Greenpeace zum HCB-Jahrestag: Viel am Laufen, Deponieproblem akut

Donau Chemie muss alle ökologisch inakzeptablen Deponie-Lösungen ausschließen

Klagenfurt/Wien (OTS) - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat den bevorstehenden Jahrestag des Bekanntwerdens des HCB-Skandals zum Anlass genommen, um Zwischenbilanz zu ziehen: Während in den letzten Monaten zahlreiche Maßnahmen seitens der Politik zur Verhinderung weiterer Umweltskandale in die Wege geleitet worden sind, stellt die Sanierung der Giftmülldeponie in Brückl die Hauptsorge der UmweltschützerInnen dar. Gestern kündigte das Land Kärnten an, dass das Ausschreibungsverfahren für die Entsorgung des HCB-Blaukalks demnächst starten wird. In diesem Zusammenhang fordert Greenpeace von der Donau Chemie, nicht nachhaltige Varianten wie eine Deponierung gemeinsam mit anderen Abfällen oder eine Einhausung generell auszuschließen.

„Das Giftmüllproblem ist für uns mit der Ankündigung der Ausschreibung noch nicht gelöst. Es sind keine Informationen bekannt, was und wie genau ausgeschrieben werden soll. Solange nicht klar ist, dass die Donau Chemie nur ökologisch nachhaltige Varianten erlaubt, bleibt für uns das Deponieproblem ein akutes“, sagte Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster. Die beste Lösung für die Deponie ist aus Sicht von Greenpeace nach wie vor jene, bei der das HCB nachweislich zerstört bzw. verbrannt wird. „Auf keinen Fall kommen für uns eine Deponierung gemeinsam mit anderen Abfällen oder eine bloße Einhausung vor Ort in Frage“, stellt Schuster unmissverständlich klar. Die Donau Chemie hat diese beiden Varianten – im Gegensatz zur Variante, eine neue Giftmüllverbrennungsanlage in Brückl zu errichten – bisher nicht ausgeschlossen.

Ähnlich sieht dies auch der Deponieexperte em.o. Univ.-Prof. Karl Lorber von der Montanuniversität Leoben: „In einem ersten Schritt müssen engmaschige chemische Abfall-Analysen durchgeführt werden, um stark kontaminierte Teile von weniger stark kontaminierten unterscheiden zu können. Danach gilt es, die 140.000 Tonnen Kalkschlamm nachhaltig zu entsorgen: weniger kontaminierte Teile durch thermische Verwertung in einem nachgerüsteten Zementwerk und höherkontaminierte Abfälle in einer Sonderabfallverbrennungsanlage.“ Lorber betont: „Entscheidend ist, dass die Anlagen für die Verwertung ausreichend gerüstet sind. Nur so können die Abfälle sicher und ohne Folgeschäden entsorgt werden.“

Im Gegensatz zur Frage der Deponie zeigt sich Greenpeace überwiegend zufrieden mit den in der letzten Zeit in die Wege geleiteten politischen Maßnahmen. Besonders begrüßt Greenpeace die Fortschritte des Gesundheitsministeriums und der AGES zu den Themen Risikobewertung, Grenzwerte und Einführung von Aktionswerten. Letztere sind Messwerte, die unterhalb des Grenzwertes liegen, deren Erreichen aber die Behörden zur Ursachenforschung verpflichtet. „Wichtig ist, dass bei all diesen Themen auch andere Umweltgifte als HCB mitgedacht und so neue Umweltskandale in Österreich vermieden werden“, sagte Schuster.

Auch das gestern von der Kärntner Landesregierung vorgestellte Maßnahmenpaket beinhaltet wichtige Punkte wie verbesserte Unternehmenskontrollen, optimierte Monitoring-Programme und intensivere Zusammenarbeit der verschiedenen Behörden. „Besonders wichtig für uns ist, dass weiterhin umfassende HCB-Analysen von Fleisch und Milch durchgeführt werden, damit die Bevölkerung im Görtschitztal ausreichend geschützt wird“, sagte Schuster in Richtung des Landes Kärnten. Weiters fordert er eine Unterstützung für die Direktvermarkter ein. Dazu zählt die von Greenpeace schon vor längerem vorgeschlagene Positivauszeichnung für Produkte, die den strengen Richtwerten der medizinischen Universität Wien entsprechen.

Weitere Informationen:

Chronologie der Ereignisse des HCB-Skandals von November 2015 bis zum heutigen Datum:
http://bit.ly/1LnSJOs

Forderungen von Greenpeace an die Politik zur Vermeidung zukünftiger Umweltkatastrophen:
http://bit.ly/1HarEU4

Richtlinien zur Neuausschreibung der HCB-Blaukalk-Verwertung:
http://bit.ly/1SGZhgt

Blaukalk-Verwertung einfach erklärt:
http://bit.ly/1l7g15R

Rückfragen & Kontakt:

Herwig Schuster
Chemiker
Greenpeace CEE in Österreich
Tel.:+43 (0)664 431 92 14
E-Mail: herwig.schuster@greenpeace.org

Kristina Schubert-Zsilavecz
Pressesprecherin
Greenpeace CEE in Österreich
Tel.:+43 (0)664 61 03 998
E-Mail: kristina.schubert-zsilavecz@greenpeace.org

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