliche Jäger, welche die diesbezüglichen Umtriebe der Herren Mensdorff-Pouilly und Josef Pröll angezeigt haben“, sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic. Dies zeige klar, dass das Gros der Jägerschaft mit den Massakern in den Jagdgattern nichts mehr zu tun haben möchte. „Das Abschlachten, Verwunden und Massakrieren von eingekesselten Tieren in Panik, der Blutrausch und auch das hohe Risiko für Treiber stehen in krassem Widerspruch mit den Intentionen des Jagdrechts“, so Petrovic.

Der WTV kämpft seit Jahren darum, dass die besonders grausamen Auswüchse der Jagd (Gatterjagden, Lebendköder, Hetz- und Treibjagden, usw.) verboten und geächtet werden und für alle Wildtiere Schonzeiten eingeführt werden. „Zudem sollte während der Jagd absolutes Alkoholverbot gelten“, so Petrovic. Freizeitjägerei beziehungsweise das wahllose Töten von in Gattern eingesperrten Tieren, die stundenlang in Panik versuchen, dem Tod zu entrinnen, sei ökologisch verheerend, mit den eigentlichen Aufgaben von Jägerinnen und Jägern nicht vereinbar und zerstöre die heimischen Wälder so die Präsidentin weiter. So werden etwa Wildschweine in den Gattern gemästet und deren Vermehrung massiv unterstützt. Feldhasen, Rebhühner oder Fasane werden in Massen im benachbarten Ausland und auch in Österreich gezüchtet, in kleinsten Kisten zum Jagdort gebracht und den zahlungskräftigen Jagdgästen vor die Flinten getrieben. Die im Gesetz vorgeschriebenen Wartezeiten existieren laut Petrovic nur theoretisch, Kontrollen gibt es kaum, ebenso wenig wie die Eigenkontrolle der Jagdverantwortlichen selbst. „Niemand prüft nach Gatterjagden, wie viele Tiere sich verletzt und leidend umherschleppen, niemand kontrolliert, ob auch geschützte Tiere, Muttertiere und desorientierte Zuchttiere den Massakern zum Opfer fallen. In den Jagdgattern finden regelrechte Massaker statt. Von Hege und ökologischem Gleichgewicht keine Rede“, so Petrovic.

Gerade im NÖ-Jagdrecht ortet Petrovic aber darüber hinaus Verfassungswidrigkeiten. „Das niederösterreichische Jagdgesetz ist zum Teil verfassungswidrig. Das Jagdrecht legitimiert das jagdliche Töten von Wildtieren, nicht aber Tierquälereien. Das Bundestierschutzgesetz verbietet das grundlose Töten von Tieren. Grundlos ist jedes Töten, das weder im Rahmen des Schlachtens von Nutztieren, der Euthanasie von schwer kranken und leidenden Haustieren oder eben der weidgerechten Ausübung des Jagdrechtes geschieht. Das Jagdrecht kann niemals reine Tierquälereien legitimieren. Das widerspricht dem Bundestierschutzgesetz und sogar den jagdrechtlichen Bestimmungen. Gatterjagden sind praktisch nur noch in Ostösterreich geduldet, meist in Niederösterreich, obwohl sogar das niederösterreichische Jagdgesetz sehr klar den Gedanken der Hege voranstellt“, so Petrovic. Dass in Niederösterreich auch Muttertiere, die Babys zu versorgen haben, abgeschossen werden dürfen, sei überdies nicht nur unfassbar brutal, sondern ebenfalls verfassungswidrig.

Ende des Kniefalls

Daher fordert Petrovic endlich Maßnahmen zum Verbot dieser grausamen Praktiken. „Der rechtliche Befund ist klar. Dennoch schützen die Behörden die Gatterjäger sowie deren rechtswidrige Praktiken und scheuen nicht einmal davor zurück, in Verfassungsrechte wie die Vereins- und Versammlungsfreiheit einzugreifen. Die österreichische Tierschutzbewegung ist fassungslos, wie lange der Kniefall vor den prominenten Gatterjägern noch andauern wird. Warum gibt es keine Kontrollen? Warum werden die rechtswidrigen und brutalen Gatter-Massaker abgeschirmt? Warum machen die Regierenden Leuten wie einem schillernden Jagd-Profiteur Mensdorff-Pouilly die Mauer? Wir verlangen Antworten, Kurskorrekturen und die Rückkehr des Rechtsstaats - auch und gerade in Sachen Jagdrecht“, so Petrovic. Daher hat die WTV-Präsidentin zu diesem aktuellen Thema ein Schreiben verfasst, welches an die zuständigen Regierungsmitglieder gesandt wird.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. (FH) Oliver Bayer
Öffentlichkeitsarbeit

Wiener Tierschutzverein
Triester Straße 8
2331 Vösendorf

Mobil: 0699/ 16 60 40 66
Telefon: 01/699 24 50 - 16
oliver.bayer@wiener-tierschutzverein.org
www.wiener-tierschutzverein.org

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | WTV0001