• 18.11.2015, 11:49:09
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Erwartungen und Ergebnis der Bildungsreform – der NEUSTART SCHULE-Faktencheck

Gestern präsentierte die Bundesregierung Vorschläge für eine Schulreform. Partner der Initiative NEUSTART SCHULE luden zu einem Faktencheck, um die Ergebnisse zu evaluieren.

Utl.: Gestern präsentierte die Bundesregierung Vorschläge für eine
Schulreform. Partner der Initiative NEUSTART SCHULE luden zu
einem Faktencheck, um die Ergebnisse zu evaluieren. =

Wien (OTS/PdI) - „Die Reform der Schulorganisation ist kein
Selbstzweck“, so Elisabeth Anselm, Geschäftsführerin Hilfswerk
Österreich. Es müsse gewährleistet werden, dass schulische Bildung in
hoher Qualität für alle Kinder und Jugendlichen möglich wird. Der
Begriff Schulverwaltung sei in diesem Kontext auch obsolet, es gehe
vielmehr um eine moderne Organisation von Bildung. „Bei der
Präsentation der Regierungsvorschläge lassen sich bereits einige gute
Tendenzen erkennen, aber es ist noch Luft nach oben.“

Aufwertung von Elementarbildung und Autonomie

Die Bemühungen zur Aufwertung der Elementarbildung müsse man
differenziert sehen. Dazu Heidemarie Lex-Nalis, Sprecherin der
Plattform EduCare: „Wir freuen uns natürlich, dass das zweite
verpflichtende Kindergartenjahr nun doch gekommen ist. Leider wurde
die Chance vertan, die Elementarbildung in das Bildungsmanagement auf
Bundesebene zu integrieren und mit hoher Autonomie auszustatten. Und
es ist fraglich, wie die Umsetzung des bundesweiten Qualitätsrahmens
mit den Ländern auf die Beine gestellt werden kann.“ Die geplante
Anhebung der Ausbildungsqualität im elementarpädagogischen Berufsfeld
sei zwar begrüßenswert, aber von einer gleichwertigen Ausbildung mit
anderen PädagogInnen noch immer weit entfernt.

Gerda Schaffelhofer, Präsidentin der Katholischen Aktion
Österreich, präzisierte hinsichtlich der Autonomie: „Die Stärkung der
Direktion bei der PädagogInnenauswahl und die flexiblen
Gestaltungsmöglichkeiten des Unterrichts und der Unterrichtszeiten
sehen wir sehr positiv. Jedoch scheint die Möglichkeit lediglich 5
Prozent des Lehrpersonals in pädagogisches Supportpersonal
umzuwandeln – auch im internationalen Vergleich – zu gering. Für
diese erweiterte Autonomie benötigt es jedenfalls eine gezielte Aus-
& Fortbildung für SchulleiterInnen.“ Besonders erfreulich, so waren
sich die Unterstützer einig, seien die Möglichkeiten zur Entwicklung
eines Schulprofils und individueller Schwerpunktsetzungen.

Kompromiss bei der Schulverwaltung

Ob sich die neuen Bildungsdirektionen tatsächlich als gute Lösung
für die Schulorganisation erweisen, werde sich zeigen. Bernd Wachter,
Generalsekretär der Caritas, war skeptisch: „In der Umsetzung wird
man sehr darauf achten müssen, dass sich die neuen
Bildungsdirektionen nicht als umbenannte Landesschulräte entpuppen,
dann wird daraus kein Schmetterling, sondern ein Nachtfalter des
Bildungssystems. Die einheitliche Verrechnung aller Lehrerinnen und
Lehrer über das BRZ sehen wir jedenfalls positiv, auch die
Abschaffung der Landesschulratspräsidenten und der Kollegien.“
Negativ sei, dass es keine formelbasierte und sozialindizierte
(Pro-Kopf-)Finanzierung außerhalb des Finanzausgleichs geben werde.

Nur im Ansatz erfüllt sehen die „Neustart Schule“-Partner die
Qualitätssicherung. Die Selbstevaluation und Zielvereinbarungen
würden zwar durch die so genannte Schulaufsicht Neu begleitet, diese
sei jedoch in der Bildungsdirektion angesiedelt und könne daher nicht
unabhängig agieren. Bernd Wachter: „Ich erkenne viele positive
Ansätze, aber jede und jeder weiß, wie sehr ein Vorhaben noch reifen
kann, wenn man eine Nacht drüber schläft, erst recht, wenn man eine
Nacht durchgearbeitet hat. Ich würde der Regierung sehr empfehlen,
das zu tun, und den Sack noch nicht ganz zuzumachen.“

Die großen inhaltlichen Fragen stehen erst an

Zusammenfassend waren sich alle Unterstützer einig: Die
vorliegenden Reformvorschläge seien für die angesprochenen Bereiche
der Schulverwaltung durchaus als Teilerfolg zu sehen. Was nun
ausstehe sei, sich den großen inhaltlichen Fragen zu stellen.
IV-Generalsekretär Christoph Neumayer: „Dazu gehört die Definition
von Bildungszielen gleichermaßen wie die Einführung einer
Bildungspflicht, die Qualitätssteigerung der Pflichtschule, Maßnahmen
gegen Schulabbruch oder die Anpassung des Lehrerdienstrechts an die
Autonomie. Dafür braucht es einen parteiübergreifenden Prozess mit
Beteiligung der Betroffenen, der Zivilgesellschaft und der
Wissenschaft. Ein solcher Prozess soll noch in dieser
Legislaturperiode stattfinden.“

Über „Neustart Schule“

„Neustart Schule“ ist eine Initiative der Industriellenvereinigung
und ihrer Partner, die Bewegung in die österreichische
Bildungspolitik bringt. Sie thematisiert die Zukunft von Bildung in
Österreich und wird bisher von über 20.200 Personen unterstützt. Ziel
von Neustart Schule ist es, mit der Unterstützung von Partnern,
Expertinnen sowie Experten und der Bevölkerung auf die Notwendigkeit
einer Bildungsreform aufmerksam zu machen und die Politik dafür zu
gewinnen. Weitere Informationen unter www.neustart-schule.at und auf
Facebook unter www.facebook.com/neustartschule.

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