ORF III am Wochenende: „Österreich II“ und Südtirol-Konflikt in der „zeit.geschichte“, „Faust“ in „Erlebnis Bühne“

Außerdem: „Geburtstagskonzert: 125 Jahre Royal Concertgebouw Orchestra“, „Mit besten Empfehlungen“ zum 85er von Karl Merkatz u. v. m.

Wien (OTS) - Einen „zeit.geschichte“-Abend über die wechselvolle Geschichte Südtirols präsentiert ORF III Kultur und Information am Samstag, dem 21. November 2015. Zu Beginn führt die 29. Folge von Hugo Portischs Dokumentarreihe „Österreich II“ unter dem Titel „Österreich und der Kalte Krieg“ (20.15 Uhr) zurück in die Zeit unmittelbar nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch die Truppen des Warschauer Paktes. Marschall Tito warnte vor dem Durchmarsch der Truppen durch Österreich, da er mit einem Angriff auf Jugoslawien rechnete. Ein General des sowjetischen Planungsstabes bestätigte im „Österreich II“-Interview erstmals, dass die Armee „im Falle eines Angriffs der NATO“ den Durchmarsch tatsächlich vorbereitet hatte – dabei wären auch Atomwaffen zum Einsatz gekommen. Doch auch der andauernde Konflikt um Südtirol nimmt in jenen Jahren blutige Formen an. Die Politik ist an einer Lösung interessiert und vereinbart die weitgehende Autonomie für Südtirol.
Mit einem berühmten Südtiroler, der das Genre Bergfilm in der Zwischenkriegszeit prägte, geht es danach weiter: „Luis Trenker – Ein Mann und seine Legenden“ (21.45 Uhr) porträtiert jenen Filmemacher, der Massen ins Kino lockte, in Hitler und Mussolini begeisterte Bewunderer fand, der sich selbst aber nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Regimegegner positionierte.
In der Dokumentation „Heimat Südtirol – Kanonikus Michael Gamper“ (22.40 Uhr) erinnert Regisseur Renzo Carbonera anschließend an eine Symbolfigur im Kampf um die Interessen Südtirols. In Anbetracht der Italianisierung der Region nach dem Ersten Weltkrieg bemühte sich der Bozener Geistliche um den Schutz der Kultur und der Sprache seiner Heimat.
Eine Einigung zwischen den Nationalsozialisten und den italienischen Faschisten stellte die Südtiroler vor die Entscheidung, ob sie die italienische Staatsbürgerschaft annehmen oder ins Deutsche Reich emigrieren wollten. So hinterließ der Krieg tiefe Gräben in der Bevölkerung des umkämpften Gebiets. Am 11. Juni 1961 erschütterte eine Serie von Bombenanschlägen Südtirol. Mit Gewaltakten wollte man auf die Unterdrückung der deutschsprachigen Tiroler durch die italienische Politik aufmerksam machen. Ein halbes Jahrhundert nach der Anschlagserie, die mehr als 20 Todesopfer forderte, sprechen Täter, italienische Carabinieri und Politiker über „Die Feuernacht – Österreich und die Südtirol-Bomben“ (23.40 Uhr).

Am Sonntag, dem 22. November 2015, präsentiert ORF III das von Mariss Jansons geleitete „Geburtstagskonzert: 125 Jahre Royal Concertgebouw Orchestra“ (11.50 Uhr) in der holländischen Hauptstadt im Jahr 2013. Als Ausklang des ORF-Schwerpunkts zum 85. Geburtstag von Karl Merkatz zeigt ORF III im Rahmen von „Theater & Fernsehlegenden“ Hans Schuberts Lustspiel „Mit besten Empfehlungen“ (14.10 Uhr). In Dietmar Pflegerls Inszenierung bei den Kammerspielen 1990 wird Merkatz als Lohnbuchhalter Josef Pötzl unerwartet und fälschlicherweise zum Protektionskind seiner Vorgesetzten.
In „Operette sich wer kann“ ringen danach Verdis impulsive Protagonisten in „Un ballo in maschera – Ein Maskenball“ (16.25 Uhr) mit Leben, Liebe, Betrug und Tod. Die Inszenierung aus der Arena di Verona im Jahr 2014 steht unter der musikalischen Leitung von Andrea Battistoni, Regie führt Pier Luigi Pizzi.
„Bad Boys – Bryn Terfels Bösewichte“ (18.50 Uhr) nennt der walisische Bassbariton sein diabolisches Programm, in dem er unter dem Dirigat von Gareth Jones einige der dunkelsten Gestalten der Opernwelt versammelt: einen mörderischen Friseur (in Stephen Sondheims „Sweeney Todd“), gleich zweimal Satan höchstpersönlich (in Charles Gounods „Faust“ und Arrigo Boitos „Mefistofele“) sowie einen großspurigen Drogendealer (in George Gershwins „Porgy and Bess“).
Im Hauptabend präsentiert Barbara Rett in „Erlebnis Bühne“ eine Inszenierung von Gounods melodramatischer Oper „Faust“ (20.15 Uhr) an der New Yorker Met aus dem Jahr 2011. Im Regiedebüt von Des McAnuff, das in der Zwischenkriegszeit angesiedelt ist, ist Faust kein alter Mann, sondern ein Wissenschafter mittleren Alters, in dessen Labor gerade fieberhaft an der Atombombe gebastelt wird. Das strenge Bühnenbild erlaubt dem hochkarätigen Sängerensemble rund um Jonas Kaufmann als Faust, René Pape als Méphistophélès und Marina Poplavskaya als Marguerite, sich in Szene zu setzen. Es dirigiert Yannick Nézet-Séguin.

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