Innovationskultur braucht hierzulande mehr Mut

AUSTROMED-Herbstgespräche 2015 zum Thema „Kosten, Nutzen und Zukunft von Innovationen im Gesundheitswesen“

Wien (OTS) - Innovationen im Gesundheitswesen nehmen einen immer höheren Stellenwert in der österreichischen Wirtschaft ein. Bei den gestern, Mittwoch, in Wien stattgefundenen AUSTROMED-Herbstgesprächen 2015 standen deren Kosten, Nutzen und Zukunft im Zentrum. AUSTROMED-Präsident Mag. Friedrich Thomasberger: „Innovationen sind der Motor des Gesundheitswesens. Die Menschen müssen rasch und umfassend von diesen profitieren können. Dafür benötigt Österreich eine echte Trendwende. Es muss unser Ziel sein, dass nicht BEI, sondern MIT Medizinprodukten gespart wird.“

In seiner Keynote beleuchtete Dr. Thomas Czypionka, Leiter des Forschungsbereichs Gesundheitsökonomie und Gesundheitspolitik am Institut für Höhere Studien (IHS), eindrucksvoll die steigende Wichtigkeit des Gesundheitswesens als Wirtschaftsfaktor in Österreich. Czypionka: „Weit über 805.000 Menschen arbeiten in Österreich direkt, indirekt bzw. induziert in der Gesundheitswirtschaft. Die erweiterte Gesundheitswirtschaft wächst stärker als die Gesamtwirtschaft und ist daher ein Wachstumsmotor. Innovationen sind vor allem durch Forschungsaufwendungen sehr teuer. Um das Gesundheitswesen langfristig innovationsfreudig zu gestalten, muss es für Unternehmen möglich sein, Gewinne zu machen. Ein Kosten/Nutzen-Gegenüberstellung benötigt neben einer statischen auch eine dynamische Betrachtungsweise.“

Im Anschluss diskutierte das Podium das permanente Spannungsfeld zwischen Kosten und Nutzen im Bereich der medizinischen Innovationen. Dr. Michaela Fritz, Vize-Rektorin für Forschung und Innovation der Medizinischen Universität Wien, schilderte ihre Perspektive aus einer universitären Forschungseinrichtung: „Österreich ist leider teilweise technologiefeindlich. Das beginnt schon bei Wörtern wie „Gen“ oder „Atom“, die hierzulande negativ behaftet sind. Innovationen im Gesundheitswesen stehen direkt im Zusammenhang mit den zur Verfügung stehenden Mitteln. Die Stanford University beispielsweise hat genauso viel Geld für Forschung zur Verfügung, wie alle österreichischen Universitäten zusammen.“

Eine ganz entscheidende Rolle spielt immer die Tatsache, woran geforscht wird. Der Druck, stetig Fördergelder zu akquirieren und viele bürokratische Hürden zu überwinden, betrifft auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. DI Manfred Bammer, Head of Business Unit „Biomedical Systems“ am AIT Austrian Institute of Technology: „Gute Ideen gibt es hierzulande viele. Wichtig ist, dass diese Ideen auch tatsächlich in Österreich entwickelt werden. Unser Ziel muss es sein, nicht mehr neidvoll ins Silicon Valley oder anderen Entwicklungs-Hochburgen zu blicken, sondern hierzulande neue Systeme zu entwickeln. Es muss deutlich werden, wie sich der Staat an Projekte in Forschung und Entwicklung beteiligen kann und später aus diesen Projekten finanziell profitiert.“

Österreich braucht ein innovationsfreundlicheres Klima

Die Entscheidung darüber, an welchen Schwerpunkten geforscht wird, ist insbesondere von ökonomischen Aspekten beeinflusst. Mag. Bernhard Wurzer, stellvertretender Generaldirektor des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger, beleuchtete hierbei unter anderem die wirtschaftlichen Faktoren der Erstattungsmechanismen.

Mag. Wurzer: „In Österreich steht kontinuierlich mehr Geld für Innovationen im Gesundheitsmarkt zur Verfügung. Gesundheit hat sich für viele Unternehmen in den letzten Jahren zu einem interessanten Markt entwickelt. Die Sozialversicherungen haben die Aufgabe, darauf zu achten, was mit den zur Verfügung stehenden Mitteln finanziert werden kann. Das Gesundheitswesen braucht alle Jahre einen Kulturwandel, damit sich die verschiedenen Player nicht zu stark auf das System einstellen können und ihre jeweiligen Vorteile ausnutzen können.“

Einigkeit herrschte am Podium darüber, dass Österreich innerhalb der EU zwar unter den Innovationsführern ist. Allerdings appellierten alle Diskutanten an die Politik, ein noch innovationsfreundlicheres Klima in Österreich zu schaffen, um diesen Spitzenplatz in Zukunft halten zu können. Auch die Forderung an die Politik, mehr Mut im Innovationsbereich zu beweisen, teilten die Diskutanten. Dieser Einschätzung schloss sich neben den Expertinnen und Experten auch Wolfgang Wagner, Medizinjournalist und leitender Redakteur, an: „Um Innovationen im Gesundheitswesen schaffen zu können, müssen sie heutzutage gefördert werden. Dies passiert in Österreich z.B. bei klinischen Studien im Vergleich mit anderen Ländern in einem viel zu geringen Ausmaß. Damit die Innovationen für die Menschen auch erreichbar sind, muss das Bestbieterprinzip forciert werden.“

Die diesjährigen Herbstgespräche waren ein außerordentlicher Erfolg. Rund 100 Gäste nahmen an der Veranstaltung teil und nutzten im Anschluss an die Podiumsdiskussion die Möglichkeit zu einem angeregten Erfahrungsaustausch und Networking.

Über AUSTROMED

AUSTROMED ist die Interessensvertretung der österreichischen Medizinprodukte-Unternehmen, die in der Entwicklung, der Produktion, der Aufbereitung und dem Handel von Medizinprodukten in Österreich tätig sind. Medizinprodukte reichen vom Herzschrittmacher über das Hüftimplantat bis hin zum Pflaster. Aufgrund der hohen Innovationskraft werden ständig neue Produkte entwickelt. Rund 100 Mitgliedsunternehmen beschäftigen ca. 9.000 Mitarbeiter und die Wertschöpfung beträgt über 1,5 Mrd. Euro.

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