Presserat: Flüchtlingsbilder im richtigen Kontext veröffentlichen

Wien (OTS) - Im Zuge der Berichterstattung über die Flüchtlingsthematik wurden Anfang September in mehreren Medien Bilder einer Flüchtlingsfamilie im ungarischen Bicske veröffentlicht, die zeigen, wie drei Personen von Polizisten umringt auf Bahngleisen liegen. Ein Mann hält dabei eine junge Frau mit ihrem Baby fest. Zudem wurden Bilder veröffentlicht, wie der Mann von Polizisten weggebracht wird und wie die Frau alleine mit dem Kind auf den Gleisen zurückbleibt.
In den Artikeln zu den Bildern wurde berichtet, dass die ungarische Polizei Flüchtlinge gegen ihren Willen in ein Flüchtlingslager bringen soll.
Mehrere Leser haben sich an den Presserat gewandt und kritisiert, dass diese Bilder sehr suggestiv seien und die Leser verleiten würde zu glauben, dass hier Gewalt gegen Flüchtlinge verübt werde.
Ein auf „youtube“ abrufbares Video über den Vorfall belegt, dass der Mann die Frau mit dem Baby absichtlich zu Boden gerissen hat. Was den Sturz anbelangt, war die Polizei nicht beteiligt.
Der Senat vertritt die Ansicht, dass den Lesern durch die Bilder ein falsches Bild der Situation vermittelt wurde und zu Unrecht der Eindruck entstand, dass es sich hier um einen Fall von Polizeigewalt handelt.
Werden – wie hier – Bilder aus dem Kontext gerissen, besteht die Gefahr, dass die Leser eine fundamental falsche Vorstellung von der Sachlage bekommen. Stellt sich im Nachhinein heraus, dass sich ein Geschehen anders zugetragen hat, als ursprünglich berichtet, oder sind Bilder in einem falschen Kontext veröffentlicht worden, ist es nach Ansicht des Senats wichtig, dass dies im Zuge eines Folgeberichts klargestellt wird (siehe dazu Punkt 2.4 des Ehrenkodex für die österreichische Presse).

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