Paying Taxes 2016: Österreich verliert im internationalen Steuerwettbewerb zwei Plätze

Österreich liegt im internationalen Steuerwettbewerb auf Platz 74 von 189 Volkswirtschaften

Wien (OTS) - Elektronische Einreichungs- und Zahlungssysteme für Steuern erleichtern Unternehmen weltweit das Erfüllen ihrer Abgabenverpflichtungen. Weltweit werden immer mehr dieser Systeme eingeführt, mit dem Ergebnis, dass der Zeitaufwand, den Unternehmen für die Erfüllung ihrer Steuerpflicht aufwenden müssen, in den letzten zehn Jahren deutlich gesunken ist. Dies zeigt die jüngste Ausgabe der Studie Paying Taxes, die von der Weltbankgruppe und PwC erstellt wird. Der Schwerpunkt der Volkswirtschaften liegt somit nicht länger darauf, Unternehmenssteuersätze zu reduzieren, sondern verschiebt sich in Richtung neuer Technologien und Verringerung des Verwaltungsaufwands, der aus Compliance-Themen resultiert.

Laut der Studie Paying Taxes 2016 beträgt der Gesamtsteuersatz (gemäß Definition der „Doing Business“-Methode der Weltbank) des untersuchten Durchschnittsunternehmens 40,8 % des Unternehmensgewinns. Gegenüber dem letzten Jahr entspricht dies einer Verringerung um lediglich 0,1 Prozentpunkte. Dieses Durchschnittsunternehmen leistet 25,6 Steuerzahlungen pro Jahr und benötigt 261 Stunden zur Erfüllung seiner Steuerverpflichtungen (eine Reduktion von zwei Stunden gegenüber dem Vorjahr).

Österreich verschlechtert sich im internationalen Steuerwettbewerb

Österreich belegt mit einer Total Tax Rate von 51,7 % Platz 74 von 189 Volkswirtschaften und verschlechtert sich im Vergleich zum Vorjahr um zwei Plätze (Paying Taxes 2015: Platz 72 mit einer Total Tax Rate von 52 %). Im Schnitt verbringt ein mittelgroßes Unternehmen in Österreich 166 Stunden mit der Erfüllung seiner Steuer- und Abgabenpflicht.

Dr. Rudolf Krickl, Partner und Steuerexperte bei PwC Österreich:
„Österreich verliert im internationalen Steuerwettbewerb weiter Plätze. Die Steuergesetze in Österreich haben weiter an Komplexität zugenommen. Dieser Trend setzt sich in der Steuerreform des Jahres 2015 fort.“

„Die österreichische Finanzverwaltung ist seit Jahren bemüht die elektronischen Systeme zur Erfüllung der Abgabenverpflichtungen laufend zu verbessern um den Zeitaufwand der Unternehmen in diesem Zusammenhang zu reduzieren. Diese Bemühungen sind zu begrüßen und müssen konsequent fortgeführt werden, um Unternehmen und damit dem ganzen Wirtschaftsstandort Österreich keinen Nachteil zu verschaffen“, so Krickl.

Steuerbedingter Aufwand weltweit reduziert

Im Laufe der zehn Jahre, die von dieser Studie abgedeckt werden, hat sich der durchschnittliche steuerbedingte Aufwand weltweit um 61 Stunden reduziert. Der Subindikator der Anzahl der geleisteten Steuerzahlungen ist um 8,2 Zahlungen zurückgegangen, was vor allem auf die Einführung und Verbesserung von elektronischen Einreichungs-und Zahlungssystemen zurückzuführen ist.

Die Studie Paying Taxes zeigt darüber hinaus, dass für Unternehmen weltweit im Durchschnitt Lohnsteuern ein ähnlicher Kostenfaktor sind wie Ertragsteuern. Beide betragen durchschnittlich je 16,2 % der weltweiten Unternehmensgewinne und machen vier Fünftel der von Unternehmen direkt gezahlten Steuern aus.

