„Luis Trenker – Ein Mann und seine Legenden“: „Universum History“ zeichnet ein ungeschöntes Bild des Südtirolers

Außerdem am 20. November: Südtirol – Überlebenskampf zwischen Mussolini und Hitler

Wien (OTS) - Ein knorriger Naturbursch mit Filzhut: So ist der 1990 verstorbene Luis Trenker bis heute in Erinnerung geblieben. Er galt als Pionier des Bergfilms, feierte als Schauspieler, Autor, Regisseur und TV-Moderator über Jahrzehnte große Erfolge. Wenn es um seine Karriere ging, hatte Trenker keine Berührungsängste mit den Diktatoren seiner Zeit, weder mit Adolf Hitler noch mit Benito Mussolini. Ergänzend zu Wolfgang Murnbergers Spielfilm „Luis Trenker – Der schmale Grat der Wahrheit“ mit Tobias Moretti in der Hauptrolle, den sich am 18. November bis zu 725.0000 Zuschauer/innen (durchschnittlich 663.000 Prozent Marktanteil) nicht entgehen ließen, zeichnet die „Universum History“-Dokumentation „Luis Trenker – Ein Mann und seine Legenden“ – wie der Spielfilm eine Koproduktion von Bayerischem Rundfunk und ORF – am Freitag, dem 20. November 2015, um 22.45 Uhr in ORF 2 ein ungeschöntes Bild des Südtirolers.

Regisseurin Karin Duregger, selbst Südtirolerin, versucht in der Koproduktion von ORF, BR, epo-film und BMBF, gefördert von BLS, Motive und historische Hintergründe von Trenkers Karriere offenzulegen. Als spezielles Service wird „Luis Trenker – Ein Mann und seine Legenden“ auch in einer Hörfilmfassung mittels Zweikanalton ausgestrahlt. Blinden und Sehschwachen steht die Sendung somit mit einer akustischen Bildbeschreibung zur Verfügung. In einem „Menschen & Mächte spezial“ widmet sich Birgit Mosser-Schuöcker danach um 23.35 Uhr in ORF 2 dem Südtiroler Überlebenskampf zwischen Mussolini und Hitler.

Nach dem Zweiten Weltkrieg startete Luis Trenker jene Karriere, die seine bis heute andauernde Bekanntheit begründet: Im Fernsehen gab er – launig, unterhaltsam und unkritisch – Anekdoten aus seinem facettenreichen Leben zum Besten. Das Publikum eroberte er dabei im Sturm. In den ab 1959 vom Bayerischen Rundfunk ausgestrahlten Sendungen „Luis Trenker erzählt“ und „Luis Trenker – Alles gut gegangen“ konzentrierte sich Trenker in erster Linie auf die positiven Erinnerungen seines Lebens. Von der „finsteren Zeit“, wie er die Gräuel Nazi-Deutschlands nannte, sprach er seltener. Damit die „Leit schlofen kennen“, so Trenkers Erklärung. Die Dokumentation zeigt, mit welchem Ehrgeiz Luis Trenker Zeit seines langen Lebens an seinem persönlichen Fortkommen gearbeitet hat. Ohne viel Skrupel gegenüber seinen Auftraggebern und stets bemüht, an seinem Bild für die Nachwelt zu arbeiten. Biografische Details wie die Scheidung seiner Eltern sparte er gerne aus, den stattlichen Hof seiner Großeltern gab er als sein Geburtshaus aus.

Luis Trenker wollte stets hoch hinaus. Seine ersten Bergfilm-Erfolge feierte er als Schauspieler, später reüssierte er zusätzlich als Regisseur und Drehbuchautor, etwa mit Filmen wie „Berge in Flammen“ (1931) oder „Der Rebell“ (1932). Er verklärte dabei oft behandelte Themen wie „Heimat“, „Natur“ oder „Krieg“. Gerne verfilmte Trenker historische Stoffe, bei „Der Rebell“ den Kampf der Tiroler gegen Bayern sowie Frankreich und Napoleon im 19. Jahrhundert. Inhaltlich orientierte er sich an jener „Blut und Boden“-Ideologie, die auch im Gesellschaftsbild der späteren NS-Ideologie eine große Rolle spielte. „Bei Trenker geht es um ein ganz bestimmtes Männlichkeitsideal, um Gehorsam und Treue, um diese Naturburschen, die das Idealbild der Nationalsozialisten vertreten haben. Als die Nazis an die Macht kommen, fällt Luis Trenker natürlich perfekt in diese Propagandamaschinerie hinein“, sagt Eva Pfanzelter, Zeithistorikerin an der Universität Innsbruck.

Schon im Jahr 1932 zeigten sich Adolf Hitler und Joseph Goebbels von Luis Trenkers Wirken begeistert, für Goebbels ist „Der Rebell“ eine Parabel über das „Joch von Versailles“, also die – in den Augen der späteren Nazi-Schergen – ungerechten Grenzziehungen im Europa nach dem Ersten Weltkrieg. Luis Trenker macht daneben Filme für die Faschisten in Rom („Condottieri“, 1937), was ihn wiederum bei den Nazis in Berlin, aber vor allem in Südtirol selbst in Ungnade fallen lässt. Da nutzt es auch wenig, dass Trenker später NSDAP-Mitglied wird und sich – nach einigem Hin und Her – bei der Südtiroler Option für Nazi-Deutschland und Hitler entscheidet.

„Luis Trenker – Ein Mann und seine Legenden“ beleuchtet wichtige Dokumente, etwa Trenkers Briefe an Adolf Hitler oder das NS-Propagandaministerium. „Er war ein Nazi, keine Frage, er war Mitglied der NSDAP. Die Frage ist aber auch, ob er ein Täter war, ein ideologischer Täter“, sagt Zeithistorikerin Pfanzelter. Diese Dokumentation zeigt zudem, in welch schwieriger Situation Trenker als Südtiroler in dieser Zeit voller Umbrüche zurechtkommen musste. So wurden die Südtiroler als deutsche Sprachgruppe im Italien der Zwischenkriegszeit auf sämtlichen Ebenen benachteiligt, Gesetze und Verordnungen sorgten für eine Italienisierung sämtlicher Lebensbereiche. Deutsch wurde als Unterrichtssprache verboten, deutsche Zeitungen zensiert.

Der rote Faden in der Biografie Luis Trenkers ist seine Ambivalenz im Umgang mit den Mächtigen seiner Zeit. Eine mögliche Erklärung dafür ist sein Streben nach Erfolg und Anerkennung. Das zeigen die Aussagen jener Experten und Expertinnen, die Regisseurin Karin Duregger für ihren Film vor die Kamera gebeten hat: etwa den US-amerikanischen Filmhistoriker Kamaal Haque, die Innsbrucker Zeithistorikerin Eva Pfanzelter, den Trenker-Biografen Stefan König oder Trenkers einstigen Agenten Hans-Jürgen Panitz. Die neue Dokumentation „Luis Trenker – Ein Mann und seine Legenden“ reflektiert den ungebrochenen Mythos und legt ein differenziertes Bild von Luis Trenker frei.

Die Sendung ist auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) – vorbehaltlich vorhandener Online-Lizenzrechte – als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar.

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