Asbest im Görtschitztal: GLOBAL 2000 fordert lückenlose Aufklärung

Bauschutt-These des Landes Kärnten unplausibel +++ Zeugenhinweise auf weitere Asbestdepots +++ Umfassende Erkundung von Verdachtsflächen dringend notwendig

Wien (OTS) - Dienstag um 8:55 Uhr erging an GLOBAL 2000 eine E-Mail mit Fotos, die beige-farbene Verunreinigungen auf einer Ackerfläche zeigen. Diese Verunreinigungen würden laut telefonischer Auskunft unserer/unseres Informanten/in im Zuge des Pflügens an die Oberfläche getragen. Gerüchten zufolge seien an dieser Stelle vor Jahrzehnten größere Mengen an Asbest vergraben worden. GLOBAL 2000 beauftragte umgehend den Gerichtssachverständigen für Asbest und Umweltschäden, DI Dr. Robert Sedlacek. Dieser nahm am selben Tag um 16:30 Uhr am Ort der Verdachtsfläche zwei Proben entgegen, und untersuchte diese am nächsten Tag in seinem Wiener Labor. „Um 10:50 Uhr kam dann der Anruf vom Labor, dass beide Proben unterschiedliche Arten von Asbest in großer Menge enthielten“, schildert GLOBAL 2000 Umweltchemiker Helmut Burtscher: „Daraufhin beschlossen wir kurzfristig, eine Pressekonferenz abzuhalten. Gleichzeitig informierten wir den Bund und das Land Kärnten über das Untersuchungsergebnis und starteten nähere Recherchen zu den möglichen Hintergründen der Kontamination.

Recherchen von GLOBAL 2000 lieferten folgende Ergebnisse:

  • Auf der von GLOBAL 2000 beprobten Fläche seien Mitte der 70er-Jahre laut Aussagen eines Anrainers mehrere LKW-Ladungen an Asbest vergraben worden.
  • Bei dem im fraglichen Zeitraum grundbücherlich eingetragenen Grundstücksbesitzer dürfte es sich um einen Beschäftigten der Wieterdorfer Zementwerke gehandelt haben. Die Wietersdorfer Zementwerke verarbeiteten bis in die 80er-Jahre hinein Asbest.
  • Weiteren Zeugenberichten zufolge seien auch zahlreiche, im zweistelligen Bereich liegende, weitere Flächen, sowie der Bau der Görtschitztal-Straße zur Deponierung von Asbestabfällen genutzt worden.

Vergraben von Asbest in den 70er-Jahren Standard-Entsorgunsmethode

Sollten sich diese Aussagen bestätigen, heißt das allerdings noch nicht zwingend, dass diese Form der „Entsorgung von Asbest“ gegen damaliges Recht verstoßen hat, schildert Asbest-Experte Dr. Robert Sedlacek: „In Ermangelung klarer gesetzlicher Regelungen für die Behandlung und Entsorgung von Produktionsabfällen dürfte das „Vergraben“ solcher Abfälle, bevorzugt auf abgelegenen Flächen, bis in die späten 70er-Jahre generell übliche Praxis gewesen sein“, so der Experte.

Die Aussage des Landes Kärnten, beim Asbest-Fund von GLOBAL 2000 handle es sich um eine lokal begrenzte Ablagerung von Bauschutt, von der keine Gefahr ausginge, ist aus drei Gründen nicht plausibel:

Erstens: Bauschutt enthält üblicherweise keinen Asbest, wohingegen beide auf dem Acker gezogenen Stichproben hohe Asbestgehalte aufweisen.

Zweitens: Weder der optische Eindruck noch das Untersuchungsergebnis sind als typisch für Asbest-haltige Baustoffe anzusehen, sondern deuten eher auf das Vorliegen von Produktionsabfällen hin. Um hierzu eine abgesicherte Aussage treffen zu können, sind aber weitere Erkundungen erforderlich.

Drittens: Das Land Kärnten argumentierte gegenüber Medien bereits zwei Stunden (!), nachdem GLOBAL 2000 die Katasternummer und GIS-Daten der kontaminierten Fläche ermittelt und dem Land Kärnten bekannt gegeben hatte, mit der Bauschutt-These. Seriöse und belastbare Aussagen erfordern aber eine Untersuchung der Verdachtsfläche, beispielsweise anhand von Baggerschürfen und Laboruntersuchungen. Eine solche Untersuchung fand aber in diesen zwei Stunden nicht statt.

GLOBAL 2000 wird zu den hier dargelegten Hintergründen eine umfassende Sachverhaltsdarstellung erstellen und an die Staatsanwaltschaft übergeben. Ungeachtet der Verantwortung oder einer möglichen Schuldfrage ist es aber oberste Priorität, das Ausmaß der Kontamination sorgsam abzuklären und Sanierungsmaßnahmen zu ergreifen, die den Schutz der Bevölkerung im Görtschitztal gewährleisten.

GLOBAL 2000 fordert:

1.) Beauftragung eines unabhängigen gerichtlich beeideten Sachverständigen für Asbest und Umweltschäden mit der Erkundung der von GLOBAL 2000 stichprobenartig beprobten Fläche.

2.) Falls diese Erkundigungen die Bauschutt-Hypothese widerlegen, muss der Untersuchungsumfang auf weitere Verdachtsflächen ausgeweitet werden.

3.) Die daraus resultierende umfassenden Erhebung der Asbestbelastung im Görtschitztal soll als Basis für die Ausarbeitung eines Sanierungskonzepts und die Durchführung von Sanierungsmaßnahmen dienen.

GLOBAL 2000 wird mithilfe des Rechtsinstruments einer Umweltbeschwerde Parteienstellung in diesem Sanierungsverfahren anstreben.

Prüfbericht unter www.global2000.at bzw. Fotos unter www.flickr.com/photos/global2000

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