Krickl ergänzt: „Es besteht nach wie vor beträchtlicher Reformbedarf bei der Vereinfachung von Steuersystemen und der Unterstützung der Compliance. In diesem Jahr zeigt die Studie besonders deutlich, dass viele Entwicklungsländer vor allem bei der Bereitstellung von IT-Infrastruktur und Breitband vor großen Herausforderungen stehen. Diese Infrastruktur ist aber unerlässlich für die Gestaltung und den Betrieb eines modernen Steuersystems, das wiederum Mehreinnahmen für nachhaltiges Wachstum bringt.“

Digitale Technologien für verbesserte steuerliche Compliance

Und weiter: „Auch digitale Technologien spielen eine immer größere Rolle, die Digitalisierung manifestiert sich weltweit in den Steuersystemen selbst. Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre Steuerprozesse und -systeme mit den Veränderungen Schritt halten. In vielen Unternehmen liegt der Schwerpunkt nun darauf, komplexere Systeme einzuführen, um ihre steuerliche Compliance sicherzustellen und das Risiko von Finanzstrafen bzw. Reputationsschäden zu vermeiden. Laut Schätzungen wenden große Unternehmen ca. 80 % ihre Ausgaben für Steuermanagement für Compliance und nur mehr 20 % für Steuerplanung auf. Die Steuerabteilungen der Unternehmen brauchen in Zukunft eine fundierte Technologiestrategie, um sicherzustellen, dass das Unternehmen die Vorschriften einhalten kann und Potenziale erkennt.“

Die 18. jährlich durchgeführte PwC-Studie Annual Global CEO Survey zeigt ebenfalls, dass Steuern zu den fünf wichtigsten Problemfeldern für Unternehmen gehören. Sieben von zehn CEOs (70 %) sind etwas bzw. sehr besorgt über die zunehmende Steuerbelastung ihrer Unternehmen.

Die Studie Paying Taxes 2016 erfasst alle Pflichtsteuern und -beiträge, die ein mittelgroßes Unternehmen pro Jahr zu zahlen hat. Die erfassten Steuern und Beiträge beinhalten Gewinn- oder Körperschaftsteuern, vom Arbeitgeber zu zahlende Sozialversicherungsbeiträge und Steuern auf Arbeit, Vermögenssteuern, Grunderwerbsteuern, Dividendensteuern, Kapitalertragsteuern, Finanztransaktionssteuern, Müllgebühren, KfZ-Steuern und Straßenabgaben sowie weitere unbedeutendere Steuern und Gebühren.

Weitere Informationen zur Studie Paying Taxes finden Sie unter:
www.pwc.com/payingtaxes

Die jährlich erscheinende Studie Paying Taxes basiert auf dem Kapitel Paying Taxes im Bericht Doing Business der Weltbankgruppe. Weitere Informationen zum Bericht Doing Business finden Sie unter:
www.doingbusiness.org

Über PwC:

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Die Weltbankgruppe spielt eine wesentliche Rolle bei den weltweiten Bemühungen zur Bekämpfung von extremer Armut und der Förderung des gemeinsamen Wohlstands. Sie besteht aus fünf Institutionen: Weltbank, inkl. International Bank for Reconstruction and Development (IBRD) und International Development Association (IDA); International Finance Corporation (IFC); Multilateral Investment Guarantee Agency (MIGA); sowie International Centre for Settlement of Investment Disputes (ICSID). Diese Institutionen arbeiten in mehr als 100 Ländern zusammen und stellen Finanzierungen, Beratung und andere Lösungen zur Verfügung. So werden Länder dabei unterstützt, sich den dringendsten Herausforderungen bei ihrer weiteren Entwicklung zu stellen. Weitere Informationen finden Sie unter: www.worldbank.org, www.miga.org und www.ifc.org

Methode

In der Studie werden die Steuerkosten und der administrative Aufwand für ein regionales, mittelgroßes Unternehmen im zweiten Jahr der Geschäftstätigkeit erfasst:

  • Steuerpflichtiges Unternehmen mit beschränkter Haftung
  • Betriebstätigkeit in der größten Geschäftsstadt des Landes
  • Zu 100 % in inländischem Besitz
  • 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: 4 Manager, 8 Personen im Sekretariat und 48 Arbeiter
  • Geschäftstätigkeit im allgemeinen industriellen bzw. kommerziellen Bereich
  • Keine Außenhandelstätigkeit
  • Umsatz von 1.050 Mal dem Pro-Kopf-Einkommen

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Sabine Müllauer-Ohev Ami
Leitung Corporate Communications
PwC Österreich
Tel. 01 / 50188-5100
sabine.muellauer@at.pwc.com

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