TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Gleiche Chancen sehen anders aus", von Liane Pircher, Ausgabe vom 22. November 2015

Wenn es so kommt wie in der Bildungsreform angedacht, rudert Innsbruck weiter um jeden Platz im Gymnasium.

Innsbruck (OTS) - Wenn es wirklich bei den mageren 15 Prozent Gesamtschule bleibt, braucht
es für Innsbruck eine andere, neue Lösung.

Die flächendeckende Umsetzung für die gemeinsame Schule ist unmöglich. Das Gymnasium bleibt. Da können sich Verantwortliche noch so sehr darauf hinausreden, dass 15 Prozent aller Standorte eines Bundeslandes zu Modellregionen verschmelzen können. 85 Prozent bleiben wie gehabt – NMS neben Gymnasien. An diesem Plan tragen die Länder auch selber Schuld: Deren Interesse an einer „echten“ Umsetzung ist verschwindend, nachdem der Bund darauf besteht, dass die Länder ihre Modellregionen selber finanzieren. 15 Prozent sind eben günstiger als 100 Prozent. LH Platter, der als Ländervertreter am Verhandlungstisch saß, müsste sich in der neuen Situation eigentlich zum Nachsitzen anstellen: Schließlich weiß er, dass in Innsbruck bildungstechnisch weitergerudert werden muss. Und zwar irgendwie. Wer kann, wechselt ins Gymnasium. Weiterhin. Wer dort keinen Platz bekommt, hat Pech.
Hier politisch von „Chancengleichheit“ und „Wir lassen kein Kind zurück“ zu hören, ist Zynismus. Fakt ist, dass neue PR-Maßnahmen für die Neuen Mittelschulen im städtischen Raum nichts bringen werden, solange die Bevölkerung nicht das Gefühl verliert, das Kind habe nur dann die besten Zukunftschancen, wenn es ins Gymnasium kommt. Wenn schon der Wille zur konsequent umgesetzten Gesamtschule fehlt, dann bitteschön zumindest a) mehr Gym-Plätze, die von Bund und Land realisiert werden, und/oder b) kompetenzorientierte Aufnahmeprüfungen fürs Gymnasium in Innsbruck. In den Tälern ist die Lage anders und entspannter. Aber in der Landeshauptstadt brennt bildungspolitisch der Hut. Auch wenn Innsbruck nichts dafür kann, dass sich die Reformkommission in Sachen Bildung mit einem knappen Genügend zufrieden gibt.

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