SOS-Kinderdorf, Netzwerk Kinderrechte und wienXtra: Kinderrechte für geflüchtete Kinder!

Aktion „SOS Boat of Hope“ macht auf die Situation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen aufmerksam. Forderung nach kindgerechter Betreuung ALLER Kinder in Österreich.

Wien (OTS) - Das SOS Boat of Hope ist ein fünf Meter langes Holzboot, das von jungen Flüchtlingen gebaut und von Kindern bemalt wurde. Im Sommer trat es seine Reise durch Österreich an und schippert seither durchs Land. Nun erreicht es seinen Zielhafen: Das Wiener Museumsquartier.

„Das SOS Boat of Hope ist ein sichtbares Zeichen für die Millionen Kinder und Jugendliche auf der Flucht – und dafür, dass uns ihr Schicksal nicht egal ist“, sagt SOS-Kinderdorf-Geschäftsleiter Clemens Klingan. Begleitet wird das Boot von einem bunten Rahmenprogramm (www.sos-kinderdorf.at/boatofhope).

„Uns für alle Kinder und ihre Rechte stark zu machen ist uns ein großes Anliegen. Auch das Recht auf Erholung und Freizeit ist ein Menschenrecht und ganz besonders für Kinder und Jugendliche, die auf der Flucht sind oder eine Flucht hinter sich haben. In der aktuellen Flüchtlingssituation setzen wir einen Angebots-Schwerpunkt rund um Flucht & Asyl. Auch deshalb war es für uns unabdingbar, uns an der Aktion SOS Boat of Hope zu beteiligen“, so Sabine Krones, Leiterin der wienXtra-kinderinfo.

Tausende Minderjährige in Großquartieren

Zum Tag der Kinderrechte am 20. November weist SOS-Kinderdorf gemeinsam mit dem Netzwerk Kinderrechte und wienXtra auf die Situation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Österreich hin. Noch immer sind rund 2500 geflüchtete Kinder und Jugendliche in Erstaufnahmezentren und Großquartieren untergebracht. „Dort fehlt es an Bezugspersonen, an Bildung, an Möglichkeiten, das Erlebte zu verarbeiten. An Orten wie Traiskirchen wird kaum ein Kinderrecht nicht verletzt“, sagt Geschäftsleiter Clemens Klingan.

Asylnovelle verschärft Situation

Die geplante Asylnovelle verschärfe die Situation der Minderjährigen zusätzlich. Demnach sollen subsidiär Schutzberechtige künftig erst nach drei Jahren einen Antrag auf Familienzusammenführung stellen können. Wird ein Jugendlicher in dieser Zeit volljährig, erlischt dieser Anspruch. Denn Erwachsene können nur Ehegatten oder Kinder nachholen.

„Konkret würde das für einen 15-jährigen subsidiär Schutzberechtigten bedeuten, dass er keine Chance mehr darauf hat, seine Eltern oder Geschwister legal wiederzusehen. Er wird dazu gezwungen seine gesamte Jugend ohne persönlichen Kontakt zu seiner Familie zu verbringen.“ Das sei, so Klingan, eine schwerwiegende Verletzung des Rechts auf Familienleben und unverhältnismäßig zur erhofften Abschreckungswirkung. „Zahlreiche Studien belegen wie wichtig die Familie zum Gelingen der Integration ist.“

SOS-Kinderdorf schafft neue Plätze

SOS-Kinderdorf betreut seit 15 Jahren unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Österreich – und schafft laufend neue Plätze, etwa in Niederösterreich, im Burgenland, in Kärnten, in Tirol, in Salzburg. In Wien eröffnen demnächst zwei neue SOS-Kinderdorf-Wohngruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im 12. bzw. 13. Bezirk. „Uns ist wichtig, diesen Kindern von Anfang an das Richtige zu geben“, sagt Geschäftsleiter Clemens Klingan. Und dies beinhalte mehr als ein Dach über dem Kopf und Essen auf dem Tisch: „Es geht um ein familiäres Umfeld, um Wertschätzung, um Förderung und um Integration.“

Massive Diskriminierung

„Die kindgerechte Obsorge und Betreuung der oft schwer traumatisierten Kinder und Jugendlichen ist eine völkerrechtliche Verpflichtung des Staates Österreich. Kein Gnadenakt! Keine staatlichen Almosen“, sagt Elisabeth Schaffelhofer-Garcia Marquez vom Netzwerk Kinderrechte. „Kinder- und Jugendrechte sind Menschenrechte. Das heißt, hier gilt das Diskriminierungsverbot: Kein minderjähriger Flüchtling darf schlechter behandelt werden als einheimische Kinder und Jugendliche. Tatsächlich werden junge Flüchtlinge aber im Lebensalltag massiv diskriminiert in Österreich.“

Das Netzwerk Kinderrechte fordere deshalb für die Erstaufnahme kindgerechte, bundesweit einheitliche und standardisierte Clearingverfahren. „Was müssen wir kennen, bevor wir weitere Maßnahmen organisieren? Den psychischen und physischen Gesundheitszustand der jungen Flüchtlinge, aber auch seine Kenntnisse und Fähigkeiten. Und diese Jugendlichen haben oftmals enorme Fähigkeiten!“

Kasim Qurbanali kam als 14-Jähriger aus Afghanistan nach Österreich und wurde in einer SOS-Kinderdorf-Wohngruppe in Guntramsdorf aufgenommen. Heute ist er 29 – und betreut selbst junge Flüchtlinge im SOS-Kinderdorf Pinkafeld. „Für mich war es sehr wichtig, dass jemand da ist, der sich um mich kümmert und mir zuhört – nur so konnte ich mich gut integrieren“, sagt er.

Spenden Sie jetzt: AT461644000144774477, BTVAAT22, Kennwort: Kinder auf der Flucht www.sos-kinderdorf.at

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Martina Stemmer
SOS-Kinderdorf Pressesprecherin
martina.stemmer@sos-kinderdorf.at
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