NEOS Lab-Diskussion: Bildungsreform fehlt die Vision

Der Tag danach bestätigt: eine große Reform war das keine

Wen (OTS) - Im NEOS Lab wurde unter der Moderation des Lab-Direktors Josef Lentsch die gestern vorgestellte Bildungsreform-Punktation diskutiert und ein erstes Stimmungsbild von den direkt Betroffenen eingeholt. Während die Bundesregierung ihren vermeintlichen Erfolg feiert, sind sich am Podium alle Diskussionsteilnehmer_innen einig:
„Eine Reform ist das keine“.

Durchwegs positiv bewertet wurden lediglich der Ausbau von Highspeed-Internet und WLAN in allen Schulen, der verbesserte Datenaustausch zwischen Kindergarten und Volksschule sowie die Einführung des zweiten verpflichtenden Kindergartenjahres. Auch wenn dazu bereits zu Beginn von Heidi Schrodt, der Vorsitzenden von BildungGrenzenlos, angemerkt wurde, dass es sich im Grunde um einen Etikettenschwindel handelt: „Immerhin besuchen bereits jetzt 95% aller Kinder im entsprechenden Alter einen Kindergarten. Viel ändert sich also nicht.“

Kritik gab es zunächst auch seitens Sprecherin der Plattform EduCare, Heidemarie Lex-Nalis: „Die Reform ist eine Enttäuschung. Sie bringt eine Reihe von Aufgaben für alle Beteiligten, ohne aber geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen. Das zeigt sich schon daran, dass es erneut keine tertiäre Ausbildung für Kindergartenpädagoginnen geben wird.“ Bundesschulsprecher Maximilian Gnesda argumentierte aus Sicht der Hauptbetroffenen, nämlich den Schüler_innen in Österreich: „Wir freuen uns, dass zumindest wieder über Bildung gesprochen wird - das ist nicht selbstverständlich. Die Bildungsreform ist ein erster Schritt, die Erwartungen sind nicht erfüllt. Wichtig wäre etwa, dass endlich eine echte modulare Oberstufe kommt, damit Schülerinnen und Schüler endlich ihre Talente und Interessen optimal fördern können.“

Alle Diskussionsteilnehmer_innen waren sich einig, dass für eine ernstzunehmende Bildungsreform generell die Vision fehle. So sei etwa die Obergrenze von 15% für die Modellregion „Gemeinsame Schule“ nicht ausreichend. Damit werde der Stillstand für die nächsten zehn Jahre fortgesetzt. Eine echte Schulautonomie sei trotz erster Schritte in die richtige Richtung nicht erkennbar. Paul Kimberger, der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Pflichtschullehrinnen und Pflichtschullehrer, kritisierte die in diesem Zusammenhang die Planlosigkeit der Regierung: „In den letzten Jahren hat geradezu eine Innovationshysterie stattgefunden. Die Kraft der Weiterentwicklung liegt in den Schulen nicht bei der Politik. Die Lehrerinnen und Lehrer sind da oftmals schon viel weiter.“ Dass auch die neuen Bildungsdirektionen nicht den internationalen Standards entsprechen, kritisierten Heidi Schrodt und der stellvertretende NEOS-Klubobmann Niki Scherak: „Diese Einrichtungen bleiben weiterhin politisch gelenkt und bringen im Grunde überhaupt keine Veränderung.“

Größter Kritikpunkt war bei allen Diskutant_innen die fehlende Einbindung der Schulpartner und der Oppositionsparteien in die Verhandlungen zur Schulreform. „Sowohl die Öffentlichkeit als auch die Schulpartner und die Oppositionsparteien im Parlament wurden aus den Beratungen der Bildungsreformkommission und des Bildungsministeriums ausgeschlossen. Wie auf so eine Art und Weise tragfähige und von der Breite mitgetragene Lösungen erarbeitet werden sollen, ist mir unverständlich“, kritisierte Niki Scherak. Elisabeth Rosenberger, Vorsitzende Verband der Elternvereine an den höheren und mittleren Schulen Wiens, ergänzte: „Dass gerade jene Menschen keine Mitgestaltungsmöglichkeit haben die es am meisten betrifft, zeigt wie hier mit Schülern, Lehrern und Eltern umgegangen wird.“

Am Podium war man sich einig, dass ein gemeinsames Reformprojekt nur im Rahmen eines integrativen, parteiübergreifenden Dialogprozesses entwickelt werden könne. „NEOS fordern umfassende Autonomie in pädagogischer, finanzieller und personeller Hinsicht. In der Gesetzgebungsphase kann jetzt wohl nur noch an kleinen Schrauben gedreht werden - der große Wurf wird das nicht mehr. Dennoch geben wir nicht auf und bleiben auch weiterhin zur konstruktiven Mitarbeit bereit“, merkte Niki Scherak abschließend noch an.

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